Mathematik: 1. Von einer Kugel ſoll unten ein ſolcher Abſchnitt beſtimmt werden, daß der auf dem Schnittkreiſe ſtehende Zylinder, welcher aus der Kugel ausgeſchnitten werden kann, ebenſo groß iſt.(Stereometrie.) 2. Es ſoll diejenige Tangente einer Ellipſe beſtimmt werden, welche mit den verlängerten Achſen ein Drei- eck von möglichſt kleinem Inhalte einſchließt.(Analytiſche Geometrie u. Maxima-Minima-Kechnung.) 3. Jemand zahlt bei einer Bank 1000 Mark ein und legt am Ende jedes Jahres 200 Mark hinzu mit der Bedingung, daß nach ſeinem Tode ſeine Frau lebenslänglich am Ende jedes halben Jahres 800 Mark erhalten ſolle. Der Mann lebte noch 30 Jahre; die Frau überlebte ihn um 15 Jahre. Die erſte Zah- lung an die Frau geſchah ein halbes Jahr nach dem Tode des Mannes. Hatte die Bank Vorteil oder Schaden, wenn 4% gerechnet wurden?(Zinſeszinsrechnung.) Folgende Jahresarbeiten wurden angefertigt: 1. Johann es Feige.(Feige.) 2. Das Leben und die Lehre Epi- kurs.(Grebowicz.) 3) Die Einrichtung des künstlerischen und technischen Unterrichts. 1. Zeichnen. Auch in dieſem Jahre wurde der Zeichenunter richt in gleicher Weiſe durchgeführt wie im vorher- gehenden. Das günſtige Sommerwetter geſtattete fleißiges Arbeiten im Freien. So entſtanden eine Reihe Zeichnungen alter, ſchöner Bauten Rintelns, die Grundlagen für Linolſchnitt und Radierun- gen wurden. Die in der letzten Schulwoche veranſtaltete Ausſtellung von Schülerzeichnungen im Zeichenſaal gab Zeugnis von manch tüchtiger Leiſtung. Beſonders fielen die Arbeiten der Ober- primaner Nolting und Seidenſtücker, des Unterſekundaners Bähker, des Untertertianers Kalkreuter und des Quartaners Begemann heraus.— Neben freiem Geſtalten aus der Phantaſie und dem Gedächtnis wurde beſonderer Wert auf genaue Naturbetrachtung gelegt.— Kunſtgeſchichte und Kunſtbetrachtung wurde beſonders auf die Oberſtufe verlegt. Die Primen wurden in die neueſte Kunſt(Expreſſionismus und Neue Sachlichkeit) eingeführt.— Im Werkunter- richt(Winterhalbjahr) wurden neben Papier- und Papparbeiten(Buchheften und Einbinden) Holz- arbeiten angefertigt.(Tiere geſägt und ausge malt.) 2. Muſik. Die Klaſſen VI und V hatten wöchentlich zwei Stunden Muſikunterricht. Geſungen wurden zwei- ſtimmige geiſtliche und weltliche Volkslieder. Zur Feſtigung der Intonation und Erhöhung des Wohlklanges wurden Drei- und Vierklänge, ſowie deren Umkehrungen unter Beobachtung von crescendo und decrescendo geübt. Die Schüler der V wirkten außerdem in den vierſtimmigen Ge- ſängen des gemiſchten Chors mit. Der Muſikunterricht der Klaſſen IV— Ol(in 2 Abteilungen: IV— OIII u. UII— Ol) brachte eine Einführung in die Akkordlehre vom einfachen Dreiklang bis zum Dominantſeptakkord und deren Umkehrungen. Der Unterricht in der Muſikgeſchichte be- ſchäftigte ſich mit der Oper, ihren Anfängen und ihrer Entwicklung bis Wagner. Die Einführung in Wagners Oper„Die Meiſterſinger“ fand praktiſche Unterſtützung durch eine vom Muſiklehrer zuſammengeſtellte und für kleinere Orcheſterbeſetzung eingerichtete Fantaſie für Orcheſter und Chor (Wach auf), die bei der Abendunterhaltung aufgeführt worden iſt. Ein kleinerer gemiſchter Chor ſang bei einer Schulveranſtaltung:„Du Hirte Ifrael“ von Bortmansky,„Aus der jugendzeit“ von Radecke und den Preischor„Fiedel und Brummbaß“ von-Fr. Wagner.— Das aus 28 Schülern beſtehende Streichorcheſter, zu dem noch drei künſtleriſche Hilfskräfte(2 Celli und ein 2. Kontra- baß) hinzugezogen wurden, zählte im ganzen 10 erſte, 10 zweite Geigen, 6 Bratſchen, 4 Celli und zwei Kontrabäſſe. In dieſer anſehnlichen Stärke gelangte in der Abendunterhaltung das Larghetto aus dem g-moll-Concerto-groſſo v. Händel zur Aufführung. Den Damen Heermann u. Schnock, ſowie den Herren Küſter, Zeidler, Schulz, Hoffmann u. Wenck, die uns bei Veranſtaltun- gen der Schule ihre wertvolle Hilfe liehen, ſei auch hier der Dank der Schule ausgeſprochen.— Ein aus vier Schülern der mittleren Klaſſen gebildetes Streichquartett übte Stücke von Bach, Sätze aus Quar- tetten von Mozart und Haydn und ein Weih nachtslied von M. Reger. Die Schülerkapelle übte unter Leitung des Primaners Küſchen im allgemeinen wöchentlich eine Stunde. Die Mitgliederzahl ſchwankte zwiſchen 12 und 15. Da Oſtern gut eingeſpielte Kräfte
Jahrgang
1930
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