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c) Schularbeif im Sinne der Reform.
Durch die Schulreform sieht sich die Schule in ihrer Arbeit vor neue wichtige Auf— gaben gestellt. Sie will nicht in erster Linie Kenntnisse vermitteln, sondern die geistigen Kräfte der ihr anvertrauten Jugend ausbilden. Danach ist die Arbeitsweise umzugestalten. Jedes Fach hat die ihm eigenen GCesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten, und zwar an dem Stoff, der dafür die günstigsten Voraussetzungen bietet. Das einzelne Fach wiederum tritt aus seiner Vereinzelung heraus und verbindet sich mit anderen zum Dienst an einer gemeinsamen Bil— dungsidee. Diese knüpft zunächst an das natürliche Erlebnis des jugendlichen Menschen an, pflegt den Heimatgedanken und durchdringt die Arbeit in Erdkunde, Naturkunde, Geschichte, Deutsch, Zeichnen und Musik. Mit dem wachsenden Verständnis des jungen Menschen tritt in- den mittleren und vor allem in den oberen Klassen die Bildungsidee der Antike immer mehr in den Mittelpunkt, zunächst noch von den Nachwirkungen aus, die sie gezeitigt hat, dann immer mehr in ihrem Eigenwerte erfaßt in dem Mabe, in dem Schrifttum und Kunst der An-— tike gereifterem Verständnis begegnen.
Wie sich die Arbeit in der Schule erfolgreich unter diese Aufgaben stellen kann, er— fordert Ueberlegung und Besinnung. Das Wesentlichste darüber enthalten die„Jahrespläne“, die für jedes Schuljahr neu aufgestellt werden. Was eine Klasse an Stoff zu bewältigen hat, richtet sich in Umfang und Schwierigkeit nach ihrer Leistungsfähigkeit. Der Jahresplan legt fest, was aus dem gesamten Stoffgebiet eines Faches in dem Jahre durchgearbeitet werden soll. So hat z. B. die Unterprima im Geschichtsunterricht des Berichtsjahres nicht den ganzen Ab- schnitt vom Ausgang der Staufer bis zum Wiener Kongreß behandelt, sondern sich eine be— grenzte Anzahl von Abschnitten ausgewählt, die, durch Quellenschriften erläutert, für die ge- schichtliche Entwicklung besonders bedeutsam sind: 1. Die mittelalterliche Stadt; 2. Der Kal- vinismus in seiner politischen Auswirkung; 5. Die Begründung des absoluten Staates unter besonderer Berücksichtigung Preußens; 4. Der Wiederaufbau Preußens. Die Oberprima hat im Geschichtsunterricht folgende Fragen arbeitsunterrichtlich behandelt: 1. Die bewegenden Kräfte und das Erbe der französischen Revolution; 2. Die deutsche Frage und ihre Lösung; 5. Die wirtschaftliche Entwicklung im 19. Jahrhundert und ihre Folgen; 4. Imperialismus und Sozialis- mus. Der Deutschunterricht der Unterprima hat an die Stelle des reinen Entwicklungsgedankens Stoffkreise gestellt, und zwar um folgende Mittelpunkte: 1. Dreißigjähriger Krieg; 2. Auf- klärung; 5. Französische Revolution. Im Deutschunterricht der Oberprima ist die Zeit nach Goethe unter größere Gesichtspunkte gestellt: 1. Erziehung und Reifen; 2. Staat und Gesell- schaft; 5. Die soziale Frage.— Verwandte Fächer arbeiten gemeinsam an einer Aufgabe, z. B. Deutsch, Geschichte, Religionsgeschichte. Lateinische Quellenschriften:„Augustins Gottes- staat“ und„Lateinische Gedichte des Mittelalters“ ergänzen das Kulturbild des Mittelalters.— Der altsprachliche Unterricht der Oberstufe will antikes Wesen in seinen mannigfaltigen Er— scheinungsformen verdeutlichen. Die Beziehungen zur Gegenwart, die sich dabei zwangsläufig ergeben, führen zu einer natürlichen Zusammenarbeit mit anderen Fächern wie Deutsch, Staats- bürgerkunde, Kunstbetrachtung.
Eine solche Arbeit über die Grenzen der Fächer hinaus kann nur dann gedeihen, wenn überall der gute Wille vorhanden ist, aber auch die Ruhe und Sammlung, um sich in diese Aufgaben zu vertiefen. Vielfache, z. T. empfindliche Störungen haben diese Arbeit im Be- richtsjahre stark gehemmt. Das Reifen der Früchte wird man erst von der Zukunft erwarten dürfen.


