Jahrgang 
1907
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II. Schulgeschichte.

Das Schuljahr wurde Dienstag, 24. April in üblicher Weise eröffnet, indem der Direktor nach der gemeinsamen Morgenandacht vor den versammelten Schülern die Schul- ordnung verlass und erläuterte und die am Tage vorher geprüften 40 Schüler durch Hand- schlag auf ihre Befolgung verpflichtete und in den Verband der Schule aufnahm. Hierbei stellte er den Schülern den neueintretenden Hülfslehrer Dr. Wagner') vor, der der An- stalt zur völligen unterrichtlichen Trennung der Unter- und Ober-Prima vom Kgl. Provinzial-Schulkollegium überwiesen worden war. Diese unterrichtliche Trennung der Unter- und Ober-Prima machte es notwendig, eine Klasse ausserhalb des Gymnasial- gebäudes unterzubringen. Mit grosser dankenswerter Bereitwilligkeit überliess uns Herr Landrat von Ditfurth im nahgelegenen Kreishause ein grosses schönes Zimmer, in dem während des Schuljahres die Klasse Quarta unterrichtet wurde.

Am 18. Mai trug die frühere Hofschauspielerin Frau Julia Behre aus Hannover auf der Aula vor versammelten Schülern eine Anzahl deutscher Dich- tungen frei aus dem Gedächtnisse vor und hat durch ihren musterhaften Vortrag den Vortrag der Schüler in günstigster Weise beeinflusst.

Am 1. Juni unmittelbar vor den Pfingstferien zeigte der Physiker Stadthagen aus Breslau der versammelten Schulgemeinde in einer Reiche Wohlgelungener Versuche Die Wunder der flüssigen Luft.

Am 13. Juni unternahmen die einzelnen Klassen unter Führung ihrer Ordinarien die üblichen Ausflüge nach dem Hermannsdenkmal, dem Steinhuder Meer, den Bücke- bergen, der Porta, nach Bad Oeynhausen, nach Hameln und dem Taubenberge.

An der Sammlung einer Flottenspende, welche Sr. Majestät dem Kaiser und König anlässlich der Allerhöchsten silbernen Hochzeit zum 27. 2. 1906 von den Schülern und Schülerinnen der höheren Lehranstalten Deutschlands zur Verfügung gestellt worden war, hatten sich auch die Schüler des Kgl. Gymnasiums beteiligt. Se. Majestät der Kaiser geruhten infolgedessen auch unserer Schule als Zeichen der Allerhöchsten An- erkennung des durch diese Sammlung bewiesenen Patriotismus ein Gedenkblatt mit eigenhändiger Unterschrift zu stiften, welches jetzt in einem würdigen Rahmen einen schönen Wandschmuck eines Klassenzimmers bildet.

*) Karl Wagner, geb. am 25. 11. 1880 zu Frankfurt a. Main, besuchte das dortige Goethe- gymnasium, das er Michaelis 1890 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Er studierte dann in Marburg und München Deutsch, Geschichte und Lateinisch und bestand am 28. 11. 1004 zu Marburg die Lehramtsprüfung für höhere Schulen, nachdem er vorher auf grund einer Abhandlung überDas Ungeld in den schwäbischen Städten bis zur 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts sich die philosoph. Doktorwürde erworben hatte. Zu seiner praktischen Ausbildung wurde er von dem Königl. Provinzial-Schulkollegium zunächst dem Seminar am Gymnasium zu Fulda überwiesen und von Pfingsten 1005 bis Ostern 1906 mit Verwaltung einer Oberlehrer- stelle am Gymnasium zu Hadamar beauftragt.