Jahrgang 
1901
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richt, den ſeit Oſtern 1898 der an das Königl. Gymnaſium zu Marburg berufene Stadtſchul⸗ lehrer Eduard Fiedler mit gewiſſenhaftem Fleiße und befriedigendem Erfolge erteilt hatte.

Vom 14. Mai bis zum 30. Juni war der Profeſſor Berlit wegen hochgradiger Ner⸗ voſität zur Herſtellung ſeiner Geſundheit beurlaubt. Der Probekandidat Dr. R. Andrael) vom Königl. Friedrichsgymnaſium zu Frankfurt a. M. übernahm in dieſer Zeit ſeine Vertretung.

Die Pfingferien dauerten vom 2. bis 6. Juni, die Sommerferien vom 1. bis 30. Juli, die Herbſtferien vom 23. September bis 8. Oktober, die Weihnachtsferien vom 23. Dezember bis 7. Januar.

Am 12. Juni unternahmen die einzelnen Klaſſen unter Führung ihrer Ordinarien die üblichen Ausflüge nach Schloß Sternberg und Lemgo, nach den Bückebergen und Stadthagen, nach dem Steinhuder Meer, dem Hohenſtein, nach Vlotho und nach Hohenhauſen.

Am 31. Juli 1900 bei Eröffnung der Schule nach den großen Ferien nahm der Direktor die erſchütternde Kunde von der Ermordung des Königs von Italien zur Veranlaſſung, die Schüler auf die Pflicht der Pietät gegen Eltern, Lehrer und Obrigkeit hinzuweiſen und vor Genußſucht und Faulheit, vor Zucht⸗ und Pietätloſigkeit zu warnen.

Mit Beginn des 2. Schulvierteljahres wurde in Folge eines Miniſterial⸗Erlaſſes vom 5. Juli 1900 U. II 11620 eine Änderung des katholiſchen Religionsunterrichts dahin ge⸗ troffen, daß der katholiſche Ortsgeiſtliche Herr Pfarrer Lins) dieſen nicht mehr ohne Entgelt in ſeiner Wohnung, ſondern in einem Klaſſenzimmer gegen die übliche Remuneration fortan erteilt.

Am 20. Auguſt mußte der Unterricht von 10 Uhr morgens an wegen zu großer Hitze ausfallen..

Am 28. Auguſt unterzog der Herr Geh. Schulrat Dr. Küppers aus Berlin im Auf⸗ trag des Herrn Miniſters die verſchiedenen Turnabteilungen einer eingehenden Prüfung.

Am 1. September 1900 machte die Schule zur Feier des Sedantages unter Be⸗ nutzung eines Sonderzuges der neuen Eiſenbahn einen Ausflug nach dem Bade Eilſen und feierte dort unter außerordentlich großer Beteiligung der Eltern und Angehörigen der Schüler ein ſehr wohl gelungenes Schulfeſt. Nach einer Anſprache des Direktors wechſelten Geſangsvorträge des Schülerchors und Inſtrumentalvorträge der Schülerkapelle, dann folgte ein Schauturnen,(Lauf,

¹) Richard Andrae, geboren am 14. Februar 1873 zu Frankfurt a. O., beſuchte das Gymnaſium ſeiner Heimatſtadt bis Herbſt 1892 und ſtudierte auf den Univerſitäten zu München, Berlin und Marburg Deutſch, Geſchichte und Erdkunde. Das Zeugnis für das Lehramt an höheren Schulen erhielt er zu Marburg an 28. Oktober 1898, nachdem er ein Jahr zuvor ebendaſelbſt auf Grund einer litterarhiſtoriſchen Unterſuchung der Volksmärchen von Muſäus ſich die philoſophiſche Doktorwürde erworben hatte. Von Oktober 1898 bis 1899 war er zu ſeiner praktiſchen Aus⸗ bildung dem pädagogiſchen Seminar zu Weilburg, dann dem Staatsgymnaſium zu Frankfurt a. M. als Probekandidat überwieſen. In Frankfurt verſah er gleichzeitig eine Oberlehrerſtelle an der höheren Töchterſchule.

2) Hermann Lins, geboren den 15. Auguſt 1863 zu Refferhauſen, Kreis Heiligenſtadt, beſuchte das Gymnaſium zu Heiligenſtadt und Mühlhauſeu i. Th. von 1877 bis 1886 und ſtudierte zu Paderborn, Münſter und Bonn katholiſche Theologie. Im Dezember 1890 zum Prieſter geweiht, war er von 1890 bis 1892 Kaplan in Frank⸗ furt a. M. und Bockenheim und dann bis 1894 in Kaſſel und von 1894 bis 1899 in Allendorf a. W. Im Oktober 1899 wurde er zum katholiſchen Pfarrer in Rinteln ernannt.