17
zu Caſſel vom 30. Januar würde derſelbe auf ſeinen Wunſch vom 1. Januar an aus der Stellung eines Probe⸗Kandidaten entlaſſen.
In der Woche vom 18. bis zum 22. Februar wurden von 17 Oberprimanern die ſchriftlichen Prüfungsarbeiten angefertigt.
Die Aufgabe für den deutſchen Aufſatz lautete: Welche Kontraſte in Oedipus' Leben und Schickſalen bringt Sophokles in ſeinem„König Oedipus“ zur Darſtellung?— Die für den la⸗ teiniſchen Aufſatz: Romani bis debuerunt salutem Arpinatibus.— Für die Uberſetzung aus dem Griechiſchen ins Deutſche war ausgewählt: Iſokrates' Helena§ 49—53, für die hebräiſche Arbeit: 2. Samuel. Kap. 2, V. 1—5.— Die mathematiſchen Aufgaben waren folgende: 1) Es ſoll ein Dreieck gezeichnet werden, wenn gegeben ſind 1. der Radius des der Seite a anbeſchriebenen Kreiſes, 9a; 2. der Winkel; 3. der Radius des umbeſchriebenen Kreiſes, r.— 2) Wie lange und bis zu welcher Höhe würde eine Kanonenkugel ſteigen, welche mit einer Geſchwindigkeit von 490,4 m ſenkrecht in die Höhe geſchoſſen wird, wenn die Luft nicht Widerſtand leiſtete, und nach welchen Zeiträumen würde ſie ſich in der Höhe von 2 km befinden?— 3) Eine Halbkugel und ein Kegel ſtehen auf derſelben Grundfläche, deren Radius= r iſt. Die Höhe des Kegels iſt drei⸗ mal ſo groß, als dieſer Radius. In welcher Höhe über der Grundfläche kann man parallel mit dieſer beide Körper durch eine Ebene ſo ſchneiden, daß die Durchſchnittsfigur der Halbkugel m mal ſo groß iſt, als die des Kegels?(Nach Ableitung der allgemeinen Formel iſt m= 1 zu ſetzen.) — 4) Ein Turm, deſſen Höhe gleich h bekannt iſt, ſteht mit einer Säule auf derſelben Horizon⸗ talebene. Wie hoch iſt die Säule, wenn der Depreſſionswinkel an der Spitze des Turmes zu der Spitze der Säule gleich«und der zu dem Fuße derſelben gleich iſt?(Zahlenbeiſpiel: h= 30,84 m; 2⁴= 30 57 53 ,7; 8= 50 3, 11“,2.)
Die Geſundheit der Lehrer war in dieſem Jahre keine beſonders günſtige zu nennen, und dies führte im Laufe des Schuljahres mannigfache Störungen im Unterrichte herbei. Der ſchwerſte Schlag aber traf die Anſtalt dadurch, daß Kollege Winneberger, welcher ſchon ſeit ſeiner Rückkehr aus; den Herbſtmanövern von 1883 an einem bald mehr, bald minder ſtark auftretenden Huſten litt, endlich durch ſein körperliches Befinden ſich genötigt ſah, vom 8. März an aller Amtsgeſchäfte ſich zu enthalten, um ſich ſofort, zunächſt mit einem vierwöchentlichen Urlaub, in ſeine Heimat zu begeben. Von dort iſt derſelbe auf ärztliche Anordnung vor kurzem zu längerem Aufenthalt in die Kuranſtalt zu Falkenſtein am Taunus übergeſiedelt, von Kollegen und Schülern mit den herzlichſten Wünſchen für die völlige Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit begleitet.
Am 19. und 20. März wurde unter dem Vorſitz des Direktors, welcher mit Wahrneh⸗ mung der Geſchäfte des Königlichen Kommiſſarius beauftragt war, die mündliche Entlaſſungs⸗ prüfung abgehalten, an deren Schluß 13 Aſpiranten das Reifezeugnis zuerkannt werden konnte.
Der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs wurde am 22. März vormittags um 10 Uhr in der feſtlich geſchmückten Aula zunächſt durch Bibellektion und Gebet, ſodann durch einen Redeakt, ſowie durch Geſänge und Deklamationen der Schüler in ſolenner Weiſe gefeiert. Die Feſtrede über den Sänger der Freiheitskriege Max von Schenkendorf hielt Gymnaſial⸗ lehrer Berlit. Unmittelbar an dieſe Feier ſchloß ſich die Entlaſſung der 13 Abiturienten, von


