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In unſerer Stelle iſt das in ein Subſtantiv verwandelte Attribut Object, und demnach iſt das eigentliche Object abhängiger Genitiv geworden. Die Lüſternheit der Wünſche erheben, anſtatt die lüſternen Wünſche erheben. Der Grund dieſer Redeweiſe iſt, das, was in der Form des Attributs nicht genügend hervor⸗ treten würde, durch Verwandlung in das Subſtantiv mehr hervorzuheben.(Lüſtern, von Luſt gebildet durch die Endung en, indem des Wohllauts halber vor dem n der Endung ein r eingeſchoben wird, z. B. bleiern, ſtählern, ſteinern, gläſern, wächſern.).
15) Indem's den Grafen heiß und kalt durchrieſelt bei dem Wort: Das es übt eine gewaltige Macht auf die Phantaſie aus, indem es das Subjeet des Satzes auf eine höchſt unbeſtimmte Weiſe als ein Sein überhaupt bezeichnet; wie nachher: es überläuft ihn kalt. Man findet, daß Schiller namentlich im Taucher häufigen Gebrauch davon gemacht hat z. B. Str. 22:
Und ſchaudernd dacht' ich's, da kroch's heran. Str. 26: Da ergreift's ihm die Seele mit Himmelsgewalt,
Und es blitzt aus den Augen ihm kühn.
Da treibt's ihn den köſtlichen Preis zu erwerben.
Da bückt ſich's hinunter mit liebendem Blick.
16) An ihrem Stuhl gefeſſelt ſchmachtet. So in der Cottaſchen Ausgabe. Zum richtigen Ver⸗ ſtändniß dieſer Lesart hat man ſich„gefeſſelt“ durch Kommata eingeſchloſſen zu denken(an ihrem Stuhl, wie gefeſſelt, ſchmachtet) und danach den Vortrag einzurichten. Im Almanach von 1797 ſteht: an ihren Stuhl gefeſſelt ſchmachtet. Die Worte„an ihren Stuhl“ beziehen ſich in dieſer Lesart auf gefeſſelt. Dies Letztere iſt wohl das Natürlichere. In Hinſicht auf den Sinn kann ich zwiſchen beiden Ausdrucksweiſen keinen erheblichen Unterſchied entdecken.
17) Der Ausdruck:„Seht da die Verſe, die er ſchrieb, und ſeine Glut geſteht“— erregt einigen Anſtoß; denn man kann die beiden Gedanken: die er ſchrieb und in denen er ſeine Glut geſteht nicht in dieſer Weiſe zuſammenziehn. Einigermaßen ertragen läßt es ſich, wenn man ſich's denkt: Die ſchreibend er ſeine Glut geſteht. Die Eile, der Eifer reißt den Verläumder fort, ſo daß er in abgebrochenen, ſich gleichſam überſtürzenden Sätzen ſpricht.
18) Geſteht! Dieſer Ausruf läßt eine doppelte Auffaſſung zu. Entweder iſt es eine zweifelnde Frage des Grafen, der ſeinem unwilligen Staunen durch die Wiederholung des Wortes Luft macht, mit welchem Robert die ſchwerſte Anklage ausſpricht, oder es iſt ein Ausruf Roberts, der mit dieſer Wieder⸗ holung ſeines letzten Gedankens eine Verbeſſerung ſeiner eignen Worte einfuhren will, um daran noch etwas weit Stärkeres, eine ſchwerere Anklage zu knüpfen. Sinn: Was ſage ich, ſeine Glut geſteht! Nein, viel weiter geht er in ſeiner Frechheit, er wagt es ſogar, ſie um Gegenliebe zu flehen! Ich entſcheide mich für die letztere Auffaſſung, da es dem Charakter des Grafen angemeſſener iſt, in ſeinem Zorn ſchweigſam dieſe Enthüllung des Robert anzuhören.
19) Die gnädige Gräfin, ſanft und weich, aus Mitleid wohl verbarg ſie's Euch; das ſind die nichtswürdigſten Worte im Munde Roberts, um ſeine Verläumdungen dem Grafen glaublich zu machen; es würde dem Grafen ſonſt ganz unerklärlich erſchienen ſein, daß die Gräfin ſo etwas geheim gehalten hätte, wenn ihm nicht zugleich von dem Verläumder ein höchſt plauſibler Grund angeführt worden wäre. Aus Mitleid, mit wem? nicht mit dem Grafen, um ihm nicht den goldnen Schlaf zu rauben, ſondern mit Fridolin, den die Gräfin wegen ſeiner ſchweren Verirrung und Frechheit nur bedauern kann, wenn er zu der Frau, die ihm gebeut, der Wünſche Lüſternheit erhebt, und den ſie der furchtbarſten Rache des Grafen aus⸗ ſetzen würde, wenn ſie demſelben die Sache entdeckte. Das Ganze enthält eine Entſchuldigung, aber auch eine ſchwere Anklage der Gräfin.
Befahren, d. i. befürchten, Gefahr beſorgen. Früher ſagte man ſich befahren, z. B.: Du darfſt


