Jahrgang 
1860
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8 Und Robert? fällt der Graf ihm ein, Und gütig, wie er nie gepflegt,

Es überläuft ihn kalt; Nimmt er des Dieners Hand,

Sollt' er Dir nicht begegnet ſein? Bringt ihn der Gattin, tief bewegt,

Ich ſandt' ihn doch zum Wald. Die nichts davon verſtand.

Herr, nicht im Wald, nicht in der FlurDies Kind, kein Engel iſt ſo rein,

Fand ich von Robert eine Spur. Laßt's eurer Huld empfohlen ſein!

Nun, ruft der Graf und ſteht vernichtet, Wie ſchlimm wir auch berathen waren, Gott ſelbſt im Himmel hat gerichtet! Mit dem iſt Gott und ſeine Schaaren. ³⁶)

1) Der Zuſammenhang iſt folgender: Fridolin war ein frommer Knecht, und diente ſeiner Herrin mit der Treue und Ergebenheit, die aus ſeiner gottesfürchtigen Geſinnung hervorging. Allerdings war dies kein beſonderes Verdienſt für ihn, da ſie ſo ſanft und gut war und ihm ſeine Stellung erleichterte aber er würde denſelben freudigen Gehorſam ſelbſt einer launiſchen und übermüthigen Herrſchaft bewieſen haben, weil er dies erſt recht für ſeine Pflicht hielt nach der Vorſchrift 1. Petri 2, 18:Ihr Knechte, ſeid unter⸗ than mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, ſondern auch den wunderlichen. Jener Gedanke wird in der zweiten Strophe weiter ausgeführt: that nimmer ſich genug, und meinte ſeiner Pflicht zu fehlen, durft' er ſich nicht im Dienſte quälen. Uebrigens iſt Fridolin die ſchweizeriſche Verkleinerungsform für Fried, eine Form, die auch in Thüringen noch gebräuchlich iſt, für Gottfried. Daß die Grafen von Saverne ungeſchichtlich ſind, thut nichts zur Sache. Saverne oder Zabern(entſtanden aus Tabernae, welches der Name der alten römiſchen Colonieen war) giebt es heutzutage drei im Elſaß: Rheinzabern, Bergzabern und Elſaßzabern.

2) Bis ſpät die Vesper ſchlug: in dem ſiebenten Spruche des Meiſters in der Glocke heißt es: Ledig aller Pflicht hört der Burſch die Vesper ſchlagen. Die Vesper ſchlägt volksthümliche und kurze Aus⸗ drucksweiſe für: wenn die Glocke tönt, womit zur Vesper geläutet, oder die zur Vesper angeſchlagen wird. Vesper(von vespera, die Abendzeit) heißt urſprünglich der Abendgottesdienſt. In den Klöſtern wurden ſieben gemeinſchaftliche Gebete zu beſtimmten Zeiten des Tages gehalten(horae canonicae), die vorletzte dieſer Tageszeiten heißt Vesper. Daher giebt es noch jetzt auch in proteſtant. Gegenden Vesperpredigten.

3) Seiner Pflicht fehlen: in der früheren Zeit wurde fehlen gewöhnlich mit dem Genitiv con⸗ ſtruirt, wie z. B. des Weges fehlen.

4) Das Wort Troß iſt vom Dichter gewählt, nicht um das Gefolge unnützer Leute, die der Herr des Prunkes wegen hält, zu bezeichnen, ſondern um einerſeits die Menge der Diener, andrerſeits die Schwer⸗ fälligkeit, Langſamkeit gegenüber dem Eifer des Fridolin anzudeuten, dient alſo dazu, den Werth Fridolins u heben. zu h 5) Es gab ſein Herz ihm Kindesrecht: welch ein Unterſchied zwiſchen dem poetiſchen und proſaiſchen Ausdruck iſt, wird leicht klar werden; proſaiſch ausgedrückt heißt es: ſeines(guten) Herzens wegen verlieh ſie ihm Kindesrecht.

6) Ihr klares Auge ꝛc. kann nur bedeuten, daß ihr Blick rein, ungetrübt durch irgend andere Gedanken, nur die ſchönen Züge betrachtete; nur das Wohlgefallen an dem Schönen, an der ſchönen Form iſt es, was ſie feſſelt. Sobald man das Schöne betrachtet mit der Begierde es zu beſitzen, iſt die Anſchau⸗ ung, das Auge nicht mehr klar.

In dieſen drei erſten Strophen zeichnet der Dichter das Weſen Fridolins, flicht aber zugleich meh⸗ rere Züge ein, die uns das Weſen der Herrin veranſchaulichen; ſie war ſo ſanft, ſie war ſo gut; und ſprach die Dame:Mach dirs leicht! aus ihrem ſchönen Munde ꝛc. Faſt die ganze dritte Strophe dient zur Charakteriſtik der Herrin.