Jahrgang 
1860
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Er iſt nicht häßlich von Geſtalt, Nährt er mit Argliſt fort, Indem's den Grafen heiß und kalt Durchrieſelt bei dem Wort. ¹⁵) Iſt's möglich, Herr, Ihr ſaht es nie, Wie er nur Augen hat für ſie? Bei Tafel Eurer ſelbſt nicht achtet, An ihren Stuhl gefeſſelt ſchmachtet? 1⁶)

Seht da die Verſe, die er ſchrieb, Und ſeine Gluth geſteht ¹7) Geſteht! ¹s)Und ſie um Gegenlieb', Der freche Bube! fleht. Die gnäd'ge Gräfin, ſanft und weich, Aus Mitleid wohl verbarg ſie's Euch; ¹⁹) Mich reuet jetzt, daß mir's entfahren, Denn, Herr, was habt Ihr zu befahren?

Da ritt in ſeines Zornes Wuth 2²0⁰) Der Graf in's nahe Holz, Wo ihm in hoher Oefen Gluth Die Eiſenſtufe ſchmolz. Hier nährten früh und ſpat den Brand Die Knechte mit geſchäft'ger Hand; Der Funke ſprüht, die Bälge blaſen, Als gält' es Felſen zu verglaſen.

Des Waſſers und des Feuers Kraft Verbundet ſieht man hier; Das Mühlrad, von der Fluth gerafft, Umwälzt ſich fur und für. Die Werke klappern Nacht und Tag, Im Takte pocht der Hämmer Schlag,

Und bildſam von den mächt'gen Streichen

Muß ſelbſt das Eiſen ſich erweichen.)

Und zween Knechten winket er, Bedeutet ſie 2²²) und ſagt: Den Erſten, den ich ſende her, Und der Euch alſo fragt: Habt Ihr befolgt des Herren Wort? Den werft mir in die Hölle dort, Daß er zu Aſche gleich vergehe, Und ihn mein Aug' nicht weiter ſehe!

Deß freut ſich das entmenſchte Paar ³²) Mit roher Henkersluſt; Denn fühllos, wie das Eiſen, war Das Herz in ihrer Bruſt. Und friſcher mit der Bälge Hauch Erhitzen ſie des Ofens Bauch, Und ſchicken ſich mit Mordverlangen, Das Todesopfer zu empfangen. ²4)

Drauf Robert zum Geſellen ſpricht Mit falſchem Heuchelſchein: Friſch auf, Geſell, und ſäume nicht! Der Herr begehret Dein.¹ ²⁵) Der Herr, der ſpricht zu Fridolin: 2²6) Mußt gleich zum Eiſenhammer hin, Und frage mir die Knechte dorten, Ob ſie gethan nach meinen Worten?

Und jener ſpricht:Es ſoll geſchehn! Und macht ſich flugs bereit. Doch ſinnend bleibt er plötzlich ſtehn: Ob ſie mir nichts gebeut? Und vor die Gräfin ſtellt er ſich: Hinaus zum Hammer ſchickt man mich; So ſag', was kann ich dir verrichten? Denn dir gehören meine Pflichten.

Darauf die Dame von Savern Verſetzt mit ſanftem Ton: Die heil'ge Meſſe hört' ich gern, Doch liegt mir krank der Sohn; So gehe denn, mein Kind, und ſprich In Andacht ein Gebet für mich, Und denkſt Du reuig deiner Sünden, So laß auch mich die Gnade finden!

Und froh der vielwillkommnen Pflicht Macht er im Flug ſich auf, Hat noch des Dorfes Ende nicht Erreicht im ſchnellen Lauf, Da tönt ihm von dem Glockenſtrang Hellſchlagend des Geläutes Klang, Das alle Sünder hoch begnadet, Zum Saeramente feſtlich ladet.