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Mancher würde nun wohl erwarten, daß Auseinanderſetzungen über den Begriff des Schönen, über epiſche, lyriſch⸗epiſche Dichtkunſt, über die Begriffe Ballade, Romanze folgen würden. Von der Theorie kann erſt die Rede ſein, wenn die Praxis vorausgegangen iſt— daher mag ſich jeder bemühen, erſt praktiſch recht tüchtig zu werden, d. h. ſeinen Schiller brav ſtudiren, und dann nach der Theorie verlangen, wenn ihn die Sehnſucht nach der Theorie nicht ruhen läßt.
Der Gang nach dem Eiſenhammer.
Ein frommer Knecht war Fridolin, Und in der Furcht des Herrn Ergeben der Gebieterin,
Der Gräfin von Savern.
Sie war ſo ſanft, ſie war ſo gut, Doch auch der Launen Uebermuth Hätt' er geeifert zu erfüllen,
Mit Freudigkeit, um Gottes willen. ¹)
Früh von des Tages erſtem Schein, Bis ſpät die Vesper ſchlug, ²) Lebt' er nur ihrem Dienſt allein, That nimmer ſich genug. Und ſprach die Dame:„Mach Dir's leicht!“ Da wurd' ihm gleich das Auge feucht, Und meinte ſeiner Pflicht zu fehlen, ³) Durft' er ſich nicht im Dienſte quälen.
Drum vor dem ganzen Dienertroß 4¹)
Die Gräfin ihn erhob;
Aus ihrem ſchönen Munde floß
Sein unerſchöpftes Lob.
Sie hielt ihn nicht als ihren Knecht,
Es gab ſein Herz ihm Kindesrecht; 5) Ihr klares Auge mit Vergnügen
Hing an den wohlgeſtalten Zügen. ⁵)
Darob entbrennt in Roberts Bruſt, Des Jägers, gift'ger Groll,*) Dem längſt von böſer Schadenluſt Die ſchwarze Seele ſchwoll; ⁸) Und trat zum Grafen, raſch zur That, Und offen des Verführers Rath, ⁰⁴) Als einſt vom Jagen heim ſie kamen,
Streut' ihm in's Herz des Argwohns Samen:
„Wie ſeid Ihr glücklich, edler Graf,“ Hub er voll Argliſt an, „Euch raubet nicht den gold'nen Schlaf Des Zweifels gift'ger Zahn. 1¹⁰) Denn ihr beſitzt ein edles Weib; Es gürtet Scham den keuſchen Leib. Die fromme Treue zu berücken, ¹¹) Wird nimmer dem Verſucher glücken.“
Da rollt der Graf die finſtern Brau'n: 1²) „Was redſt Du mir, Geſell? Werd' ich auf Weibestugend bau'n, Beweglich, wie die Well'? ¹³) Leicht locket ſie des Schmeichlers Mund; Mein Glaube ſteht auf ſeſterm Grund. Vom Weib des Grafen von Saverne Bleibt, hoff' ich, der Verſucher ferne.“
Der andre ſpricht:„So denkt Ihr recht. Nur euren Spott verdient Der Thor, der, ein geborner Knecht, Ein ſolches ſich erkühnt, Und zu der Frau, die ihm gebeut, Erhebt der Wünſche Lüſternheit.“ 14)— „Was?“ fällt ihm Jener ein und bebet, „Redſt Du von einem, der da lebet?“
„Ja doch, was Aller Mund erfüllt, Das bärg' ſich meinem Herrn? Doch, weil Ihr's denn mit Fleiß verhüllt, So unterdrück' ich's gern.“ „Du biſt des Todes, Bube, ſprich!“ Ruft jener ſtreng und fürchterlich. „Wer hebt das Aug' zu Kunigonden?“ „Nun ja, ich ſpreche von dem Blonden.


