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te,“ bald„einen Donnerkeil im Munde führte.“ Und wie im Großen, ſo wußte er mit dieſer Kunſt der Rede auch durch die unſcheinbarſten Mittel, jedoch auch dann kraft ſeiner Bekanntſchaft und eignen Gleichartigkeit mit dem deutſchen Gemüth und deſſen Tiefen, ſtets den unmittelbarſten Weg zum Herzen zu finden. An den lyriſch⸗ epiſchen Gedichten Schillers wird und muß unſere Jugend herangebildet werden zum Verſtändniß der dramati⸗ ſchen Werke des Dichters, und das Studium der Schillerſchen Romanzen wird immer die Vorſtufe ſein zum weiteren Studium Schillers. Für diejenigen nun, deren Bildung nicht auf claſſiſchem Boden erwachſen iſt, die aber zuweilen in ihrem Innern einen Drang verſpüren, ſich durch die Lectüre Schillerſcher Gedichte dem gewöhnlichen Treiben der Welt zu entziehen, iſt es allerdings ſchwer, ſich ein vollſtändiges Verſtändniß derſelben zu verſchaf⸗ fen, weil keine geeigneten Hülfsmittel vorhanden ſind. Denn die meiſten Erklärer, wie Hof⸗ meiſter, Viehof, Götzinger, Kurtz, Gude und andere haben mehr das wiſſenſchaftlich gebildete Publikum im Auge gehabt. Um dieſem Uebelſtande abzuhelfen und die Kenntniß Schillerſcher Gedichte allgemeiner ſo wie das Verſtändniß zugänglicher zu machen, hielt ich es für geeig⸗ net, den jährlich erſcheinenden Schulnachrichten die Erläuterung eines oder einiger Schillerſcher Gedichte anzufügen, und dies mehrere Jahre lang fortzuſetzen. So erhalten zugleich unſere Schüler eine bildende und fördernde Lectüre, die ſie noch über die Schule hinaus pflegen kön⸗ nen, und auch Anderen wird Gelegenheit geboten, das was ihnen bisher verſagt war, in be⸗ haglicher Muße zu genießen. Wer aber vor dem Wuſt materieller Intereſſen das Ideale gar nicht mehr erkennen kann— dem iſt nicht zu helfen.
Was nun die Erläuterung poetiſcher Stücke betrifft, ſo muß dieſelbe einen doppelten Zweck verfolgen. Zunächſt hat ſie ſich mit dem dichteriſchen Worte, den Bildern und Figu⸗ ren zu befaſſen, und den Leſern in Hinſicht darauf Anſchaulichkeit und Klarheit zu ſchaffen. Ich weiß ſehr wohl, daß es eine Klaſſe von Leuten giebt, die eine derartige Erklärung von vorn herein verwerfen. Ich habe aber beim Unterrichten im Deutſchen in den verſchiedenen Klaſſen des Gymnaſiums Gelegenheit genug gehabt, mich von der Nothwendigkeit der Er⸗ klärung von Sprachwendungen und Worten zu überzeugen. Derartige Erläuterungen dürfen aber nicht in ſprachliche Uebungen oder gar grammatiſche Deductionen ausarten. Der richtige Takt und der geſunde Geſchmack muß dem Lehrer das jedesmalige Maaß angeben, damit über die Erklärung nicht der Text vergeſſen und das poetiſche Stück zerriſſen wird. Auch Wortdefi— nitionen ſind nicht ganz zu vernachläſſigen, weil das dichteriſche Wort ganz beſonders ſignificant iſt, und ſowohl die Phantaſie angeregt als auch Verſtand und Scharfſinn erweckt werden. Viele Schönheiten entgehen dem Leſer, der den einzelnen Ausdruck nicht ſcharf erfaßt; und doch be⸗ gnügen ſich die meiſten mit einer oberflächlichen Lectüre, und halten in ihrer vornehmen Weiſe das einzelne Wort der Würdigung nicht werth. Sodann hat eine ſolche Erläuterung den Zweck, durch die Erklärung und das Verſtändniß der einzelnen Strophen das Verſtändniß des ganzen Gedichts zu bewirken, und den Leſer zur Herrſchaft über das Kunſtwerk zu brin⸗ gen. So lange der unmittelbare Eindruck auf dem Leſer laſtet, wird er ſich von der Bewun⸗ derung hinreißen laſſen und ſein gepreßtes Herz wird ſich höchſtens in einer Redensart, das iſt köſtlich, das iſt reizend ꝛc. frei zu machen ſuchen. Ueber den unmittelbaren Eindruck zu erheben, damit man ſich der Gründe der Bewunderung bewußt werde, kurz damit das Schöne in ſeiner ganzen Bedeutung und Ausdehnung zum Bewußtſein komme, das iſt der andere Zweck, den die Erläuterung poetiſcher Stücke verfolgt.


