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1. 11. 1916.— Die Weihnachtsferien wurden von Großh. Miniſterium mit Rückſicht auf Kohlenerſparnis um eine Woche bis 15. 1. 1917 verlängert.
Auch das abgelaufene Schuljahr ſtand noch völlig im Zeichen des Weltkrieges, in dem unſer Volk wunderbare Proben des entſchloſſenen Zuſammenhaltens, hoher Tapferkeit und unbe⸗ ſchränkter Opferfreudigkeit bekundet, Eigenſchaften, die uns den endlichen Sieg über unſere Feinde verbürgen. Der regelrechte Verlauf des Unterrichtes wurde wiederholt durch vater⸗ ländiſche Feierſtunden unterbrochen. So hielten wir am 10. 6. vor Beginn der Pfingſtferien eine Feier ab, Schüler trugen Kriegsgedichte vor, Geſänge umrahmten die Feier, und der Direktor hielt eine Anſprache. Am 8. 7. konnten wir die Feier der hundertjährigen Zugehörigkeit Rheinheſſens zum Großherzogtum feſtlich begehen. Die Feſtrede hielt Aſſeſſor Fluch. Als am 24. 8. bekannt wurde, daß das U⸗Boot„Deutſchland“ ſeine kühne Fahrt nach Amerika ausgeführt hatte und reich beladen glücklich zu Bremen angekommen war, würdigte der Direktor in einer Anſprache die Bedeutung dieſes Ereigniſſes, Klaſſenſpaziergänge wurden unternommen und der Unterricht am Nachmittag ausgeſetzt. Am 2. 9. hielten wir eine ſtimmungsvolle Sedansfeier ab, bei der der Direktor die Anſprache hielt. Im Anſchluſſe an die Feier fanden Klaſſenſpazier⸗ gänge ſtatt. Bei der Feier von Großherzogs Geburtstag hielt Oberlehrer Dr. Deibel die Feſtrede. Einen Höhepunkt in dem ruhmreichen Feldzuge gegen das meineidige Rumänien bedeutete die Eroberung Bukareſts, die am 7. 12. 1916 hier bekannt wurde. Nach einer Anſprache des Direktors wurde der Reſt des Tages freigegeben. Vom Jahre 1916 nahmen wir am 22. 12. in einer Schulfeier Abſchied, bei der der Direktor die Feſtrede hielt. Bei der Feier von Kaiſers Geburtstag ſprach Oberlehrer Dr. Keller. Am 14. 3. rief uns die Feier der Fünfundzwanzigjährung des Regierungsantrittes Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs Ernſt Ludwig zu einer Feier zuſammen, ein Ruf, dem jeder Heſſe mit beſonderer, herzlicher Freude folgte. Die Feier ward als öffentliche Feier veran⸗ ſtaltet. Die Feſtrede hielt der Direktor. Für die Einübung der Geigenvorträge ſind wir Herrn Muſiklehrer Traumüller zu Oppenheim zu Danke verpflichtet.
Das Lob, das wir unſerer Jugend im vorigen Jahresberichte wegen ihrer Teilnahme an der Fürſorgetätigkeit verſchiedenſter Art zollen durften, können wir erfreulicherweiſe wiederholen. An erſter Stelle ſei hier die Tätigkeit der Schüler bei der Sammlung und dem Umtauſche von Goldmünzen erwähnt. Wir hatten mit dieſer Tätigkeit am 16. 3. 1915. begonnen, und am 22. 3. 1917 waren durch unſere Schule für 14 035 Mk. Gold in Papier⸗ geld umgetauſcht worden. Hierunter befinden ſich 1860 Mk., die Schülerinnen der Höheren Mädchenſchule ſeit 10. 1. 1916 beigeſteuert haben. Freudig beteiligten ſich die Schüler auch an der Sammelzeichnung für die 5. Kriegsanleihe. Wir konnten auf Grund der Kriegsſparkarten bei der hieſigen Bezirksſparkaſſe den Betrag von 1804 Mk. zeichnen, im Durchſchnitte hatte jeder zahlende Schüler 23,13 Mk. gezeichnet. Ein reiches Ergebnis hatte auch die durch die Schüler betriebene Sammlung goldener und ſilberner Gegenſtände zum Beſten des„Vaterlandsdankes“ der Nationalſtiſtung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Als der Ruf durch unſer Land ging, Beiträge zu ſpenden für eine Gabe, die das heſſiſche Volk ſeinem geliebten Landesherrn, an dem Tage da er vor 25 Jahren die Regierung antrat, darbringen wollte, beteiligten ſich auch unſere Schüler und ſteuerten zu dieſer Gabe, die der Schaffung von Kriegerheimen für bedürftige und kranke Krieger dienen ſoll, 65,95 Mk. bei. Eine ſtattliche Zahl von Schülern aller Klaſſen leiſteten Hülfe bei Erntearbeiten und anderen landwirtſchaftlichen Arbeiten, nicht nur zu Hauſe, ſondern auch bei anderen Landwirten. Auf An⸗ ordnung Großh. Miniſteriums wurden in den Klaſſen IV bis II b freiwillige Helfergruppen gebildet, die planmäßig im nun beginnenden Erntejahre in Tätigkeit treten ſollen. Einige Schüler ver⸗ kauften Wohltätigkeitspoſtkarten, andere ſammelten für die Hinterbliebenenfürſorge der Krieger⸗ vereine oder für Zwecke des Roten Kreuzes Stanniol, Flaſchenkapſeln, Obſtkerne uſf., wieder andere ſammelten Liebesgaben für unſere Krieger im Felde. Einige Unter⸗Sekundaner, Ober⸗ Tertianer und Unter⸗Tertianer beteiligten ſich an den militäriſchen Ubungen der Jungdeutſchlands⸗ gruppe. Kurz, unſere Jugend erlahmte nicht, nach Möglichkeit und Kräften ſich vaterländiſch⸗ zu betätigen, und jede Anregung fiel bei ihr auf fruchtbaren Boden.
Seit Auguſt 1912 beſteht an unſerer Schule eine Unfallverſicherung für Schüler bei der Stettiner Verſicherungs⸗Aktien⸗Geſellſchaft„Germania“. Da viele unſerer Schüler


