Jahrgang 
1917
Einzelbild herunterladen

durch und durch, der mit heißer Liebe an deutſchem Volke und deutſchem Lande hing. Bei ſolchen Gaben des Geiſtes und des Herzens übte er einen durchaus günſtigen und veredelnden Einfluß auf ſeine Schüler aus. Er fühlte ſich für jeden einzelnen von ihnen verantwortlich und ſetzte mit nie erlahmender Pflichttreue ſein ganzes Ich ein, um ſie in ihrem Wiſſen zu fördern, in ihrem ſittlichen Empfinden zu feſtigen. Die Schüler ſühlten, daß ihnen in ihm nicht nur ein anregender Lehrer, ſondern auch ein warmherziger Freund gegenübertrat, deſſen bewährter Führung ſie ſich gerne anvertrauten. Seinen Gemeinſinn betätigte er in ver⸗ ſchiedenen Vereinigungen, die für das öffentliche Wohl wirken. Dr. Keller wurde, da garniſonverwendungsfähig, zu Ende des Jahres 1916 vom Heeresdienſte beurlaubt, und des⸗ halb Aſſeſſor Fluch vom 1. 1. 17 ab nach Michelſtadt verſetzt. Da auch Profeſſor Spiegel als garniſonverwendungsfähig vom Heeresdienſte beurlaubt wurde, nahm er ſeine Tätigkeit bei uns am 1. 2. 17 wieder auf, und die Schulamtsaſpirantin Franziska Puſch wurde an die Höhere Bürger⸗(Mädchen⸗)Schule zu Oppenheim verſetzt. Ein wiederholter Wechſel fand in der Erteilung des evangeliſchen Religionsunterrichtes ſtatt. Mit Wirkung vom 1. 10. 1916 wurde Pfarrer Kietz nach Angersbach in Oberheſſen verſetzt. Er hat ſeit Oſtern 1910 bei uns mit gutem Erfolge unterrichtet. An ſeine Stelle trat bis zum Schluſſe des Jahres 1916 Pfarrer Becker von Dexheim. Mit Beginn des Jahres 1917 übernahm dann der Nachfolger des Pfarrers Kietz, Pfarrer Schäfer, den evangeliſchen Religionsunter⸗ richt. Lehramtsaſſeſſor Fr. Diemer, der vom 17. 8. 1914 bis Herbſt 1915 bei uns wirkte und dann zum Heeresdienſte einberufen wurde, erhielt am 9. 3. 1917 das Eiſerne Kreuz 2. Kl. Dem Direktor unſerer Schule wurde zum 14. 3. 1917 von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen. Mit Wirkung vom 1. 4. 1917 wurde Oberlehrer Dr. Deibel an die Oberrealſchule zu Mainz verſetzt. Wir verlieren in ihm einen allzeit liebenswürdigen Amtsgenoſſen, ſeine Schüler einen tüchtigen und gewiſſenhaften Lehrer und Erzieher. Dr. Deibel hat unſerer Schule ſeit Oſtern 1910 angehört. Unſere beſten Wünſche begleiten ihn nach ſeiner neuen Wirkungsſtätte. Zum Nachfolger wurde Oberlehrer Dr. Levy von der Oberrealſchule zu Gießen ernannt. Unſer Schuldiener Philipp Hundsdorf tauſchte Ende des Jahres 1916 mit dem Ge⸗ ſchoßdiener der techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt Heinrich Kdnußmann.

Am 3. 10. 1916 beehrte uns Herr Geheimer Oberſchulrat Block mit ſeinem Beſuche und wohnte dem Unterrichte in mehreren Klaſſen bei.

Auf Grund einer Prüfung, die am 23. und 24. 6. 1916 unter Leitung des Direktors ſtattfand, wurde dem Anton Stier aus Nierſtein die Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Heeresdienſte zugeſprochen.

Am 30. 9. 1916 wurde unter Vorſitz des Direktors eine Abſchlußprüfung abge⸗ halten, an der 3 Unter⸗Sekundaner und ein Nichtſchüler teilnahmen. Die 3 Unter⸗Sekundaner konnten für beſtanden erklärt werden(vergl. S. 4).

Auch die Abſchlußprüfung vom 24. 3. 1917, zu der die ſchriſtlichen Arbeiten am 17., 19., 20. und 21. 3. 1917 angefertigt wurden, leitete der Direktor. An ihr nahmen 4 Unter⸗ Sekundaner teil, die ſämtlich beſtanden. Den Ehrenpreis Sr. Exz. des Herrn Reichstagsabgeordneten Freiherrn Heyl zu Herrnsheim erhielt in dieſem Jahre Ellen Draudt(II b).

An dem wahlfreien Unterrichte im Latein nahmen 27 Schüler teil.

Am 27. 5. 1916 wurde ein Tagesausflug unternommen. Die Unter⸗Sekundaner und Ober⸗Tertianer wanderten von Wiesbaden über Kellers⸗Kopf und hohe Kanzel nach dem maleriſchen Idſtein, die Klaſſen IIb bis VI beſuchten die Platte bei Wiesbaden, und die Vorſchüler tummelten ſich in dem herrlichen Walde Wiesbadens. Kleinere Spaziergänge von drei⸗ bis vierſtündiger Dauer in die nähere Umgebung wurden am 20. 5., am 24. 8., am 2. 9. und am 24. 3. ausgeführt. Wegen der Hitze brauchten wir im abgelaufenen Schuljahre den Unterricht nicht auszuſetzen. Auch in dieſem Jahre konnten die Jugend⸗ ſpiele für die Klaſſen IIb bis VI abgehalten werden. Die Teilnehmerzahl ſchwankte zwiſchen 12 und 30. Leider litt der Turnunterricht im ganzen Jahr not, teils da die Turnhalle durch ruſſiſche Gefangene beſetzt war, teils wegen Kohlenmangels nicht geheizt werden konnte. Wir erſetzten ihn nach Möglichkeit durch Spielſtunden und Spaziergänge. Mit Rückſicht auf die Erntearbeiten wurden die Sommerferien ſpäter als ſonſt begonnen, ſie währten vom 16. 7. bis 13. 8. 1916. Die Herbſtferien dauerten vom 18. 10. bis