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III. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr begann am 1. Mai 1916, es wird am 31. März 1917 ſchließen.
Die Zuſammenſetzung des Lehrkörpers war im abgelaufenen Schuljahre manchem Wechſel unterworfen. Als der Unterricht begann, hatten Profeſſor Repp und Dr. Keller uns verlaſſen, da ſie zur Fahne einberufen worden waren. Sie wurden erſetzt durch Profeſſor Heymann, der bei uns ſeine Tätigkeit wieder aufnehmen konnte, da er bis 31. 3. 1917 als garniſonverwendungsfähig vom Heeresdienſte freigegeben wurde, ferner durch Lehramtsaſſeſſor Johannes Fluch, der damit neu in den Lehrkörper eintrat. Leider konnte Reallehrer Minnich ſeine Tätigkeit bei Beginn des Schuljahres nicht ausüben; er wurde aus Geſundheitsrückſichten bis 31. Mai beurlaubt und ſah ſich genötigt, um ſeine Verſetzung in den Ruheſtand einzukommen, ſie wurde ihm mit Wirkung vom 1. 6. 1916 ab gewährt; Se. Kgl. Hoheit der Großherzog erkannte hierbei ausdrücklich ſeine langjährigen und treuen Dienſte an und verlieh ihm die Krone zum Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen. Reallehrer Minnich hat ſeit Oſtern 1877, alſo durch 40 Jahre, äußerſt erfolgreich an unſerer Schule gewirkt. Gewiſſenhaftigkeit, Pflichttreue und vater⸗ ländiſche Geſinnung zeichneten ihn aus und gewannen ihm die Weriſchätzung ſeiner Amts⸗ genoſſen und die Liebe ſeiner Schüler. In einer einfachen und ſtimmungsvollen Schulfeier nahm er am 7. 6. 1917 Abſchied von der liebgewordenen Stätte langjähriger Wirkſamkeit. Bei dieſer Feier überreichte ihm der Direktor als Erinnerungsgabe der Amtsgenoſſen ein Bildnis Sr. Majeſtät des Kaiſers. Da männliche Lehrkräfte nirgends zum Erſatze zur Ver⸗ fügung ſtanden, wurde von Großh. Miniſterium die Schulamtsaſpirantin Franziska Puſch uns überwieſen. Am 26. 8. 1916 kehrte Profeſſor Repp, der für garniſonverwendungs⸗ fähig erklärt worden war, zu uns zurück. Leider ſah ſich Profeſſor Obenauer, deſſen Sehkraft ſeit Jahren abgenommen hatte, gezwungen, vom 10. 6. 1916 ab einen längeren Urlaub zu erbitten, um in Heidelberg einen ärztlichen Eingriff am linken Auge vornehmen zu laſſen. Dieſer geſchah am 20. 6., gelang, und Prof. Obenauer konnte nach⸗ Oppenheim zurückkehren. Es traten jedoch bald andere Krankheitserſcheinungen auf, und am 5. 9. 1916 ſtarb Prof. Obenauer. Sein Schickſal, das ihm nach langen, trüben Jahren das Augenlicht zurückgab, um ihm die Augen für immer zu ſchließen, griff uns allen ans Herz. Die Be⸗ erdigung fand am 7. 9., nachmittags 3 Uhr, ſtatt. Wir entnehmen einem Berichte der „Landskrone“ folgende Einzelheiten:„Die Trauerfeier legte Zeugnis davon ab, welch großen Anſehens ſich der Verſtorbene in allen Kreiſen unſerer Stadt erfreute, und welch allgemeiner Teilnahme ſein Heimgang begegnete. Am Grabe ſprachen außer dem Ortsgeiſtlichen, Herrn Pfarrer Kietz, Herr Direktor Henſing für die Großh. Realſchule, ferner ein Vertreter der Gießer Burſchenſchaft„Germania“, Herr Prof. Reeb von Mainz für den Vorſtand des Heſſiſchen Oberlehrervereins, Herr Bürgermeiſter Schmidt für die Kaſinogeſellſchaft, der Schüler L. Gerhard für die Unter⸗Sekunda der Realſchule und Herr Aktuar Hummel für den„Liederkranz“. Aus dem Lebensgange des Entſchlafenen dürften folgende Angaben von allgemeinem Werte ſein. Friedrich Obenauer iſt am 17. Oktober 1854 zu Eich in Rheinheſſen geboren. Von Oſtern 1868 bis Herbſt 1873 beſuchte er das Wormſer Gymnaſium und be⸗ zog nach Ablegung der Reifeprüfung die Univerſität zu Gießen. Dort beſtand er die Staats⸗ prüfung am 9. Auguſt 1880. Bereits vorher war er von Oktober 1878 bis Sommer 1880 mit Ermächtigung Großh. Miniſteriums als Lehrer an der Höheren Bürgerſchule zu Butzbach tätig. Von Herbſt 1880 bis Herbſt 1881 erledigte er das Vorbereitungsjahr am Gymnaſium zu Mainz, kam dann Oſtern 1882 ans Bensheimer Gymnaſium und Herbſt 1882 an die Höhere Bürgerſchule zu Wimpfen. Seit 16. April 1885, alſo über 31 Jahre, wirkte er an der Realſchule zu Oppenheim. Am 29. Oktober 1898 erhielt er ſeine Ernennung zum Pro⸗ feſſor und am 25. November 1907 das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen. Seine biedere Art, ſein ruhiges, gefeſtigtes Weſen, ſeine liebenswürdige, gleich⸗ mäßige Freundlichkeit, mit der er jedermann entgegenkam, machten ihn allgemein beliebt, ſein eiſernes Pflichtbewußtſein, mit dem er durch lange Jahre eine peinvolle Augenerkrankung meiſterte, der ſittliche Ernſt, mit dem er dem hohen Berufe des Lehrers oblag, und die Vor⸗ nehmheit ſeiner Geſinnung gewannen ihm allſeitige Achtung. Er war ein deutſcher Mann


