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So hoffe ich denn auch, daß wir bei dieſen Beſtrebungen das Entgegenkommen und die Anerkennung der Bewohner dieſer Stadt und der Eltern finden werden.
Ueber das Verhältnis der Schule zur heimatlichen Gemeinde und Gegend möchte ich noch folgendes anfügen.
Ich habe es an einem anderen Orte niedergelegt, daß das Heimatsgefühl mir als die Grundlage des Bürgerſinns und der Vaterlandsliebe erſcheint.
Auf Grund des erſteren entwickelt gerade die Schule die Liebe zum großen und gemein⸗ ſamen Vaterlande im Hinweiſe auf die hervorragenden Perſönlichkeiten, auf gemeinſames Geſchick, Leiden und Dulden, Erhebung und Sieg. Dieſe Aufgabe der Schule iſt ſo ſelbſtoerſtändlich und ſo dankbar, daß es kaum nötig erſcheinen dürfte, ſie beſonders zu betonen.
Aber die Schule ſoll über dieſer Aufgabe die andere nicht vergeſſen, Heimatsgefühl und Heimatsliebe zu entwickeln und zu pflegen.
In eigener Lage iſt nun der Beamte und Lehrer, da die Regierung ihn bald an den, bald an jenen Ort ſchickt, und er eine Liebe zu dem Orte neuer Wirkſamkeit nicht ſofort empfinden oder ſie mitbringen kann. Aber mitbringen ſoll er das Gefühl der Pietät gegen die Stätte neuen Wirkens, und der Lehrer ſoll dieſe Pietät bei der Jugend achten und höher entwickeln.
Geſtatten Sie mir hier von einem Vergleiche auszugehen.
Im Jahre 1883 hatte ich die Ehre, am Tage vor der Einweihung des National⸗Denkmals auf dem Niederwalde bei unſerer deshalb veranſtalteten Schulfeier die Feſtrede zu halten, und am 8. April wies ich gelegentlich der Gedenkfeier des 50jährigen Beſtehens der Binger Real⸗ ſchule darauf hin, daß vor 200 Jahren Bingen und das jetzige Realſchulgebäude durch die Mordbrennerei der Franzoſen verwüſtet wurde.
Fünf Tage trennten damals die Zerſtörung Oppenheims von der Einäſcherung Bingens.
Seitdem hat ganz Deutſchland Bingen gegenüber das Denkmal der einmütigen, ſiegreichen Abwehr frevelhafter Raubgelüſte und Sinnbild der aus dem Kampfe erwachſenen Einheit errichtet, und Sie konnten hier kürzlich das Feſt feiern, das der Wiederherſtellung eines der herrlichſten Denkmäler kirchlicher Baukunſt galt. Dieſe That entſprang einem ähnlichen Gedanken: daß ganz Deutſchland ohne Unterſchied des Glaubens Ihre Kirche wiederherſtellen wollte zum Zeichen, daß die Zeit der Zerſplitterung, der Uneinigkeit und Schwäche überwunden ſei.
Ihre Kirche möchte ich vergleichen einer edlen Perle, die eingeſaßt war von köſtlichem Geſchmeide, von dem blühenden, wohlhabenden Oppenheim, von deſſen thatkräftigem Glaubens⸗ und Bürgerſinn die Kirche ſelbſt das beſte Zeugnis ablegt.
Dieſes Baudenkmal iſt Ihnen wiedergeſchenkt, aber mühevoller und raſtloſer Arbeit bedarf es, daß auch das ganze Gemeinweſen einen Schritt thue nach dem anderen, um zu immer höherer Entwickelung emporzuſteigen.—
Dazu wollen wir auch in der Schule beitragen, indem wir in Euch, der Jugend, mit allen Tugenden: Fleiß, Ordnungsſinn, Wahrheitsliebe und Pflichtgefühl, auch den Sinn der Anhänglichkeit an die Heimat pflegen, die Grundlage des thatkräftigen Bürgerſinnes, von dem auch das jetzige Oppenheim ſchöne Beiſpiele aufweiſt, und Euch frühzeitig erfüllen mit dem Beſtreben, tüchtige Bürger des heimatlichen Gemeinweſens zu werden, die ihren Stolz darein ſetzen, zu dienen der Vaterſtadt oder Heimat, dem kleineren Heimatlande und dem großen, uns alle umfaſſenden und ſchützenden deutſchen Vaterlande.““
Darauf begrüßte Herr Gemeinderat C. Koch im Namen der Stadt Herrn Direktor Schneider, indem er auch die Hoffnung ausſprach, daß die Eltern durch richtige Erziehung der Jugend ihm und dem Lehrerkolleg die amtliche Aufgabe erleichtern würden.
Mit einem zweiten Geſang ſchloß die Feier.“
Wie aus der Anſprache des Direktors hervorgeht, hatte die Stadt Oppenheim im abge⸗ laufenen Schuljahre(am 31. Mai und 1. Juni) das ſchöne, erhebende Feſt der Wiederherſtellung der Katharinenkirche feiern können. Um allſeitige Teilnahme am Feſt zu ermöglichen, fiel der Unterricht aus.
Für die Verſehung der Direktorſtelle(Verf. vom 23. April) bis zum 24. Juni ſind wir Herrn Koll. Knöpfel zu beſonderem Danke verpflichtet.
Das Schuljahr konnte wegen der erwähnten Perſonalveränderungen erſt am 6. Mai be⸗ ginnen.(Verf. wie oben).


