— 8—
genußvollen Aufenthalt in dem prächtigen Walde, nachdem der gewaltige Bau des deutſchen Nationaldenkmals bewundert und ſeine Bedeutung den Schülern vom Direktor in einer kurzen Anſprache erläutert und ans Herz gelegt worden war. An demſelben Tage unternahmen die Vorſchule und Klaſſe 6 unter Führung der Herren Pfarrer Diehl, Dr. Dittmar und Nehrbaß einen Ausflug nach Frankfurt. Man benutzte den Auſenthalt in Mainz zu einer kurzen Beſichtigung der ſchönſten Denkmäler dieſer Stadt. Doch das Intereſſe an dieſen konnte vor der Erwartung des bevorſtehenden Beſuchs im zoologiſchen Garten nicht Stand halten. Und wahrlich! reichlich wurden die kühnſten Erwartungen erfüllt. Beſondere Freundſchaft wurde mit den munteren Affen des ſtark bevölkerten Affenkäfigs und dem rieſigen, gelehrigen Elephanten geſchloſſen, deſſen Orgelſpiel die meiſten der Kleinen veranlaßte, ihre reichen mitgebrachten Mundvorräte mit dieſem zu teilen. Selbſtverſtändlich wurde ein Beſuch des Domes, der alten und neuen Mainbrücke und die Beſichtigung der Denkmäler nicht verſäumt. Doch das in Aus⸗ ſicht ſtehende Mittagsmahl hatte die Gedanken unſerer Kleinen ſchon ſo in Anſpruch genommen, daß dieſen magiſchen Wünſchen nicht länger Widerſtand geleiſtet werden durfte. Auch nach dem kräftigen Mahle fand die allgemeine Munterkeit in dem geräumigen Gartenſaal, beſonders Dank einem vorhandenen Orcheſtrion, reichliche Nahrung, und bis zum letzten Augenblick hielt ſich die fröhliche Stimmung der luſtigen kleinen Geſellſchaft in gleicher Höhe. Geiſtig erfriſcht und voll ſchöner, heiterer Erinnerungen— wenn auch müden Leibes— kamen alle geſund am Abend bei den Ihrigen wieder an.
Längere Vertretungen von Kollegen mußten auch im verfloſſenen Schuljahre ſtattfinden. Reallehrer Kleinen mußte, wie ſchon oben bemerkt, 6 Wochen lang dienſtlich vertreten werden. Die Stunden des Großh. Reallehrers Heil, der behufs eines längeren Aufenthaltes in der franzöſiſchen Schweiz im Intereſſe des Dienſtes von Großh. Miniſterium vom 1. Auguſt bis 10. Oktober Urlaub erhalten hatte, wurden bereitwillig 5 Wochen lang von ſeinen Kollegen übernommen. Über 3 Wochen lang konnte der Großh. Reallehrer Dr. Bremme auf ärztliche Anordnung ſeinen Dienſt nicht verſehen, da bei ſeinen Kindern Scharlach und Diphtheritis aus⸗ gebrochen war. An 8 Nachmittagen mußte wegen großer Hitze der Schulunterricht ausfallen. Der Geſundheitszuſtand der Schüler war durchweg ein ſehr günſtiger.
Von Neuanſchaffungen für die Schule möge beſonders eine von Herrn Hofmechanikus Carl Bayrer in Mainz zum Preiſe von 260 Mk. erworbene Dynamomaſchine— Flachring⸗ ſyſtem— wegen ihrer vorzüglichen Leiſtungen beſondere Erwähnung finden. Dieſelbe liefert bei einem äußeren Widerſtand von 5 Ohm einen Strom von 22 Volts elektromotoriſcher Kraft und 5,2 Ampéères Stromſtärke= 114,4 Voltamperes Arbeitskraft. Dieſelbe ſpeiſt 6 Glüh⸗ lampen, die 34 Volts elektromotoriſche Kraft verlangen und je 8 Normalkerzen Leuchtkraft be⸗ ſitzen, und ſchmilzt einen Stahldraht von 0,4 mm Dicke und 500 mm Länge vollſtändig. Sie giebt eine kräftige Waſſerzerſetzung und kann zum Betrieb eines Funkeninduktors bei Einſchaltung von 1 ½ Ohm Widerſtand in einer Nebenſchließung ganz gut benutzt werden, leiſtet alſo im allgemeinen alles, was eine Batterie von ungefähr 20 Daniellſchen Elementen leiſten kann.
Für die der Schule von Behörden und verſchiedenen Verlagsbuchhandlungen übermachten Geſchenke und Verlagswerke ſagen wir hiermit pflichtſchuldigen und gebührenden Dank.
Am Schluſſe des Schuljahres überließ uns Herr Architekt Röder dahier ein Exemplar einer von ihm verfertigten Wiedergabe eines alten Merianiſchen Holzſchnittes von Oppenheim als Geſchenk, wofür wir ihm zu beſonderem Dank verpflichtet ſind.


