Jahrgang 
1888
Einzelbild herunterladen

2

Dr. Otto Dittmar aus Alsfeld, der ſchon am 1. Juni ſeinen Dienſt an unſerer Schule antreten konnte. Derſelbe iſt geboren am 16. Mai 1858 zu Nieder⸗Ohmen, Kr. Alsfeld, als Sohn des Landwirtes P. Dittmar daſelbſt. Er beſuchte bis zum Jahre 1877 die Realſchule zu Darmſtadt und ſtudierte an der Landes⸗Univerſität Gießen bis zum 8. März 1881. Daſelbſt beſtand er auch die Prüfung für das Lehramt in Mathematik als Hauptfach und Phyſik und Mineralogie als Nebenfächern. Zur Erlangung der philoſophiſchen Doktorwürde legte er eine Arbeit vor über die Beſtimmung der Attraktion, die eine homogene Kreislinie, reſp. Kreisſcheibe, auf einen materiellen Punkt von beliebig gegebener Lage nach dem Newton'ſchen Geſetz ausübt. Hierauf war er 3 Jahre als Lehrer an einer Privatſchule thätig und abſolvierte von Oſtern 1886 bis Oſtern 1887 ſeinen Acceß an der Realſchule zu Alsfeld. Ein ſchmerzlicher, ſchwerer Verluſt betraf die Schule durch den plötzlichen Tod unſeres langjährigen treuen Kollegen, des Herrn Pfarrer Chriſtian Diehl in Dienheim, bei Beginn der Sommerferien am 14. Auguſt. Seit 1. April 1874 war der Verſtorbene an der Realſchule(damals noch höheren Bürgerſchule) mit unermüd⸗ lichem Eifer und liebevoller Hingabe unausgeſetzt thätig. Ja, er begleilete ſelbſt einmal aus⸗ hilfsweiſe vom 1. April bis 1. Juli 1874 das Rektorat der Schule, obgleich dies ihm der damals noch als Pfarrer in Dalheim ſtand nur mit aufopferungsvoller Anſtrengung möglich war. Außer dem Unterrichte in der evang. Religion war ihm der Zeichenunterricht in allen Klaſſen und der Geſchichtsunterricht in den unteren Klaſſen übertragen. Er verſtand es in ſeltenem Grade ſich gleichmäßig die Liebe und Achtung ſeiner Schüler zu erwerben. Als Kollege ſuchte er durch die liebenswürdige Gaſtfreundſchaft ſeines Hauſes und treue, nie verſagende Freundſchaft ſeines Gleichen. Um ſo ſchmerzlicher war es Lehrern und Schülern, daß wir bei ſeiner während der Ferien ſtattfindenden Beerdigung nicht alle anweſend ſein konnten und bezeugen durften, welch unausfüllbare Lücke ſein Tod in unſerer Schule geriſſen hat. Sein Andenken wird Lehrern und Schülern der Anſtalt unvergeßlich ſein, nach der Verheißung: Das Gedächtnis des Gerechten bleibet im Segen.(Spr. X. 7.). Durch Verfügung Großh. Miniſteriums vom 24. Sept. 1887 wurde die nunmehr erledigte Lehrerſtelle für evang. Religionsunterricht dem hieſigen evangeliſchen Pfarrer Herrn Bonhard übertragen. Die von dem ſeligen Herrn Pfarrer Diehl verwaltete wiſſenſchaftliche Hilfslehrerſtelle dagegen übernahm entſprechend einer miniſteriellen Verfügung vom 14. Sept. 1887 der prov. Reallehrer Dr. Johannes Ledroit aus Mainz am 19. Sept. Derſelbe iſt geboren am 27. Sept. 1862 zu Mainz als Sohn des Vergoldemeiſters K. Ledroit daſelbſt. Er beſuchte von 1875 81 die Realſchule in Mainz und ſtudierte in Gießen bis zum Dezember 1884, wo er die Staatsprüfung für das höhere Lehrfach in Phyſik und beſchreibenden Naturwiſſenſchaften als Hauptfach und Mathematik als Nebenfach beſtand. Seine Inaugural⸗ Diſſertation handelte über die ſogenannten Trachidoleride des Vogelsbergs. Vom 1. Jan. 1883 bis 1. März 1886 war er Acceſſiſt am Gymnaſium und außerordentliches Mitglied des päda⸗ gogiſchen Seminars zu Gießen. Vom 1. April 1886 ab genügte er ſeiner Militärpflicht in Mainz und wurde am 1. April 1887 mit der Qualifikation zum Reſerveoffizier entlaſſen. Bis zu ſeinem Eintritt in unſerer Anſtalt war er als Acceſſiſt am Gymnaſium zu Mainz thätig.

Auch der katholiſche Religionsunterricht kam durch Ernennung des Herrn Kaplan Schröder zum Pfarrer in Guntersblum am 16. Nov. 1887 in andere Hände. Wir wünſchen demſelben, der 10 Jahre lang als lieber, treuer Kollege in unſerer Anſtalt wirkte, des Himmels Segen auch für ſeine neue Laufbahn. Möge er auch uns und unſere Schule in gutem Andenken be⸗ halten. Am 21. Nov. übernahm der hieſige kath. Pfarrer Herr Heeß die erledigte Religionslehrer⸗ ſtelle. Durch Verfügung Gr. Miniſteriums vom 24. September wurde der Schule der Lehramts⸗ acceſſiſt P. Dittmar zur Ableiſtung ſeines Probejahres zugewieſen. Derſelbe iſt geboren zu Nieder⸗Ohmen am 19. Sept. 1863 und hat nach 5jährigem Beſuch der Realſchule und 3 ½ jährigem Studium zu Gießen die Prüfung für das höhere Lehramt in den Hauptfächern Ma⸗ thematik, Phyſik und Mineralogie am 2. Aug. 1887 in Gießen beſtanden.