Jahrgang 
1912
Einzelbild herunterladen

2

für die Hingabe und Liebe, mit der Sie die Ausführung geleitet haben, welcher wir es in der Hauptsache verdanken, dass das Werk so schön vor uns steht und mit so bedeutender Er sparnis fertig geworden ist. Nehmen Sie herzlichen Dank dafür, zugleich auch für Ihren Vorgänger, Herrn Regierungsbaumeister Völker, der mit seltener künstlerischer Begabung den Plan entworfen und das Gebäude bis zum Rohbau fertig gestellt hat. Ich schliesse hieran den Dank für den Bauführer, Herrn Klingelhöfer, der mit ausserordentlicher Gewissenhaftigkeit und nie ermüdendem Eifer vom frühen Morgen bis zum späten Abend als Bauleiter zur Stelle gewesen ist. Ich danke ferner den Unternehmern und Lieferanten, deren Leistungen und Lieferungen es zu Wege gebracht haben, dass wir heute einen mustergültigen Bau vor uns sehen dürfen. Ich will nicht versäumen, meinen Dank insbesondere Herrn Karl Schömbs aus- zusprechen, der durch Stiftung einer Serie Lippmann'scher Künstlerlithographien ganz besonders zur Ausschmückung der Anstalt beigetragen hat. Ich danke ferner den Arbeitern, die mit ihrer Hände Fleiss so schnell den Bau vor uns aufgeführt haben, dass er schon jetzt fertig vor uns steht.

Und so übergebe ich hiermit Ihnen, hochverehrter Herr Geheimerat, als dem Vertreter der Grossh. Staatsregierung, mit dem Schlüssel diesen Bau zum Gebrauch für unsere neue Oberrealschule am Friedrichsplatz mit dem Wunsche, dass es dem vereinigten Opfer von Staat und Stadt gelingen möge, in diesem schönen Neubau unsere Jugend heranzubilden zu tüchtigen Menschen und wackeren Bürgern unserer Stadt und unseres Vaterlands.

Hierauf erwiderte Herr Geheimerat Süffert:

Im Namen des Herrn Ministers des Innern, der zu seinem Bedauern verhindert ist, per- sönlich zu erscheinen, und als Vertreter der obersten Schulbehörde des Landes, an dessen Bildungsreihe sich die neue Oberrealschule als würdiges Glied anschliesst, übernehme ich den Schlüssel zu diesem stolzen Bau, durchdrungen von dem Gefühle der Dankbarkeit gegen die Stadt Offenbach, deren Vertretung nicht zögerte, grosse finanzielle Opfer zu bringen, nachdem sie einmal erkannt hatte, dass die alten unhaltbaren Verhältnisse beseitigt werden mussten, Ich beglückwünsche die Schule zu ihrem neuen Heim. Möge stille, ernste Arbeit hier eine Stätte haben zum Segen der Stadt, im Dienste unseres Landes! Möge eine treubesorgte Lehrer- schaft und eine glückliche, strebende Jugend von diesen Räumen umschlossen werden! Das gebe Gott! In diesem Sinne übergebe ich die neue Schule dem altbewährten Leiter in Benutzung.

Geh. Schulrat Jäger nahm nun den Schlüssel in Empfang und sprach den Wunsch aus, dass das Haus ein Ort sein möge, wo die Kräfte und Anlagen unserer Jugend sich froh entfalten in gediegenem Arbeiten, zu ihrer eigenen Förderung und zum Wohl des grossen Ganzen, unseres geliebten, deutschen Vaterlandes.

Damit schloss er das Gebäude auf, und die Festteilnehmer nahmen in der als Festsaal dienen- den Turnhalle Platz. Auf der Emporbühne der Halle waren Schülerchor und Schülerorchester aufgestellt, und es durchbrausten nun den weiten, hohen Raum die Klänge des LiedesZur Weihe des Hauses. Hierauf ergrifft Herr Bürgermeister Dr. Dullo das Wort zu folgender Rede.

Sehr verehrte Anwesende! Mit der Eröftnung des neuen Schulgebäudes am heutigen Tage treibt der 220 Jahre alte Baum des Offenbacher höheren Schulwesens wieder einen neuen, jungen Spross. Es ist noch nicht so lange her, da stand der Baum einsam und ziemlich allein. Wie lebendig er aber noch ist, zeigt er am besten dadurch, dass er in verhältnismässig kurzer Zeit zwei grosse neue Aeste hervorgebracht hat: zuerst das Gymnasium, das sich von ihm abgezweigt hat, und jetzt die zweite neue Oberrealschule am Friedrichsplatz.