Schulnachrichten.
l. Die Einweihung des neuen Schulgebäâudes.
Der Ubergang aus dem vorigen Schuljahr 1910/11 in das Berichtsjahr war für unsere Schule von einschneidender Bedeutung. Die bis dahin aus 30 Klassen bestehende Anstalt wurde in zwei Schulen geteilt, von denen durch Allerhöchsten Erlass des Grossherzogs die eine den Namen„Oberrealschule am Stadthaus“, die andere den Namen„Oberrealschule am Friedrichsplatz“ erhielt. Die letztere bezog das neu errichtete, grossartige Gebäude, das am 6. April 1911 feierlich eingeweiht wurde. Die Feier begann nachmittags um 4 Uhr. Als Ver- treter der Grossh. Staatsregierung waren erschienen die Herren Geheimerat Süffert, Geheimer Oberschulrat Nodnagel und Geheimer Oberbaurat Klingelhöffer, als Vertreter des Kreises Herr Kreisrat Lochmann, als Vertreter der Stadt Herr Bürgermeister Dr. Dullo, verschiedene Beigeordnete und Stadtverordnete, und ausserdem hatten sich noch über 700 geladene Gäste eingefunden.
Nachdem die festliche Versammlung im Schulhof vor dem südlichen Eingang der Turn- halle Aufstellung genommen hatte, ergriff der Leiter des Baues, Herr Stadtbauinspektor Weil, das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. ausführte:
Verehrte Anwesende! Es ist bereits heute zum zweitenmale, dass es mir nach nunmehr 1 ½ jähriger Tätigkeit im Dienste der Stadt Offenbach vergönnt ist, den Neubau einer Schule seiner Bestimmung zu übergeben. Vor Jahresfrist etwa war die Bernardschule fertig geworden, und heute wurde die letzte Hand an den Neubau der Oberrealschule angelegt. Begonnen am 23. März 1909 nach den Plänen und unter der Oberleitung meines Vorgängers, des Herrn Regierungsbaumeisters Völker, war bei meinem Eintritt in den städtischen Dienst am 1. Okt. 1909 der Rohbau bereits soweit vorgeschritten, dass die Zimmerleute eben dabei waren, das Dach- werk aufzuschlagen und am 4. März 1910 die baupolizeiliche Rohbauabnahme stattfinden konnte. Mir ist es in der Hauptsache nur vergönnt gewesen, dem würdigen, an die hessische Bauweise angelehnten, äusseren Aufbau einen gleichwertigen inneren Ausbau an die Seite zu stellen.
Nachdem Sie sich, verehrte Anwesende, von der Schönheit des äusseren Aufbaues und der Gesamtgruppierung der einzelnen Formen überzeugt haben, bitte ich Sie, nach persön- licher Inaugenscheinnahme der inneren Ausstattung das ganze Bauwerk einer wohlwollenden Kritik zu unterziehen. Sie werden sich dabei überzeugen, dass die erzielten guten Wirkungen einzig und allein der richtigen Zusammenstellung und Gegenüberstellung der Farben und nicht der Kostbarkeit des Materials zuzuschreiben sind. So übergebe ich Ihnen, Herr Bürgermeister, den Schlüssel des vollendeten Baues in der frohen Zuversicht, dass das vom städtischen Hoch- bauamt geschaffene Werk seinen Zweck voll und ganz erfüllen wird.
Herr Bürgermeister Dr. Dullo schloss daran folgende Worte:
„Meine verehrten Damen und Herren! Ich danke zunächst Ihnen, Herr Bauinspektor, ver- bindlichst für die seltene Selbstlosigkeit, mit der Sie sich bei diesem von lhrem Herrn Vor- gänger übernommenen Bau den Bestrebungen und ldeen desselben hingegeben haben und bestrebt gewesen sind, diese Ziele zu verwirklichen. Ich danke Ihnen weiter vor allen Dingen


