Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

17

8. Vor übereiltem Austritt aus der zweiten oder dritten Klaſſe wird gewarnt, da er den Hu⸗ gang zu den zahlreichen Berufen unmöglich macht, die die Abſolvierung der erſten Klaſſe zur Voraus⸗ ſetzung haben.

9. Zu Anfang eines jeden Schuljahres werden die Sprechſtunden der einzelnen Lehrer und Lehrerinnen bekannt gemacht. Wir bitten, von dieſer Einrichtung fleißigen Gebrauch zu machen.

10. Im vorjährigen Jahresbericht iſt bereits auf die beabſichtigte Gründung einer privaten Frauenſchule hingewieſen worden. Die Unterſtufe dieſer neuen Anſtalt konnte zu Oſtern 1914 mit 25 Schülerinnen eröffnet werden. Es geſchah dies in beſtändigem Einvernehmen mit Großh. Miniſterium d. J. I, deſſen Rat und Zuſtimmung in allen irgend zweifelhaften Fällen von uns eingeholt wurde.

Seitens der Stadt fand das Unternehmen in bereitwilligem Entgegenkommen der Herrn Stadt⸗ verordneten durch die Gewährung koſtenloſer Benutzung von Räumen und Lehrmittetn ſtädtiſcher Schulen für den Unterrichtsbetrieb die wertvollſte Unterſtützung. Wir verſäumen nicht, der Großherzoglichen Bürgermeiſterei ſowie der Stadtverordneten⸗Verſammlung auch an dieſer Stelle hierfür unſeren herz⸗ lichſten und verbindlichſten Dank abzuſtatten.

An der Spitze des Unternehmens ſteht ein von den Eltern gewähltes Kuratorinm unter dem Vorſitz des Herrn Beigeordneten Porth.

Das nun hinter uns liegende erſte Schuljahr der Offenbacher Frauenſchule iſt gut und recht befriedigend verlaufen, wenn auch gern zugegeben wird, daß im einzelnen manches künftig anders und beſſer eingerichtet werden kann. Wird doch in allen großen Städten Deutſchlands für dieſe ganz neue Schulart das Richtige und vor allem das den jeweiligen örtlichen Bedürfniſſen völlig Entſprechende erſt noch geſucht. Bei uns litt das junge Unternehmen nicht wenig unter den kriegeriſchen Wirren des letzten halben Jahres, die uns mitten im Schuljahr zu einer Aenderung hinſichtlich der Unterrichts⸗ verteilung nötigte und auch einige vonGroßh. Miniſterium gutgeheißene Abweichungen vom Lehrplan derRichtlinien inſofern zur Folge hatten, als beiſpielsweiſe in der Nadelarbeit ſoviel wie möglich für unſere Krieger gearbeitet wurde, und als ſich im Kochunterricht unſere Schülerinnen mehrere Wochen lang zu ihrer großen Freude am Einkochen von Früchten und dergleichen für unſere Verwundeten beteiligen durften.

Daß eine Frauenſchule für unſere Stadt in noch höherem Maße Bedürfnis iſt, als zur Zeit ihrer Eröffnung angenommen wurde, davon ſind wir im abgelaufenen Schuljahr trotz der mannigfachen Störungen immer mehr überzeugt worden, und daß die junge Schule das Vertrauen unſerer Elternſchaft gewonnen hat, ſo ſehr ſie auch in ihren Anfängen durch den Urieg und ſeine Folgen beeinträchtigt war, ſcheint uns daraus hervorzugehen, daß für die Unterſtufe des Schuljahres 1915/16 heute bereits 17 Neu⸗ anmeldungen vorliegen. Möge über dem für unſere weibliche Jugend ſo ſegensvollen Unternehmen in den nächſten Jahren ein beſſerer Stern walten, und möge unſere Frauenſchule in friedlichen Seiten einer ruhigen und gedeihlichen Entwickelung immer mehr zu dem werden, was ſie ihrem ſchönen Grund⸗ gedanken nach ſein ſoll und will!

Anmeldungen werden vormittags 10 11 im Amtszimmer Geleitsſtr. 18 entgegengenommen.

Da unſere Elternſchaft über die Ziele und die Einrichtungen der neuen Schulart noch wenig unterrichtet iſt, laſſen wir hier folgen, was ſchon an anderer Stelle über Art und Weſen unſerer Frauen⸗ ſchule ausgeführt und veröffentlicht worden iſt. Selbſtverſtändlich ſind wir zu eingehenderen mündlichen Mitteilungen jederzeit mit Freuden erbötig.