Jahrgang 
1914
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Richt nur dafür iſt unſere Anſtalt der Stadtverwaltung abermals beſonderen Dank ſchuldig geworden, den wir hier nochmals auszuſprechen nicht verſäumen wollen. Durch nicht unerhebliche Aufwendungen der Stadt iſt es uns auch ermöglicht worden, den Anforderungen des ſeit Oſtern 1913 für unſere Anſtalt maßgebenden neuen Lehrplans für die höheren Mädchenſchulen des Großherzogtums heſſen in zwei Fächern, der Naturgeſchichte und dem Nadelarbeitsunterricht, gerecht zu werden. Dies geſchah durch eine reichere Ausſtattung unſeres naturgeſchichtlich-biologiſchen Inſtituts, ſowie durch die Anſchaffung von vier Nähmaſchinen und den für den Nähmaſchinenunterricht außerdem erforderlichen Einrichtungsgegenſtänden.

Durch Dekret vom 21. Juli wurden die Lehramtsaſſeſſoren herr Wendel Hfeifer und hHerr Wilhelm Wild zu Oberlehrern an unſerer Anſtalt ernannt.

Wendel Pfeifer iſt am 27. November 1883 zu Offenbach a. M. als Sohn des Kanzleirats zu Darmſtadt Herrn Jakob Pfeifer geboren. Er beſuchte das Realgymnaſium zu Darmſtadt, wo er Oſtern 1902 die Reifeprüfung beſtand. Hierauf ſtudierte er zwei Semeſter an der Techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt und ſechs Semeſter an der Landesuniverſität zu Gießen Mathematik, Phyſik und Geographie und beſtand dort im Frühjahr 1906 die Staatsprüfung. Das erſte Vorbereitungsjahr verbrachte er in dem mit dem Real⸗ gymnaſium zu Darmſtadt verbundenen pädagogiſchen Seminar; ſodann war er von Oſtern 1907 bis Herbſt 1908 Leiter der höheren Bürgerſchule zu Beerfelden i. O. Nachdem er darauf von Herbſt 1908 bis Herbſt 1909 beim 1. Großh. Heſſ. Leibgarde⸗Infanterieregiment Nr. 115 zu Darmſtadt ſeiner Militärpflicht Genüge getan hatte, war er von Herbſt 1909 bis Oſtern 1911 an der Oberrealſchule zu Worms a. Rh. verwendet; von Oſtern 1911 bis Oſtern 1913 war er Leiter der höheren Bürgerſchule zu Rimbach i. O. Seit Oſtern 1913 wirkt er an unſerer Anſtalt.:

Wilhelm Wild iſt am 1. März 1883 zu Carlshütte bei Biedenkopf als Sohn des verſtorbenen Prokuriſten Herrn Adolf Wild geboren. Er beſuchte das Realprogymnaſium zu Biedenkopf und ſodann das Real⸗ gymnaſium zu Gießen, das er Oſtern 1902 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Darauf ſtudierte er an der Landesuniverſität Gießen Franzöſiſch, Engliſch und Deutſch und beſtand im Herbſt 1906 die Staatsprüfung für das höhere Lehramt. Von Herbſt 1906 bis Oſtern 1907 gehörte er dem mit dem Gymnaſium zu Gießen verbundenen pädagogiſchen Seminar an; Oſtern 1907 bis Oſtern 1908 war er an der höheren Mädchenſchule zu Offenbach a. M. verwendet. Nachdem er ſodann von Oſtern 1908 bis Oſtern 1909 zu Gießen ſeiner Militärpflicht genügt hatte, erhielt er Oſtern 1909 abermals eine Verwendung an unſere Anſtalt.

Am 31. Oktober beehrte herr Geh. Oberſchulrat Block unſere Anſtalt mit ſeinem Beſuch und wohnte dem Unterricht mehrerer Klaſſen bei.

Zur Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Höheit des Großherzogs fanden am 22. und 24. November in unſerer Turnhalle öffentliche Feſtakte ſtatt; am zweiten Tag hielt Herr Oberlehrer Richter die Feſtrede über Juſtus Liebig. Nichtöffentliche Schulfeiern wurden außerdem in unſerer Turnhalle am 16. Juni, wo Herr Lehramtsaſſeſſor Pfeifer über das Regierungsjubiläum Sr. Majeſtät des Kaiſers ſprach, und am 18. Oktober abgehalten, wo Herr Oberlehrer Wild in einer Anſprache die großen Ereigniſſe des Jahres 1815, vor allem die Schlacht bei Leipzig, feierte. Zur Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers wurden Anſprachen in den einzelnen Klaſſen gehalten.

Gum 25. November erhielt Herr Reallehrer Meſſinger das Ritterkreuz II. Klaſſe des Ordens Philipps des Großmütigen.

Am 2. Dezember fand in unſerer Turnhalle ein gut beſuchter Elternabend ſtatt. Dabei hielt der Direktor der Sleonorenſchule zu Darmſtadt Herr Dr. Lucius eine Anſprache über die Ein⸗ richtungen und Ziele der Frauenſchule; an den Vortrag ſchloß ſich eine angeregte Diskuſſion an.

Der Verlauf dieſes Elternabends bewies, daß in unſerer Stadt der Aufbau einer Frauenſchule auf unſerer Anſtalt als ein Bedürfnis empfunden wird. In der Tat liefen alsbald etwa 20 Anmeldungen ein, und unſer Kuratorium ſprach ſich für die Gründung einer Frauenſchule aus. Einem dahin gehenden Antrag glaubte indeſſen die Stadtverordneten-Verſammlung noch nicht Folge geben zu ſollen. Dem unbeſtreitbar vorhandenen Bedürfnis wird man vorausſichtlich im nächſten Schuljahr fürs erſte durch die Einrichtung privater Frauenſchulkurſe abzuhelfen verſuchen.

Der Geſundheitszuſtand des Lehrerkollegiums und der Schülerinnen war befriedigend. Doch verloren wir während der Herbſtferien am 4. Oktober durch den Tod eine liebe Schülerin, die achtjährige Lieſel Konradt, die unſerer Alaſſe VIIIb angehörte und zu ſchönen Hoffnungen berechtigte.