Jahrgang 
1914
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IV. Zur Geſchichte der Antſtalt.

Das Schuljahr wurde am 31. März mit einer Verſammlung der 7 oberſten Jahrgänge in unſerer Turnhalle eröffnet.

Von den Lehrern des vorigen Schuljahres waren zwei nicht mehr erſchienen: der an die Realſchule zu Wimpfen übergegangene Herr Reallehrer Rüdinger ſowie herr Reallehrer Flath, der durch Dekret vom 11. März 1913 mit Wirkung vom I. April in den Ruheſtand verſetzt worden war. Herr Reallehrer Flath hat unſerem Lehrerkollegium 46 Jahre lang angehört und ſich in dieſer langen Zeit um unſere Anſtalt in jeder Art große Verdienſte erworben. Bei ſeinen Schülerinnen und deren Eltern, nicht weniger aber bei ſeinen Kollegen und Kolleginnen erfreute ſich Herr Reallehrer Flath ſtets wegen ſeiner vielen trefflichen Eigenſchaften, vor allem aber wegen der wohltuenden und herzgewinnenden Freundlichkeit ſeines Weſens einer ganz beſonderen Beliebtheit. Alle Glieder unſerer Anſtalt ſahen ihn mit aufrichtigem Schmerze ſcheiden und wünſchten dem hochverdienten und allverehrten Manne einen langen und heiteren Lebensabend den er ſich durch die treue Arbeit ſeines Lebens, die faſt nur unſerer Schule galt, wie wenige vor ihm verdient hat. Seine Uönigliche Hoheit der Großherzog zeichnete Herrn Reallehrer Flath beim Scheiden aus dem Amte dadurch aus, daß ihm die Arone zum Kitterkreuz II. Klaſſe des Ordens Philipps des Großmütigen verliehen wurde.

An Stelle der beiden aus dem Lehrerkollegium ausgeſchiedenen Herren traten Herr Lehramts⸗ aſſeſſor W. Pfeifer, bisher an der höheren Bürgerſchule zu Rimbach i. O., und der durch Dekret vom 19. März 1913 von der Realſchule zu Wimpfen a. N. an unſere Anſtalt verſetzte Herr Reallehrer K. Gödtel.

Karl Gödtel iſt am 4. Februar 1867 zu Niederkirchen bei Kaiſerslautern geboren. Nach dem Beſuch der Lehrerbildungsanſtalt zu Kaiſerslautern war er 5 Jahre im pfälziſchen Schuldienſt tätig. Im Oktober 1890 unterzog er ſich zu Speyer der Definitorialprüfung für pfälziſche Schuldienſtexſpektanten. Am 16. Juli 1891 trat er in den heſſiſchen Schuldienſt über und war zunächſt Schulverwalter zu Nieder⸗Eſchbach und zu Lich. Am 7. Mai 1894 wurde ihm eine Lehrerſtelle zu Londorf, am 1. April 1899 die erſte Lehrerſtelle zu Treis a. d Lumda definitiv übertragen. Durch Dekret vom 30. März 1907 wurde er zum Reallehrer an dem Gymnaſium zu Offenbach a. M. ernannt; vom 1. Juli 1910 ab bekleidete er eine Reallehrerſtelle an der Realſchule zu Wimpfen a. N.

Außerdem traten mit dem beginnenden Schuljahr zwei weitere neue Lehrkräfte in die Dienſte unſerer Anſtalt, die Schulverwalterinnen Fräulein Katharine Müller, bisher Lehrerin an der heintzen⸗ bergſchen Privatſchule zu Offenbach a. M., und Fräulein Elſe Töpfer, die vorher an der Gießener Volksſchule gewirkt hatte. Da die Heintzenbergſche Schule im März 1915 zu beſtehen aufhörte, und da die meiſten ihrer Schülerinnen in unſere Anſtalt übertraten, bedurfte unſer Lehrerkollegium der Ver⸗ größerung um zwei Lehrerinnen. Auch die Räume unſeres Schulgebäudes reichten nicht mehr aus, ſo daß das von der Stadt Offenbach käuflich erworbene Gebäude des Fräulein heintzenberg für unſere beiden unterſten Jahrgänge in Benutzung genommen werden mußte.

Mit dem neuen Schuljahr übernahm Herr Prediger Bloch wiederum den freireligiöſen Unterricht der erſten Abteilung.

Gum Zweck einer Studienreiſe nach Frankreich war im Sommerhalbjahr Herr Lehramtsaſſeſſor W. Wild für drei Wochen beurlaubt; ebenſo hatte die Schulverwalterin Fräulein E. Gräber für eine Reiſe nach England einen vierwöchigen Urlaub. Auch iſt zu erwähnen, daß herr Oberlehrer Keller, von der Stadt Offenbach unterſtützt, in den Oſterferien zur Bereicherung ſeiner kunſtgeſchichtlichen Kenntniſſe einen vierzehntägigen Aufenthalt in München genommen hat.