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Schule ſo verdienten Mannes iſt von uns lebhaft beklagt worden; unſere Anſtalt wird ſich allezeit deſſen bewußt bleiben, wieviel Dank ſie ihm ſchuldig geworden iſt.
Die Monatsſpaziergänge wurden auch in dieſem Schuljahr ausgeführt, zwei Nachmittage wurden zur Benutzung der Eisbahn freigegeben. Die Spielſtunden der Klaſſen— V wurden im Sommerhalbjahr bei geeigneter Witterung regelmäßig abgehalten. Größere Ausflüge unternahmen alle Klaſſen am 24. Mai.
Am 19. November beſuchten Schülerinnen der beiden erſten Klaſſen in Frankfurt a. M. unter Führung von Frl. Schäffer eine Aufführung von Pailleron, Le monde où l'on s'ennnie; in Begleitung des Herrn Oberlehrers Keller wohnten ſie am 18. Mai einer Aufführung des„Wallenſtein“, am 12. Auguſt des„Tell“, am 12. November des„König Lear“ im Frankfurter Schauſpielhaus bei.
Zur Belebung des Kunſtanſchauungsunterrichts unternahm Herr Oberlehrer Keller mit den Schülerinnen der erſten Klaſſen fünf Nachmittagsausflüge nach Frankfurt a. M.; zum gleichen Zweck wurden Mainz, Oppenheim und Darmſtadt beſucht.
Am 5. März wohnten faſt alle Schülerinnen der Klaſſen I— III in unſerer Turnhalle den Rezitationen des Herrn Louvrier aus Breslau(franzöſiſche Gedichte und Proſaſtücke) bei.
Zur Feier des Geburtstags Sr. Majeſtät des Kaiſers fanden am 25. und 26. Januar in unſerer Turnhalle öffentliche Feſtakte ſtatt. Am zweiten Tage hielt Herr Oberlehrer Dr. Schrod die Feſtrede über Friedrich den Großen.— Zur Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde in dieſem Schuljahr kein öffentlicher Feſtaktus abgehalten; Herr Oberlehrer Keller hielt eine Anſprache in unſerer Turnhalle.
Während in unſerem Lehrerkollegium in dieſem Jahre viele Erkrankungen zu beklagen waren, die ſogar in mehreren Fällen längere Beurlaubungen notwendig machten, war der Geſundheitszuſtand unſerer Schülerinnen im allgemeinen befriedigend. Doch wurde uns gleich zu Beginn des Schuljahres eine hervorragend tüchtige, zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigende Schülerin der Klaſſe Ia, Emilie Schwöbel, durch den Tod entriſſen, die am 2. Mai im Alter von 16 ½ Jahren einer Gehirnkrankheit erlag. Der Beerdigung auf dem hieſigen Friedhof wohnten das Lehrerkollegium und viele unſerer Schülerinnen bei; der Direktor brachte in einer Anſprache die ſchmerzlichen Gefühle zum Ausdruck, die alle Glieder unſerer Anſtalt erfüllten. Das Gedächtnis der ſo früh Geſchiedenen wird noch lange bei uns lebendig bleiben.
Wegen der Stundenzahl der einzelnen Fächer des dem Unterricht augenblicklich zu Grunde liegenden proviſoriſchen Reformlehrplans vergleiche man die tabellariſche Ueberſicht auf Seite 6—7.
Die Schülerinnen der Klaſſe Ia und ein Teil der Schülerinnen der Klaſſen IIa und IIb wurden in dieſem Schuljahr in der Mathematik, Phyſik und Chemie nach dem Realſchullehrplan unterrichtet. Den demnächſt aus Ia abgehenden Schülerinnen ſteht der Eintritt iu die Oberſekunda einer Oberrealſchule offen, und diejenigen von ihnen, die ſich ſpäter dem höheren Lehrerinnenexamen zu unterziehen gedenken, können ſtatt der zwei unterſten Seminarklaſſen die Oberſekunda und die Unterprima einer Oberrealſchule beſuchen.
Auch in dieſem Schuljahr haben wir unſerer Stadtverwaltung und den Herren Stadtverordneten, die für die Einrichtung eines Lehrſaals der Naturgeſchichte und Biologie ſowie für die reichere Ausſtattung unſerer naturgeſchichtlichen Sammlungen anſehnliche Summen bewilligten, für ihre ſtets opferwillige Fürſorge warmen Dank zu ſagen.
CEbenſo ſei für mancherlei Geſchenke, die in dieſem Jahre unſerer Schule zuteil wurden, an dieſer Stelle herzlich gedankt. Wir erwähnen die Geſchenke des Herrn C. Nube(großes Bild einer Alpenlandſchaft), des Herrn K. Schoembs(6 Bilder von Lippmann), des Herrn Prof. Weckerling(Bücher), des Herrn Vogler (Karte des Kreiſes Offenbach), des Großherzoglichen Landesmuſeums(Mineralien), des Herrn Reallehrers Stahl(Schiefer und Rauchquarz), des Vereins für Kunſtpflege(gphotographiſche Aufnahmen aus Alt⸗Offenbach) und des Tierſchutzvereins(Bücher). Die Schülerin G. Fröſe in la ſchenkte Steinſalz, Gipsſpat und Roſenquarz, G. Wildmann in IIIb Manganerz; ebenſo ſtifteten die Schülerinnen, die zu Oſtern 1911 aus unſerer erſten Klaſſe austraten, zur Kaſſe der Schülerinnenbibliothek namhafte Geldbeträge.


