Jahrgang 
1912
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8. Es iſt von uns oft beobachtet worden, daß die Frage der Berufswahl unſeren abgehenden Schülerinnen und ihren Eltern viele Schwierigkeiten bereitet. Micht ſelten geſchieht es, daß Mädchen, die uns ſchon am Ende der dritten oder zweiten Alaſſe verlaſſen haben, dies ſpäter ſchmerzlich bereuen, wenn ſie ſich zu einem Berufe entſchloſſen haben, der die Abſolvierung der erſten Klaſſe zur Voraus⸗ ſetzung hat. Es folgt daher eine Huſammenſtellung der verſchiedenen, unſeren Mödchen offenſtehenden Berufsarten. Es ſei dabei auch darauf hingewieſen, daß für diejenigen Schülerinnen, die die Frauen⸗ ſchule zu beſuchen gedenken, die Abſolvierung der erſten Klaſſe Erfordernis iſt; über die Bedeutung der an ſich keine Berechtigungen verleihenden Frauenſchule wird in denRichtlinien geſagt:Der Machweis des erfolgreichen Beſuches wird für die verſchiedenſten Berufe eine Empfehlung ſein und der Beſitzerin des Heugniſſes zum Vorteil gereichen, es werden ſich Erleichterungen daran knüpfen für den etwaigen Eintritt in eine Berufsbildungsanſtalt(Hauswirtſchaftslehrerin, Handarbeitslehrerin, Turn⸗ lehrerin u. ſ. w.), für die eine oder andere Anſtalt kann das Zeugnis die Vorbedingung zur Aufnahme werden.

Da ſich viele unſerer Mädchen in dem benachbarten Frankfurt ausbilden laſſen, ſehen wir uns veranlaßt, beſonders auf die preußiſchen Verhältniſſe hinzuweiſen; vergl. dazu: Berufsausſichten der Schülerinnen höherer Mädchenſchulen und weiterführender Bildungsanſtalten, ein Ratgeber für die Eltern, Preis 40 Pfg., Verlag W. Meeſer, Berlin.

Erforderliche Ausbildungszeit Berufe Höhere ber⸗ ſ f. Aen Andere Rr,7f vchen⸗ rSbrer, Lehrerni n Univerſität Franenſchule Ludahasr Wrktöcheg Hüeilehrerin(philol, math., naturw.). V erztin.. 8 9 a 1 Leiterin von juriſt. Auskunftsſtellen oder 10 J. 3 Jahre 46 J. Fenträlen von Fürſorgebeſtrebungen. Zahnärztin. 10 J 3 7Semeſter Pharmazeutin(mit abſchl. Staatspräfung) 10 3 4 2 Jahre Pharmazeutin. 10 1 4 3 Pharmazeutin 2. Kl.(ausnahmsweiſe e):10 4 3, 19 Lehrerin für höhere Wiüdchenſthnlen...jſ 10 Zbezw 0J. 2 bezw. 43. Lehrerin für Volksſchulen.... 10 4 Jahre Handarbeitslehrerin........ 10 8 5 ½,8 3 J. Fachſch. Hauswirtſchaftslehrerin......]10% 35⁸ 3 Turnlehrerin.. e... 10 5.3, 5 4 o8., 1 Kindergärtnerin. 10 225 1 ½ J.ISemin.. Jugendleiterin Gorſteherin v. indergärten Kinder und Jugendhorten).. 10 58⁸α 2 ½ gärtner. Zeichenlehrerin......... 10 1 1Ttadene⸗ Geſanglehrerin....10 2(mindeſt.) Bibliothekarin entweder:. 10 1 Jahr 3 Jahre Seigerſelef zalder:..e. de eren 10⸗ 1 Jahr 3 ewerbelehrerin...... 3 ½ J. Fachſ Gehilfin im Eiſenbahn⸗, Poſt⸗ und Tele⸗ Fachſch graphendienſt(ohne Aufnahmeprüfung). 10 Kaufmänniſcher Beruf. 10 1, beſſer 2 J. Handels⸗ Verſchiedene ſoziale Berufe in Kripen und ſchule oder prakt. Kinderhorten.. 10 1

9. Alle Lehrer und Lehrerinnen der Anſtalt ſowie der Direktor ſind ſtets gern bereit, mit den Eltern der Schülerinnen die ſie betreffenden Angelegenheiten eingehend zu beſprechen. Wir würden be⸗ dauern, wenn Eltern aus einer ganz unbegründeten Beſorgnis, durch Beſuche läſtig zu fallen, zum Schaden ihrer Tochter verſäumen ſollten, ſich rechtzeitig vertrauensvoll an uns zu wenden. Zugleich ſei auch hier darauf hingewieſen, daß von einem großen Teil unſerer Lehrer und Lehrerinnen beſondere Sprechſtunden eingerichtet worden ſind, die vormittags in unſerem Schul⸗ gebäude abgehalten werden. Wir bitten die Eltern unſerer Schülerinnen, von dieſer Einrichtung einen recht fleißigen Gebrauch machen zu wollen.

10. Schreiben amtlichen Inhalts bitten wir nicht an die perſönliche Adreſſe des Direktors, ſondern an die Direktion der höheren Mädchenſchule, Geleitsſtraße 18, richten zu wollen.

Offenbach a. M., im März 1912. Dr. Eger.