Jahrgang 
1898
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Am. 1. Oktober, vormittags um 11 Uhr, wurde ſodann der neuernannte Direktor, Dr. Eduard Otto, vor verſammelter Schule und in Gegenwart der Mitglieder des Vorſtandes der Anſtalt, ſowie des Schulvorſtandes und mehrerer Stadtverordneten in der Turnhalle der Anſtalt durch Herrn Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth in ſein Amt eingewieſen.

Eduard Otto iſt geboren am 4. Juli 1862 zu Rüddingshauſen(Oberheſſen), beſuchte bis Oſtern 1875 die Volksſchule zu Großenlinden, von da das Gymnaſium in Gießen. Seit Oſtern 1877 war er Schüler des Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſiums in Darmſtadt, das er Herbſt 1880 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Nachdem er von Herbſt 1880 bis Herbſt 1881 im 1. Gr. Heſſ. Infanterie⸗(Leibgarde) Regiment Nr. 115 ſeiner Militärdienſtpflicht Genüge geleiſtet, ſtudierte er auf den Univerſitäten Berlin und Gießen Geſchichtswiſſenſchaft, deutſche, franzöſiſche und engliſche Sprache und beſtand am 6. Juni 1886 in Gießen ſein Staats⸗ examen. Seinen Acceß vollendete er an dem Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium in Darmſtadt und wurde ſchon vor Ablauf desſelben als Hilfsturnlehrer an dieſer Anſtalt verwendet. Oſtern 1888 wurde ihm die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrſtelle an der erweiterten Volksſchule(ſpäteren Realſchule) in Butzbach übertragen. Seit dem 1. Oktober 1890 war er wiederum am Ludwig⸗ Georgs⸗Gymnaſium in Darmſtadt als proviſoriſcher Lehrer thätig. Durch Allerhöchſte Entſchließung vom 9. Juni 1891 wurde ihm ſodann die betreffende Stelle an genannter Anſtalt definitiv übertragen.

Am 2. Oktober 1897 wurde an Stelle des verſetzten Herrn Kaplan Helbig der unter Zuſtimmung des biſchöflichen Ordinariats in Mainz von Gr. Miniſterium mit der Erteilung des katholiſchen Religions⸗ unterrichts an unſerer Schule beauftragte Herr Pfarrer Kaspar Schäfer von Offenbach in ſeinen Dienſt eingewieſen.

Durch Zuſchrift des Gr. Miniſteriums vom 12. November 1897 wurde die Direktion aufgefordert, eine Abſtimmung der Eltern der Schülerinnen über die von einem großen Teile der hieſigen Einwohnerſchaft gewünſchte Aenderung der Ferienordnung herbeizuführen. Es wurden demgemäß am 20. November gedruckte Stimmzettel ausgegeben, die über den Gegenſtand der Abſtimmung die nötigen Aufſchlüſſe ent⸗ hielten. Bei der Sammlung der Stimmen am 22. November ergab ſich, daß ſich von 141 abgegebenen giltigen Stimmen 135 für Aenderung der Ferienordnung ausſprachen. Da die gleichzeitig von der Direktion des hieſigen Gymnaſiums und der Realſchule veranſtaltete Abſtimmung ein ähnliches Ergebnis hatte, wurde durch Verfügung Gr. Miniſteriums vom 1. Dezember 1897 die Ferienordnung für die höheren Schulen Offenbachs mit Wirkung von Oſtern 1898 abgeändert. Hiernach gewinnen die Ferien an unſerer Anſtalt künftig folgende Geſtalt:

Oſterferien 2 ½ Wochen und zwar Wochen vor dem Feſt und 1 Woche nach demſelben; Pfingſtferien ½ Woche vom Pfingſtſonntag bis einſchließlich den darauffolgenden Mittwoch; Sommerferien 4 Wochen vom erſten Sonntag im Juli an;

Herbſtferien 2 Wochen von dem dem 29. September(Michaelis) vorhergehenden Sonntag an; Weihnachtsferien 2 Wochen(wie ſeither).

Durch Verfügung des Großherzoglichen Miniſteriums vom 18. Dezember 1897 wurde Lehramtsaceeſſiſt Bergmann zum Lehramtsaſſeſſor ernannt.

Mit Genehmigung unſerer vorgeſetzten Behörde wird vom Beginn des nächſten Schuljahres ab in dem Lehrplane der erſten Klaſſe eine Stunde Geographie geſtrichen und durch eine wöchentliche Lehrſtunde für Kunſtanſchauung erſetzt. Dieſer neue Unterricht wird den Zweck verfolgen, auf die im Geſchichts⸗ unterrichte vorhergehender Klaſſen gelegten Grundlagen aufbauend die Schülerinnen durch Anſchauung von Kunſtgegenſtänden und guten Abbildungen zum Verſtändnis und Genuß der Werke der bildenden Kunſt an⸗ zuleiten. Wir glauben damit, unſeren Schülerinnen eine wertvolle und willkommene Anregung zu tieferer Lebensauffaſſung und edlerem Lebensgenuſſe zu bieten, die nicht ohne ſegensreiche ſittigende Wirkung bleiben kann.

Der zu Oſtern 1897 neu errichtete(nicht verbindliche) kaufmänniſche Kurs hat ſich eines zahlreichen Beſuches zu erfreuen gehabt. Er war im ganzen von 35 Schülerinnen unſerer Anſtalt und 25 Hoſpi⸗ tantinnen beſucht. Dem Wunſche verſchiedener Eltern entſprechend wurde dem Unterrichte im kaufmänniſchen Rechnen im Laufe des Sommer⸗Semeſters eine dritte wöchentliche Lehrſtunde(für Buchhaltung!) hinzugefügt. Mit Rückſicht darauf, daß eine große Zahl unſerer Hoſpitantinnen dem Beſuche des Kurſus in den eigent⸗ lichen kaufmänniſchen Fächern nur ein Jahr zu widmen im Stande iſt, und daß es dieſen Beſucherinnen

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