ſchnitte aus Homers Odyſſee und Ilias, ein aus Lehrern und Schülern des Gymnaſiums beſtehendes Doppel⸗ quartett ſang zwei Oden des römiſchen Dichters Horaz(in der Urſprache vertont von K. Löwe). Manchem der alten Gymnaſiaſten im Zuhörerraum mögen aus den vertrauten Verſen und Klängen ferne Jugenderinnerungen angenehmer oder weniger angenehmer Art emporgeſtiegen ſein, mancher Vater und manche Mutter haben gewiß einen Hauch verſpürt des unvergänglichen, allmenſchlichen Lebensgutes, das die Werke der Antike bergen. Im Mittelpunkt des Abends ſtand ein nach dem gleichnamigen Märchen Anderſens von W. Blachetta ver⸗ faßten Bühnenſtück„Der Schweinehirt“, das von fünf Sextanern unter Leitung ihres Klaſſenlehrers Pro⸗ feſſor Hotz gewandt und flott geſpielt wurde. Das Schülerorcheſter leitete die Abendſtunde ein mit„Intro⸗ duktion und Chor der Friedensboten“ aus Wagners„Rienzi“, bot zwiſchendurch zuſammen mit dem Schüler⸗ chor Mozarts Motette„Xve verum corpus' und entließ uns mit dem ſchneidig geſpielten„altpreußiſchen Armeemarſch Nr. 7“. Orcheſter und Chöre leitete Studienrat Fiſcher. Der ſtarke, zuweilen begeiſterte Beifall, den alle Darbietungen fanden, beweiſt, daß auch der gymnaſiale Bildungsgedanke dem Unwetter der geiſtigen Inflation ſtandgehalten und behauptet hat. Er zeigt, daß das Verſtändnis für die ſtarken, perſönlichkeits⸗ bildenden Werte, die gerade der Verbindung Deutſchtum-Antike eigen, in weiteren Kreiſen nicht nur noch vorhanden iſt, ſondern ſich wieder vertieft und ſteigert. Eine erfreuliche Tatſache angeſichts der ſchweren Auf⸗ gaben, die der Weg zum äußeren Aufbau und beſonders zur inneren Feſtigung unſerem Volke ſtellt, angeſichts der Aufgaben, die Einſatz aller Kräfte von uns fordern. Möge darum auch das Gymnaſium mit ſeinem er⸗ probten Bildungswert berufen bleiben, an ſeinem Teil mitzuwirken bei der Heranbildung unſerer Jugend, d. h. bei der Geſtaltung unſerer Zukunft!“
An der Pfingſttagung des V. D. A. in Kiel nahmen von unſerer Schulgruppe 12 Schüler unter Leitung des Studienrats Dr. Schuſter teil. Einer der Teilnehmer(ein Unterſekundaner) gibt über ſeine Eindrücke folgenden Bericht:
„Pünktlich um 7 Uhr morgens lief der Extrazug der Heſſen im Hauptbahnhof Kiel ein. Wir wurden von einer großen Schar Kieler Schuljugend ſtürmiſch empfangen und mit Muſik in unſer Quartier, die Hebbel⸗ ſchule, geleitet. In der ſchönen Aula dieſer Anſtalt fand um 9 Uhr eine würdige Schulfeier zu unſerer Be⸗ grüßung durch die Hebbelſchüler ſtatt.— Der ganze Samsstag blieb uns für die Beſichtigung Kiels.— Unſer erſter Weg war natürlich nach dem Hafen. Wie ſtaunten wir über die große Germaniawerft und den rieſigen Dampfer, der gerade im Schwimmdock lag.— Nach derb⸗kräftigem Mittageſſen gingen wir an die großen Schleuſen des Kaiſer⸗Wilhelmkanals. Wir hatten großes Glück, denn es wurde gerade ein großer Frachtdampfer geſchleuſt.
Am Sonntagmorgen verſammelte ſich die B. D. A.⸗Jugend zur großen Morgenfeier auf dem Flandern⸗ platz. Zuerſt ſprach ein evangeliſcher, dann ein katholiſcher Geiſtlicher. Dazwiſchen ſangen Matroſen der ganz in der Nähe verankerten Kriegsſchiffe zwei Chöre. Zum Schluß erklang aus den Kehlen der vielen Tauſende begeiſtert das Lied„Schleswig-Holſtein meerumſchlungen“.— Den Nachmittag verbrachten wir mit einer Wanderung nach Plön.
Montag morgen beſichtigten wir das Linienſchiff Elſaß. Das war ein großes Erlebnis. Die Geſchütze und Torpedos feſſelten uns natürlich am meiſten. Am Mittag fand der Feſtzug mit anſchließendem Fackelzug ſtatt. Die ganze Stadt war mit Wimpeln und Fahnen feſtlich geſchmückt und die Fenſter von Zuſchauern, die uns Apfelſinen und Gebäck zuwarfen, belagert. Als wir aber am Dienstag geweckt wurden, da waren wir alle von dem ununterbrochenen Heilrufen beim Feſtzug ganz heiſer. An dieſem Tage kam das große Ereignis, die herrliche Dampferfahrt nach der däniſchen Inſel Fünen. 14 Stunden auf dem Waſſer! Erſt nachts um 12 Uhr kamen wir bei Mondſchein wieder in Kiel an.— Der Mittwoch war ein Ruhetag. Am Badeſtrand von Laboe lagen wir im Sand und genoſſen ein Seebad.— Nach etwas kurzer Nachtruhe kletterten wir in der Frühe des Donnerstag in den Zug nach Sylt. Wir redeten faſt nur von der Seekrankheit, die uns auf der Fahrt nach Helgoland bevorſtand. Aber in unſerer Erwartung wurden wir leider getäuſcht, denn die See war ſo ruhig, daß ſelbſt in Helgoland keine Brandung zu ſehen war. Schon von weitem konnte man die ſchöne Inſel mit ihren roten, in der Sonne hell leuchtenden Felſen erkennen.


