Vortrag einen tiefen Einblick in Geſchichte und bauliche Entwicklung dieſer karolingiſchen Kloſteranlage. Durch nimmermüde Einzelerläuterung des Schnittgrabengewirrs wußte er beſonders Verſtändnis zu wecken für Weſen und Wert der Spatenforſchung als der unentbehrlichen Schweſter der Urkundenforſchung.— Der Nachmittag gehörte der Stadt Worms. Durch all das Erbe, das die Nibelungenſtadt ſich aus mehrtauſendſähriger Ver⸗ gangenheit bewahrt hat, führte uns freundlicherweiſe der Direktor des Paulinums, Herr Dr. Grill. Als feiner Sachkenner ſprach er(auch jeweils an Ort und Stelle) über die noch vorhandenen Spuren aus der Römer⸗ zeit, rückte uns den romantiſchen Zauber des frühmittelalterlichen Judenfriedhofes vor Augen, erörterte Sinn und Kunſtwert des Lutherdenkmals und ließ uns ſchließlich auf die reichen Kunſtſchätze des Domes und beſonders ſeines eigentlichen Arbeitsgebietes, des Paulinums, einen Blick werfen.— Der Ausflug war vom ſchönſten Wetter begünſtigt und brachte eine außerordentliche Fülle von Belehrung und Anregung.
Am Samstag den 23. Juni feierten wir den Landesjugendtag. Nach geſchloſſenem Anmarſch auf unſeren Sport⸗ und Spielplatz wies Prof. Hotz auf Sinn und Bedeutung dieſes Feiertages hin. Seine An⸗ ſprache klang in den gemeinſamen Geſang des Deutſchlandliedes aus. In Sport und Spiel ergoß ſich dann der Jugend Luſt und Eifer. Zwei Fußball⸗Klaſſenwettkämpfe auf dem Hauptfeld, zahlreiche Sportſpiele heiterer Art auf den Nebenfeldern(Ball⸗, Hindernisſtaffeln, Eierwettlauf uſw.) beſchäftigten für mehrere Stunden aller Muskeln und Augen in bunter Folge. Dank teilnehmender Fürſorge in Eltern⸗, Lehrer⸗ und beſonders Schülerkreiſen konnten über 50 Preiſe ausgeſetzt und nach Austrag der Sportſpiele den glücklichen Siegern überreicht werden. Hier ſowohl wie bei den übrigen ſportlichen Veranſtaltungen des Jahres war Studienrat Dr. Schuſter um die Vorbereitung und Durchführung der Wettkämpfe beſonders bemüht.
An der großen Pfingſttagung des Vereins für das Deutſchtum im Ausland, die am 26.— 28. Mai 1928 in Gmunden am Traunſee ſtattfand, beteiligten ſich vier Herren des Lehrkörpers und von unſerer Schulgruppe 12 Primaner und Sekundaner. Es war für dieſe Schüler eine willkommene Gelegenheit, ſich einen Eindruck von der machtvollen Bewegung des V. D. A. zu verſchaffen und zugleich die Wunderwelt der Alpen kennen zu lernen. Hin⸗ und Rückfahrt erfolgten für billiges Geld in dem Sonderzug des Landes⸗ verbandes Heſſen⸗Darmſtadt. Die dichten Regenwolken, die bei der Ankunft der Gruppe noch über Gmunden lagen, wichen bald hellem Sonnenſchein, der dann die Teilnehmer der Tagung auch weiter begleitete. Am Pfingſtſonntag machte unſere Gruppe einen Ausflug auf den etwa 1000 m hohen Grünberg am Traunſee, von wo ſich ein prächtiger Ausblick auf den See und die mit Neuſchnee bedeckten Bergrieſen bot. Der Pfingſt⸗ montag war dann ganz den Kundgebungen des V. D. A. gewidmet. 20000 Frauen und Männer, Mädchen und Knaben bekannten ſich auf der Sartorie⸗Wieſe zur deutſchen Kulturgemeinſchaft, die keine politiſchen Grenzen kennt. In dem Feſtzug war unſere Gruppe durch eine Wimpel-Abordnung vertreten. Im Anſchluß an die Tagung fuhr unſere Gruppe über Bad Iſchl und Salzburg nach Berchtesgaden, beſuchte den Königſee, ſtieg in das Salzbergwerk hinab und erklomm den 2000 m hohen Untersberg. Nachdem auch noch die Sehens⸗ würdigkeiten von Salzburg beſichtigt waren, wurde die Rückfahrt angetreten. Ein 6ſtündiger Aufenthalt in München erlaubte auch noch einen flüchtigen Blick in die Schönheit und Eigenart der bayriſchen Hauptſtadt. Am 2. Juni kamen die Teilnehmer wohlbehalten und erfüllt von unvergeßlichen Eindrücken wieder in Offenbach an.
Die Offenbacher Vereinigung der Freunde des humaniſtiſchen Gymnaſiums, die mit bemerkenswerter Regſamkeit für den gymnaſialen Bildungsgedanken in der Oefefentlichkeit eintritt, brachte durch Veranſtaltung von drei Vortragsabenden in unſerer Turnhalle zahlreichen Zuhörern Anregung und Genuß. Es ſprachen im Laufe des Winterhalbjahres Prof. Dr. Büchner⸗Darmſtadt über„Horaz als Reiſebegleiter in Italien“, Prof. Dr. Schrader⸗Frankfurta. M. über„Griechiſche und ägyptiſche Kunſt“. Ferner gab Frau Elli Freyer durch Vortrag der euripideiſchen„Medea“ einen Begriff von der auch heute noch packenden Wirkung antiker Dramen.
7. Zum Schluſſe unſeres Berichts ſtellen wir mit Dank feſt, daß das Heſſiſche Hochbauamt auch im vergangenen Schuljahr viel zur Erhaltung unſeres ſchönen Schulgebäudes getan hat. So erhielten das ganze Treppenhaus, die Gänge in den oberen Stockwerken und zwei Sammlungsräume einen neuen Anſtrich, und die dem Krieg zum Opfer gefallenen Meſſing⸗Verkleidungen der Heizkörper in der Turnhalle, im Sitzungs⸗ zimmer und im Direktorzimmer wurden durch neue erſetzt.


