Jahrgang 
1915
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ſeiner Wiederherſtellung wurde er zunächſt zum Garniſondienſt herangezogen. Profeſſor Schwarzſchild(Unteroffizier) war zuerſt längere Zeit zur Bewachung des Griesheimer Gefangenenlagers kommandiert, dann mit der Ausbildung von Rekruten beſchäftigt und befindet ſich gegenwärtig im Felde(Landſturm-Bat.). Lehramtsreferendar Dr. Dietz trat zuerſt als Kriegsfreiwilliger bei einem Artillerie-Regiment ein. Da er als felddienſt- untauglich wieder entlaſſen wurde, meldete er ſich zum Feld-Sanitätsdienſt. Er wurde angenommen und rückte nach kurzer Zeit ins Feld; gegenwärtig iſt er bei der 52. Rel.- Sanitäts-Komp. als Unteroffizier tätig. Unſer Pedell Stier, Artilleriſt, mußte ſich ſchon am 1. Mobilmachungstag in Darmnſtadt ſtellen und hat ſeither daſelbſt Dienſt getan.

Unſer Gymnaſialgebäude wurde während des Krieges zu mancherlei beſonderen Zwecken benutzt. Da das neue Oberrealſchulgebäude am Friedrichsplatz bei Kriegsaus- bruch in eine Kaſerne umgewandelt worden war und die alte Oberreallchule am Stadt- haus nicht genügend Raum bot, um alle Schüler der Schweſterſchule aufzunehmen, wurden die Vorfchulklaffen der Oberrealſchule im Gymnaſium untergebracht. Unſer naturgeſchichtlicher Unterrichtsſaal und der danebenliegende Sammlungsraum für Geographie wurden dem 10. Bezirk der Kriegsfürlorge abs Bureau, der Gang im Nordflügel den Unterſtützungsbedürftigen als Warteraum zur Verfügung geltellt. Unſer Zeichenlaal wurde bei der Weihnachtslammlung für die Familien der Krieger und für die durch den Krieg in MNot geratenen Familien und in der Reichswollwoche als Stapelplatz für die eingehenden Gaben benutzt. Bei beiden Sammlungen waren mehrere unſerer Schüler und Schülerinnen tätig.

Abk am 17. Novbr. 1914 unſere ſchlelfiſche Einquartierung hier eintraf, dienten Hof und Terraſſe des Gymnalſiums zur Aufſtellung der Mannſchaften, die Turnhalle und eine Schulklaſſe als Bureaus für die Verteilung der Mannſchaſten in die Quartiere und für die Ausfertigung der Quartierzettel. Auch am Tage des Abzugs 9. Dezember wurde ein Teil der Mannſchaften auf dem Gymnalialhofe zur Kontrolle verlammelt. Vom 21. November bis 8. Dezember beſuchten 31 fchlefifche Schüler, zumeiſt aus Beuthen und Königshütte, als Gaſtſchüler unſer Gymnaſium(la 1, lb 4, Ila 9, llb 11, IIla 4, IIlb 2).

Jugendwehr. Auf den Erlaß des Kriegsminiſteriums hin, die militäriſche Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zuſtandes betreffend, wurde Herbſt 1914 auch in Offen- bach eine Jugendwehr errichtet. Dieſer gehörten am Schluß des Schuljahres 37 Schüler unſerer Anſtalt an; 5 auswärtige Schüler traten der Wehr ihres Heimatortes bei. Geübt wurde an jedemn Samſtag ungefähr 4 Stunden. Außerdem fand alle 4 Wochen ein mit einer Gefechtsübung verbundener Marlch ſtatt. Etwa alle 3Wochen wurde der Wehr ein be- lehrender Vortrag gehalten. Seit Neujahr wurden an je einem Tage der Woche auch Ubungen im Bajonettieren und Schießen vorgenommen(Leiter: Prof. Schlottmann).

Die Schulfeiern des Berichtsjahres entſprachen dem Ernſt der Zeit. Sie waren ſlämtlich nicht öffentlich. Am 2. September hielten die Herren Klalfenführer An- ſprachen an ihre Schüler, die die erſten ſiegreichen Wochen unſerer Kriegführung zum Gegenſtande hatten. Zur Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde ein Schulaktus abgehalten. Der Direktor ſprach in längerer Rede über die tieferen Gründe und die ſetzten Veranlaffungen des Krieges, das wunderbare Schauſpiel der Mobiliſierung, die welthiſtoriſche Reichstagslitzung vom 4. Augult, die erhabene Geſchloffenheit des ganzen deutſchen Volkes, die zwar allenthalben in Stadt und Land, aber doch ganz beſonders in jener Reichstags- ſitzung zum Ausdruck kam, in der der Kaiſer ſagte:»lch kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutſche!« und bei deren Schluß der Reichskanzler ſagen konnte:»Was uns auch beſchieden ſein mag, der 4. Auguſt 1914 wird bis in alle Ewigkeit hinein einer der größten Tage Deutſchlands ſein«. Hieran ſchloß ſich die Schilderung der Kriegs- ereigniffe von Auguſt bis November auf dem weltlichen und öſtlichen und dem See-

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