Die auswärtigen, ſonſt mit der Eiſenbahn ankommenden Schüler mußten vom 3. Mobilmachungstage an bis auf weiteres beurlaubt werden, da ſie auf der Eiſenbahn zunächſt nicht befördert werden konnten.
Gleich vom 1. Schultage an wurde die Hilfe der Schüler bei der Verpflegung der durchkommenden Truppen-Transporte in Anſpruch genommen. Es ſtellten ſich ſo viele zu dieſem Dienſte, daß nach einigen Tagen die Verpflegungsleitung ſelbſt eine Ein- ſchränkung für notwendig erklärte. Wir ſandten in der Folge zu den uns angegebenen Zeiten ſoviel Schüler und Schülerinnen zum Bahnhof als jedesmal gewünſcht wurden. Viele Schüler der oberen Klaſſen leiſteten außerdem als freiwillige Radfahrer dem Roten Kreuz Botendienſt. Dieſer Dienſt wurde einige Monate lang fortgeſetzt.
Da viele ſtädtiſche Beamte in den erſten Kriegstagen eingezogen wurden, wurden einige Schüler der Oberprima zum Hilfsdienft bei der Bürgermeiſterei Offen- bach(Bureauarbeiten und Auskunftserteilung) beurlaubt.
MNachdem die Miniſterialverfügung betr. Motprüfungen an den höheren Schulen und den Volksſchullehrerſeminaren aus Anlaß der Mobilmachung(vom 3. Auguſt 1914) eingetroffen war, begannen die Notreifeprüfungen und Notprüfungen zur Erlangung der Oberprimareife für die militärpflichtigen und die jüngeren Schüler, die als Kriegsfrei- willige ins Heer eintreten oder ſich in den Dienſt des Roten Kreuzes ſtellen wollten.
Wir haben im ganzen 7 Notprüfungen am S., II., 12., 17.. 18., 19. Auguſt und am 10. November 1014 abgehalten; geprüft wurden im ganzen 25 Schüler. 3 Oberprimaner waren zum Dienſte im Heer verpflichtet und rückten ins Feld: Karl Zerbe(gegenwärtig als Unteroffizier bei der Kraftfahrtruppe des Marinekorps tätig), Karl König(luf.-Keg. 118), Georg Kurzſchenkel(Rel.-läger-Bat. 20) z. Z. verwundet. Ak Kriegsfreiwillige zogen aus: die Oberprimaner Guſtav Adolf Dittmar(lnf.-Reg. 36), Theodor Koch(Kranken- träger bei der Landw.-Sanitätskomp. 24), Albert Lehn(in militäriſcher Ausbildung und Verwendung in dem Reſ.-Lazarett in Friedberg), Karl Adolf Rüdiger(Reſ.-Inf.-Reg. 211), Karl Schenck(Fahnenjunker beim Art.-Reg. 63); ferner die Unterprimaner Richard Blickhäufer(lnf.-Reg. 168; er erkrankte im Felde und wurde ſpäter zur Dispolition der Erſatzbehörden entlaſſen und in die Reihe der Millitärpflichtigen zurückverſetzt), Ernſt Fleifchhauer(Inf.-Reg. 168, verwundet, z. Z. in der Heimat), Ernſt Keller(Vize- Feldwebel beim Pionier-Reg. 30), Hans Leilſt(nf.-Reg. 136), Wilhelm Schuſter(Rel.- Eiſenbahnbau-Komp. 20), Reinhard Brink(Fahnenjunker beim Feld-Artillerie-Keg. 52), Ludwig Oſtner(lnf.-Reg. 168): er ſtarb am I11. November 1914 bei einem Sturmangriff in der Gegend von Vpern den Heldentod für das Vaterland. Ehre leinem Andenken! Ferner die Oberſekundaner: Hugo Fried(Inf.-Reg. 80), Werner Haacke(zuerſt Train, dann Dragoner-Reg. 4), Otto Ruppel(lnf.-Reg. 80) und der Unterſekundaner Ludwig Krämer(Pionier-Reg. 16). Die Oberprimaner Wilhelm Glocke(lnf.-Reg. 168) und Philipp Huthmann(Feld-Art.-Reg. 63) erlitten noch während der Ausbildung Verletz- ungen; ſie wurden daher zur Dispolſition der Erſatzbehörden entlaſſen und in die Reihe der Militärpflichtigen zurückverſetzt. Als Militärkrankenpfleger tun Dienſte der Ober- primaner Wilh. Raufchkolb(Lazarett-Truppe der 9. Armee) und der Unterprimaner Waldemar Winther(Reſerve-Lazarett 2 in Gießen).— Einige Oberprimaner, die ſich auf Grund ihrer Zulaſfung zum Dienſte bei der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Notreifeprüfung unterzogen hatten, fanden im Sanitätsdienſt keine ausreichende Be- ſchäftigung und kehrten im Oktober 19014 in das Gymnaſium zurück.
Die landſturmpflichtigen Lehrer Profeſſor Schwarzſchild und Reallehrer Walther mußten ſich wiederholt in Darmſtadt ſtellen, ehe ſie endgültig einberufen wurden. Dies geſchah für Reallehrer Walther am 20. Auguſt, für Profeſſor Schwarzſchild am 10. Sep- tember. Erſterer kam nach kurzem Garniſondienſt nach Frankreich und verblieb im Felddienſt, bis er im Dezember 1914 durch einen Unfall einen Armbruch erlitt. Nach


