Jahrgang 
1915
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4. Prüfungen. Unter dem Vorſitz des zum Regierungskommiſſar ernannten unter- zeichneten Direktors fanden 7 Notprüfungen(ſ. unter 8) und am 19. Februar 1915 die Frühjahrs-Reifeprüfung ltatt.

5. Gefundheitspflege. Der Gelſundheitszuſtand unſerer Schüler war im abge- laufenen Schuljahr im allgemeinen gut. Schulſpaziergänge wurden am 15. Mai, I. Juli, I. Dezeinber 1914 und 5. Februar 1915 unternommen.

Der»Wanderfalke«, Offenbacher Vereinigung für Iugendwandern, unter der Leitung des Oberlehrers Fiſcher unternahm in dem verfloſſenen Jahr 8 Wanderungen und zwar 4 eintägige, I dreitägige, I zweitägige, I Nachtwanderung auf den Feldberg und 1 zehn- tägige. Die letztgenannte Wanderung führte die Wanderfalken in die Vogeſen, und in jetzt oft genannten Orten wie Markirch, Metzeral, Maasmünſter bezogen die Wander- falken achtquartier. Infolge des Ausbruchs des Krieges mußten die Wanderungen unterbrochen werden, finden aber ſeit März wieder regelmäfig ſtatt.

Wöchentlich 2 freiwillige Spielftunden wurden im 1. Vierteljahr gehalten; mit Ausbruch des Krieges fielen ſie aus, eine für obere Klaſſen wurde im November vom Lehramtsaſfeſſor Dr. Weber wieder aufgenommen(L. unter C). W9egen 2u großer Hitze mußte der Unterricht am 2. und 3. Juli, am I1. und 12. Nuguſt 1914 in der zulälſigen Zeit ausfallen. Zum Eislauf war in dieſem jJahr faſt gar keine Gelegenheit.

6. Todesfälle. Außer einem kriegsfreiwilligen braven Schüler, der den Heldentod für das Vaterland geſtorben iſt(. unter 8), iſt uns ein braver Unterſekundaner, Guſtav Wolfſchmidt, am 10. Dezember 1914 durch den Tod entriſſen worden. Der Direktor, ſeine Lehrer und viele Schüler gaben ihm das Geleite, der Klaſſenführer, der Leiter des Wanderfalken und ein Klaſſenkamerad widmeten ihm an ſeinem Grabe herzliche Worte des Abſchieds.

7. Schulfeiern ſiehe unter 8.

8. Der Krieg. Die Spannung und Aufregung, in der ſich während der letzten Juli- woche alle Welt befand und die ihren Höhepunkt mit dem Mobilmachungsbefehl er- reichte, teilte ſich naturgemäß auch unſerer Schule mit. Der 2. Mobilmachungstag war nach den vierwöchigen Juliferien unſer erſter Schultag. Wir verſammelten vor Beginn des Unterrichts die Schüler in der Turnhalle, der Direktor hielt eine kurze Anſprache, er wies auf die Bedeutung und den Ernſt der Stunde hin, in der wir uns diesmal zur Wiederaufnahme des Unterrichts zuſammengefunden, und ſchloß daran die Mahnung, Kaiſer und Reich Treue zu halten und dein Vaterlande durch ernſte Pflichterfüllung in und aufßter der Schule zu dienen. Feierlich und begeiſtert erklang das Hoch auf Kaiſer und Vaterland. Hoffnungsfreudig und doch ernſt war die Stimmung jenes erſten Kriegs- ſchultags, des 3. Auguſts. 2 Lehrer erwarteten ihre ſofortige Einberufung, 2 weitere un- gediente hatten ſich zwiſchen dem 8. und 12. Mobilmachungstag zu melden, I meldete ſich ſogleich als Kriegsfreiwilliger, 3 Schüler der Oberprima ſtanden im militärpflichtigen Alter und waren ihrer Einberufung gewärtig, in vielen jüngeren Schülern aber wogten und ſtürmten die Gedanken an den Krieg, und die Möglichkeit, als Kriegsfreiwilliger in das Heer einzutreten, wurde eifrigſt beſprochen. Daſt es in den erſten Tagen ſehr ſchwer, ja faſt unmöglich war, die Aufmerklamkeit der Schüler im Unterricht längere Zeit zu feſſeln, kann nicht Wunder nehmen. Manche und nicht nur Schüler und der Schule fernſtehende Erwachſene haben damals geglaubt, daßt in ſolchen Zeiten überhaupt keine Schule gehalten werden dürfe. Erſt nach etwa 14 Tagen trat mehr Ruhe ein.

Die Aufforderung des Armeekommandos an die Schüler der höheren Lehranſtalten, ſich für landwirtlchaftl. Arbeiten zur Verfügung zu ſtellen, wurde den Schülern am I. Schultag mitgeteilt; ſie hatte die Wirkung, dafßt ſich alsbald viele Schüler zu ſolcher Arbeit bereit erklärten. Angenommen wurden indes nachher nur ſolche, die vom Lande waren und in ihrer Heimat Hilfe leiſteten.

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