Jahrgang 
1915
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4. Zur Geſchichte der Auſtalt.

1. Perſonal-Angelegenheiten. Der Großh. Oberlehrer Profeſſor Steinmetz konnte im Schuljahr 1914/15 feinen Dienſt nicht wieder aufnehmen. Er wurde mit Wirkung vom 1.6. 1914 an auf ſeinblachfuchenunter Anerkennungleinerlangjährigen treuen Dienſte in den Ruheſtand verſetzt; aus dielem Anlaß wurde ihm die Krone zum Ritterkreuz I. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmütigen verliehen. Auch der ſeit Februar 1914 erkrankte Oberlehrer Vogel konnte zu Beginn des Schuljahres ſeinen Dienſt nicht an- treten. Ein Verſuch, den er am 8. Juni 1914 mit der UÜbernahme einiger Stunden machte, mußte am 17. Juni aufgegeben werden. Darnach verſchlimmerte lich ſein Zuſtand raſch, am 20. Auguſt 1914 ſtarb er im Alter von 34 Jahren. In Begleitung von 2 Vertretern des Kollegiums nahm der Direktor an der Beſtattung, die am 22. Augult in Gernsheim ſtatt- fand, teil und widmete demn ſo frühzeitig Dahingeſchiedenen einen Abſchiedsgruß. Er war uns allzeit ein treuer Kollege, gewiſſenhaft im Dienſt, lViebenswürdig im Umgang, von den Schülern geliebt und geehrt. Sein Andenken wird bei uns in Ehren gehalten werden. Durch Verf. vom 15. April 1014 wurde Lehranmtsaſſeſlor Erwin Berninger mit der Vertretung des Oberlehrers Vogel und ſpäter mit der Verwaltung der durch deſſen Tod erledigten Lehrerſtelle betraut, desgl. durch Verfügung vom 2. April 1914 Lehramtsaſſeſſor Franz Spang mit der weiteren Vertretung des Prof. Steinmetz. Am 1. Juni wurde dem Lehramtsaſſeſlor Spang die Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Oberrealſchule in Gieſten, dem Lehramtsaſſeſſor Dr. Franz Weber die Verwaltung der durch das Ausſcheiden des Prof. Steinmetz erledigten Lehrerſtelle an dem Gymnaſium zu Offenbach übertragen. Am 1. Nov. wurde dem Lehramtsaſſeſlor Dr. Adam Ruppelzur Vertretung militäriſch einberufener Lehrkräſte die Verwaltung einer Lehrerſtelle an unſerer Anſtalt übertragen (L. unter C). Durch Allerhöchſtes Dekret vom 26. Januar 1915 wurde der unter- zeichnete Direktor mit Wirkung vom 1. April 1915 zum Direktor des Neuen Gymnnaſiums zu Darmſtadt und gleichzeitig der Direktor des Gymnaſium Fridericianum zu Laubach, Dr. Hugo Müller, zum Direktor des Gymnaliums zu Offenbach ernannt.

2. Das Schuljahr begann am 20. April 1914 mit der Prüfung der neu eintretenden Schüler, der Unterricht begann am 21. April; das Schuljahr ſchlieſßtt am 27. März 1915.

3. Nichtverbindl. Unterricht. lm 1. Vierteljahr nahmen am freiwillig. Zeichnen (Reallehrer Walther) 20 Schüler teil; mit der Einberufung des Reallehrers Walther zum Heer mußte der Zeichenunterricht eingeſtellt werden(I. u. C). Am Stenographie- Unterricht(Syſtem Gabelsberger, Profeſſor Schwarzſchild) nahmen im 1. Vierteljahr 15 Schüler teil; dieler Unterricht mußte während des Krieges eingeſtellt werden, doch beſtanden das ganze Jahr hindurch zwei von Schülern geleitete Ubungskurſe.

Dem Schülerorchelter(Reallehrer Walther) gehörten 16 Schüler an(nach Ausbruch des Krieges aufgelöſt), 52 Schüler beteiligten lich an beſonderen mulfikaliſchen Veranftaltungen des Wanderfalken(Oberlehrer Fiſcher).

Das Wanderfalkenorchelter betätigte ſich fünfmal in den hieſigen Lazaretten, wirkte zweimal in muſik. Andachten, welche zum Beſten der Kriegsfürſorge in der Friedens- kirche abgehalten wurden, mit und veranſtaltete an Kaiſers Geburtstag in der Goethe- turnhalle ein Konzert zu Ehren der hieſigen Verwundeten, von denen etwa 400 an dieſer Veranſtaltung teilnahmen. Dieſes Konzert wurde am 50. Januar wiederholt zum Beſten von Liebesgaben unſerer Offenbacher Truppen im Felde und brachte den ſchönen Reinertrag von 236,40 Mk., die dem hieſigen Platzkommandanten zur Verfügung geſtellt wurden.

Knabenhandarbeitsunterricht(Tiſchler-, Papp- und Metallarbeiten, Oberlehrer Fiſcher) erhielten 33 Schüler; mit Ausbruch des Krieges verminderte lich die Zahl der Teilnehmer, der Kurſus für Metallarbeit hörte ganz auf, da die Teilnehmer faſt alle als Kriegsfreiwillige oder Kriegspflichtige ins Heer eintraten.