Jahrgang 
1900
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Klasse es sich ohne Prüfung bei mindestens genügenden Leistungen in allen Fächern zu erwerben. Die Realschüler können also von 1901 an gerade so früh wie die Gymnasiasten d. h. nach dem 9. Schuljahre in den Besitz des genannten Zeugnisses kommen.

Die Frage des Ausbaues der Realschule zu einer Oberrealschule, die von dem Stadt- verordneten Herrn Kommerzienrat Böhm schon 1896 aufgeworfen worden war, ist erfreulicher Weise ihrer Lösung näher gerückt. Die Grossh. Handelskammer war am 27. Oktober 1899 von neuem bei den städtischen Behörden in dieser Frage vorstellig geworden, und kurz nachher traten 3 von Hunderten von Unterschriften bedeckte Eingaben an die Regierung, die Stadtverwaltung und die unterzeichnete Direktion auf Anregung des Fabrikanten Herrn L. Becker u. a. für die gleiche Angelegenheit ein. Dank den Bemühungen aller beteiligten Faktoren, besonders auch der Lokalkommission, und dank dem Entgegenkommen der Staats- regierung und Stadtverordnetenversammlung wird Ostern 1900 mit der Errichtung der Unterprima vorgegangen werden. Wir wünschen von Herzen, dass der Ausbau der Real- schule zur weiteren Entwickelung der blühenden Offenbacher Industrie kräftig beitragen möge.

Stenographischer Unterricht wurde von Herrn Kessler einer grösseren Anzahl von Schülern erteilt.

3. Reifeprüfungen. Am 11. September fand unter dem Vorsitze des Unterzeichneten die Abschlussprüfung der Realschule und am 12. September die Reifeprütung am Gymnasium statt. Sämtliche unter III,b aufgeführten Abiturienten bestanden die Prüfungen.

Der am 5. März unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Oberschulrats NNodnagel vorge- nommenen Reifeprüfung und der am 21. März unter dem Vorsitze des Unterfertigten ab- gehaltenen Abschlussprüfung unterzogen sich die oben unter III,b angegebenen Abiturienten sämtlich mit Erfolg.

4. Schulfeiern. Am 28. August fand für die Schüler der oberen Klassen des Gymnasiums und der Realschule eine behördlich angeordnete Feier zum Gedächtnis Goethes statt, bei der Herr Gymnasiallehrer Altendorf über Goethes Bedeutung für das geistige Leben des deutschen Volkes sprach.

Am 2. September wurden die Schüler von ihren Klassenführern in geeigneter Weise auft die Bedeutung dieses Tages hingewiesen. Die geplanten Ausflüge konnten des Regen- wetters halber leider nicht ausgeführt werden.

Die Geburtsfeste I. K. Hoheiten des Grossherzogs und der Grossherzogin sowie S. M. des Kaisers wurden an den Vorabenden unter Teilnahme der Eltern unserer Schüler von der Realschule, bezw. dem Gymnasium und am Tage selbst im Rahmen der Schule von dem Gymnasium und der Vorschule, bezw. der Realschule und der Vorschule in gewohnter Weise festlich begangen. Die Festreden hielten bei den Feiern an dem Vorabend der Unterzeichnete, bezw. Herr Gymnasiallehrer Steinmetz, Vorträge am Festtage selbst, an die sich das Hoch des Direktors anschloss, der Oberprimaner Breidenbach, bezw. der Schüler der 1. Realklasse Nuding.

Beide Feiern fanden in unserer Purnhalle statt, die Herr Gymnasiallehrer Götz mit feinem Geschmack mit den lebensgrossen, künstlerisch ausgeführten Bildern des Grossh. Paares, bezw. der Kaiser Wilhelm I. und II., den Wappen der Stadt Oftfenbach, des Reiches und der grösseren deutschen Staaten u. s. w. unter Beihilfe des Herrn Kollegen Hamann geschmückt hatte. Der Pedell Herr Dieterich hatte hierbei Gelegenheit, seine grosse technische Geschicklichkeit an den Tag zu legen. Wir wollen nicht verfehlen, auch hier unsern herzlichsten Dank dafür auszusprechen.

Am 8. Januar wurde die angeordnete Feier der Jahrhundertwende abgehalten, bei der Herr Prof. Maul die Errungenschaften des abgelaufenen Jahrhunderts eingehend darlegte.

5. Gesundheitliches. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen günstig; nur erkrankte nach den Weihnachtsferien eine grössere Anzahl von Schülern namentl. der Vorschule an Masern. Dagegen liess die Gesundheit der Lehrer viel zu wünschen übrig und führte zu mannigfachen unliebsamen Störungen des Unterrichts. Abgesehen von den beiden unter l erwähnten Fällen waren 11 Herren, z. T. 3 Wochen lang, an der Ausübung

ihres Dienstes gehindert. Ihre Vertretung übernahmen die Kollegen mit der grössten Bereitwilligkeit.*.