Jahrgang 
1896
Einzelbild herunterladen

21

Gelegenheit und genügender Zeit Detailzeichnungen zur Anwendung kommen. Beſonders bei der Betrachtung von Mitteleuropa iſt dies notwendig, wobei, wie ſchon erwähnt, dieFauſtzeichnungen von Kaufmann und Maſer gute Dienſte leiſten. Da dieſes Penſum bei uns in Heſſen der Quinta bezw. der 5. Klaſſe der Realſchule zufällt, ſo bieten dieſe Zeichnungen zugleich eine gute Vorſchule für das Penſum der Quarta und 4. Klaſſe(die übrigen Länder Europas), das an die zeichneriſche Fähigkeit ſchon ungleich größere Anſprüche ſtellt. Es wird ſich deshalb auch empfehlen, von dieſen Ländern zunächſt nur diejenigen zeichnen zu laſſen, die für die Configuration Europas von beſonderer Wichtigkeit ſind, alſo die Halbinſeln, Frankreich und England. Sollte die zur Verfügung ſtehende Zeit noch die Darſtellung der übrigen Länder Europas geſtatten, ſo wird es vielleicht möglich ſein, auch dieſen complicierteſten Erdteil zu zeichnen. Doch dürfte es vorzuziehen ſein, dieſe Zeichnung der Tertia bezw. 3. Klaſſe vorzubehalten, um ſie eventuell mit der von Aſien zu verbinden, was mit dem Penſum dieſer Klaſſe(die außereuropäiſchen Erdteile) inſofern nicht in Widerſpruch ſteht, als Europa ja thatſächlich als eine Halbinſel Aſiens angeſehen werden kann.

Bei der Herſtellung der Skizze verfahre ich in der Weiſe, daß ich eine durch 2 möglichſt bedeutungsvolle Punkte gehende Strecke als Grundlinie auswähle(in den Figuren mit ab bezeichnet). Ihre Richtung lege ich, wo irgend angängig, in eine Haupthimmelsrichtung(Nr. 2, 4, 6, 7, 10, 13) oder, wo⸗ dies nicht möglich, wende ich rechtwinklige Hilfsdreiecke an, deren Katheten den Rändern des Blattes parallel ſind, und bei denen je 2 Seiten in einem durch möglichſt kleine Zahlen ausdrückbaren Ver⸗ hältnis ſtehen(Nr. 5, 11, 12). Die zur Conſtruction der Hilfsfigur außer der Grundlinie nötigen Strecken und Radien der Kreisbogen ſind Teile der Grundlinie, die ſich durch möglichſt kleine Zahlen ausdrücken laſſen. In der Reihenfolge, in der dieſe Strecken zur Verwendung kommen, ſind ſie mit Angabe der Teile neben jeder Figur verzeichnet, ſo daß dieſe Notizen zur Erläuterung der Conſtruc⸗ tionen ausreichen werden. Nur möge noch beigefügt werden, daß die den Umriß beſtimmenden Hilfs⸗ linien, um ſie deutlicher hervorzuheben ausgezogen, die noch etwa außerdem nötigen Hilfslinien geſtrichelt ſind. Die Teilpunkte ſind auf den Hilfslinien markiert; nach Bedürfnis wurden noch weitere beigefügt, um dadurch bequeme Anhaltspunkte für das Zeichnen des Umriſſes zu erhalten und auch deshalb, um die Richtung der Flußläufe durch ſie feſtzulegen(ſtrichpunktierte Linien). Durch die Flußläufe iſt dann meiſt auch die Richtung der Gebirge beſtimmt. Mit Rückſicht auf die Raſch heit der Ausführung iſt für deutlich ausgeſprochene Gebirgszüge der einfache Strich, für Bergländer dagegen ſind die auswärts geſchwungenen Bogen des Debes'ſchen Zeichenatlas gewählt worden, weil Striche in dieſem Fall allzuſehr den Eindruck von Gebirgsketten machen würden. Ich halte dieſe Darſtellung der Gebirge für völlig ausreichend, da die Betrachtung der Atlas- und Wandkarte und vor allem das Zeichnen von Profilen einen ausreichenden Erſatz für andere zeitraubendere Dar⸗ ſtellungen bieten.

Die richtige Vorſtellung der Längenausdehnung wird durch die Größe der Grundlinie ver⸗ mittelt, deren Länge, in Kilometern ausgedrückt, auf der Karte gemeſſen wurde. Es ſind dabei, wie bei Beſprechung der Matzat'ſchen Methode erwähnt, Entfernungen des Heimatortes von wichtigeren Orten des engeren oder weiteren Vaterlands zum Vergleich herbeizuziehen. Der Maßſtab für die Zeichnung kann nun ſo gewählt werden, daß 1 cm der Zeichnung einer gewiſſen runden Zahl von Kilometern entſpricht. Drückt man für eine gewiſſe Gruppe von Ländern, z. B. für die europäiſchen, gleich viel Kilometer durch l cm aus, ſo können die gezeichneten Länder beſſer ihrer Größe nach mit einander verglichen werden, als dies bei den Schulkarten der Fall iſt, wo ſehr verſchiedene Maßſtäbe zur Verwendung kommen. Es iſt bei der Wahl des Maßſtabes durchaus nicht nötig und im Intereſſe der Selbſtändigkeit der Schüler auch nicht zu empfehlen, daß alle gleich viel