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Eine der älteſten Methoden iſt die conſtruktive, die aber trotz ihrer Empfehlung durch Ritter keinen rechten Anklang fand. Der Grund dafür dürfte wohl darin zu ſuchen ſein, daß viele Vertreter dieſer Methode ein zu kompliciertes Syſtem von Hilfslinien anwandten. Der Vorwurf, daß durch das Einprägen dieſer Hilfslinien das Gedächtnis erſt recht belaſtet werde, iſt dann aller— dings gerechtfertigt. Ich bin aber der Ueberzeugung, daß, falls ein hinreichend einfaches und den Umriß möglichſt charakteriſierendes Syſtem von Hilfslinien angewandt wird, dieſe Methode das geo— graphiſche Zeichnen am meiſten erleichtert, weil ſie die einzige iſt, welche lehrt, die Form eines Erdraums als Ganzes zu erfaſſen. Von mehreren der übrigen Methoden und beſonders der Kirch⸗ hoff'ſchen wird als Vorzug bezeichnet, daß ſie überall gleichmäßig anwendbar ſei. Aber gerade dieſe Gleichmäßigkeit iſt meinem Dafürhalten nach der Grund, weshalb die einem Erdraum charakteriſtiſche Geſtalt ſich weniger leicht einprägt. Wenn der Schüler unter Anleitung des Lehrers ſelbſtthätig Hilfslinien, die der Form des Erdraums angepaßt ſind, aufgeſucht und gezeichnet hat, ſo wird ſie in ſeinem Gedächtnis ungleich beſſer haften, als wenn er jedesmal ſich eines Syſtems von Linien zu bedienen hat, die ſich von einander nur durch die zu ihrer Benennung dienenden Zahlen unter— ſcheiden, wie dies doch beim Gradnetz der Fall iſt. In dieſem Fall muß die Form mit Hilfe von Zahlen eingeprägt werden, in jenem haftet die Form unmittelbar im Gedächtnis.
Einer der Vorwürfe, die der conſtructiven Methode gemacht werden, iſt der, daß den nach ihr hergeſtellten Skizzen jede Beziehung zum Erdganzen fehle, was durch das Zeichnen nach dem Gradnetz vermieden werde. Dieſem Vorwurf läßt ſich nun entgegenhalten, daß für die Feſtlegung gegenüber dem Erdganzen die Wand- und Atlaskarte, ſowie der Globus da ſind, die dieſe Beziehung in der vollkommenſten Weiſe zum Ausdruck bringen. Außerdem ſollen die Schülerſkizzen doch nur das enthalten, was die Schüler wirklich wiſſen müſſen, und wenn man die Einprägung der Grad⸗ zahlen für eine Ueberlaſtung des Gedächtniſſes hält, ſo brauchen auch keine Gradlinien auf der Skizze zu ſein. Doch ſoll nicht geläugnet werden, daß es in manchen Fällen für die richtige Vor— ſtellung der Himmelsrichtungen und für die Klarſtellung der klimatiſchen Verhältniſſe wünſchenswert iſt, wenigſtens einige Gradlinien in der Skizze zu haben. Dann ſteht aber nichts im Wege, daß man je nach Bedürfnis einige der wichtigſten Gradlinien, ſoweit ſolche nicht ſchon zur Conſtruction herangezogen wurden(Nr. 2, 4, 6, 7, 10, 16), nachträglich einzeichnet, wie dies bei einigen Skizzen angedeutet iſt(Nr. 10, 11, 15, 17) Bei der Frage darnach, was gezeichnet werden ſoll, entſcheide ich mich im allgemeinen für die Geſamtdarſtellungen und Umriſſe,„denn die großen und haupt— ſächlichen Züge des Ganzen mit Hilfe des Zeichnens in möglichſter Klarheit in der Seele des Schülers feſtzulegen, das muß doch unbedingt hier das Erſte und Wichtigſte ſein. Sie geben das unerläßliche feſte Gerüſt, ohne das auch alles mehr ins einzelne gehende Wiſſen über die betreffen— den Gebiete der allein ſicheren Grundlage und des feſten klar geordneten Zuſammenhangs entbehren würde.*)“ Auch aus einem rein äußerlichen Grunde ziehe ich die Umriſſe den Einzeldarſtellungen vor. Will man die Hauptrichtung eines Fluſſes nicht nur nach dem Augenmaß angeben, ſo ſind zu ihrer Feſtlegung beſondere Hilfslinien nötig, was aber nach vorhergegangener Zeichnung des Um⸗ riſſes überflüſſig iſt, da hierfür der Umriß ſelbſt und die zu ſeiner Herſtellung benutzten Hilfslinien gewöhnlich bequeme Anhaltspunkte darbieten(Nr. 2, 3, 5, 6)..
Dem Grundſatz, daß man vom leichteren zum Schwereren fortſchreitet, entſpricht es, daß man bei Erdräumen, die eine ausgeſprochene Gliederung zeigen, wie Aſien, dieſe Glieder erſt zeichnet und die Geſamtdarſtellung dann folgen läßt. Auch iſt natürlich nicht ausgeſchloſſen, daß bei geeigneter
*) Lehmann, das Kartenzeichnen im geographiſchen Unterricht. Seite 174.


