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der dem Zeichnen zur Verfügung ſtehenden Zeit hinweg. In manchen Fällen hat aber die Zeichnung des Netzes ſelbſt doch auch ihre Schwierigkeit. Bei den Erdteilen Europa, Aſien und Nordamerika, wo die Meridiane von niederen Breitegraden bis in die höheren reichen, werden jene in der Oſt— Weſtrichtung ſo zuſammengedrückt, daß Lehmann in der„Anleitung zum Gebrauch der Debes'ſchen Zeichenatlanten“)(in denen die Kirchhoff'ſchen Ideen zur Ausführung gekommen ſind) den Rat geben muß:„Man nehme daher auf jenen 3 Karten auf dem nördlichen Grenzparallelkreis den Ab⸗ ſtand der Meridiane ein Stück größer, als derſelbe der Berechnung nach dort ausfallen würde.“ Wozu die Berechnung, wenn nachher die berechnete Entfernung nicht benutzt werden ſoll, und wie groß ſoll das„Stück“ ſein? Dieſe Willkür erſcheint mir doch für die Praxis recht bedenklich, und zwar um ſo mehr, wenn den Schülern kein beſtimmter Maßſtab vorgeſchrieben wird.
Schwerwiegender iſt der Vorwurf, der dem Kirchhoff'ſchen Verfahren gemacht worden iſt, daß das Netzzeichnen zu leicht zu einem mechaniſchen Ausfüllen der Vierecke wird, wobei die Auf— faſſung der Form als Ganzes not leidet. Dazu kommt dann, daß doch nicht zu umgehen iſt, daß für eine gewiſſe Zahl von Punkten die Gradzahlen dem Gedächtnis einzuprägen ſind, da ohne deren Kenntnis eine Benutzung des Netzes nicht denkbar iſt. An die Schüler dieſe Zumutung zu ſtellen, kann ich mich in Anbetracht der anderweitig in der Geographie an das Gedächtnis der Schüler zu ſtellenden Anforderungen nicht entſchließen. Auch das widerſtrebt mir, den Schülern neben dem Atlas noch die erwähnten Zeichenatlanten zur Erleichterung des Zeichnens in die Hand zu geben, da dann die doppelte Gefahr vorliegt, daß die Skizze einfach copiert wird, und daß der Atlas aus der ihm gebührenden Stellung, nämlich der Mittelpunkt des geographiſchen Unterrichts zu ſein, herausgedrängt wird.
Eine von der Methode des Netzzeichnens ſcheinbar ganz verſchiedene iſt die von Matzat,**) bei der um einen geeigneten Punkt als Centrum ſog. Kilometerkreiſe geſchlagen werden, deren Radien eine gleichmäßig zunehmende runde Zahl von Kilometern vorſtellen. Die Entwerfung der Skizze ſtützt ſich auf Punkte, die auf dieſen Kreiſen oder in deren unmittelbarer Nähe liegen. Für nicht weit vom Centrum entfernte Punkte genügt es, nach dem Augenmaß abzuſchätzen, in welcher Himmelsrichtung ſie, von dem Centrum aus geſehen, liegen. Dagegen fällt das Feſtlegen der ent— fernten Stützpunkte bei bloſem Abſchätzen nach dem Augenmaß allzu unſicher aus, um auf ihre Lage diejenige anderer geographiſcher Objekte beziehen zu können. Um dieſem Uebelſtande abzuhelfen, wäre die Aufzeichnung einer z. B. 16teiligen Windroſe erforderlich; dadurch erhalten wir aber eine Anzahl von Feldern, die ſich von den gradlinigen Kirchhoff'ſchen Netzfeldern nur dadurch unterſcheiden, daß ſie auf 2 Seiten von Bogen begrenzt ſind. Die für das Zeichnen in jene Felder angeführten Nachteile würden alſo auch hier gelten, aber dabei würde der durch das geradlinige Netz erzielte Vorteil, daß die Lage zum Erdganzen feſt gelegt wird, wegfallen. Weiter iſt zu beachten, daß, ſo nützlich es auch iſt, für wichtige Orte ihre Entfernung vom Heimatorte durch Kilometerkreiſe anſchaulich darzuſtellen, es doch wohl unſern Schülern an Intereſſe daran mangeln dürfte, wie weit z. B. die wichtigeren Orte Nordamerikas von St. Louis entfernt ſind. Wenn ich mich demnach nicht für die Herſtellung der Skizzen nach der Matzat'ſchen Methode ausſprechen kann, ſo möchte ich aber befürworten, ſie in der Art anzuwenden, daß man ſie auf einer, durch irgend ein anderes Verfahren hergeſtellten Skizze des engeren oder weiteren Vaterlands mit dem Heimatsort(oder auch einem andern benach— barten größeren Ort) als Mittelpunkt aufträgt, um ſo die Entfernung wichtiger Objekte dem Auge recht deutlich vorzuführen und bei geeigneter Gelegenheit zur Vergleichung herbeiziehen zu können.
*) Leipzig, H. Wagner u. Debes 1888. **) Methode des geographiſchen Unterrichts von H. Matzat. Berlin, Verlag von Paul Parey.


