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das gezeichnet wird, was dem Gedächtnis ſich dauernd einprägen ſoll. Dann muß aber auch das Verfahren, welches beim Zeichnen eingeſchlagen wird, ſo einfach ſein, daß zur Herſtellung einer Skizze eine möglichſt kurz bemeſſene Zeit erforderlich iſt, und daß nur Hilfsmittel benutzt werden, die dem Schüler jederzeit zugänglich ſind. In Folgendem ſoll nun in kurzen Zügen betrachtet werden, in wieweit die mir bekannt gewordenen Verfahren dieſen Forderungen entſprechen.
In hohem Maße iſt dies der Fall in dem IJ. Heft der„Geographiſchen Fauſtzeichnungen“ von Kaufmann und Maſer.*) In demſelben werden aus den Ländern Mitteleuropas einzelne Abſchnitte herausgehoben, deren Gebirgs- und Flußſyſteme einfache und typiſche Bilder liefern. Dieſe Bilder beſitzen auch den großen Vorzug, daß ſie leicht der jeweiligen zeichneriſchen Fertigkeit der Klaſſe angepaßt werden können. Die Herſtellung von Skizzen, wie„Umriß des Alpenlandes, das Schweizer Viereck, das Fichtelgebirge als Centrum von 4 Gebirgen und 4 Flüſſen, das Sächſiſche Viereck, die Münſter'ſche Bucht“ u. ſ. w. können nicht warm genug empfohlen werden. In den im II. Heft enthaltenen, für die übrigen Länder Europas und die fremden Erdteile beſtimmten Skizzen ſind meines Erachtens dem Auge für das Nachzeichnen zu wenig Anhaltspunkte gegeben. Bei einer Anzahl derſelben ſind gekrümmte Netzlinien benutzt, die aber in der Herſtellung zu ſchwierig, oder wenn ſie aus freier Hand gezogen werden, zu ungenau ſind.
Die Methode der„Normalen“, wie ſie unter Anderen von Lindemann**) angewandt wird, beſteht darin, daß die Lage einer Anzahl Punkte des Umriſſes durch Strecken beſtimmt werden, die auf einer Graden ſenkrecht ſtehen und von der ſie ein Vielfaches ſind. Das Verfahren läßt es an der wünſchenswerthen Sicherheit in der Herſtellung der Umriſſe fehlen, da die Anzahl der Stütz⸗ punkte öfters zu klein iſt, oder ſie an Stellen liegen, die mit dem Umriß nicht zuſammenfallen. Ferner dürfte die gedächtnismäßige Einprägung der Hilfslinien ſchwierig ſein, da gar nicht zu ver— meiden iſt, daß Stützpunkte herbeigezogen werden, die an und für ſich ganz belanglos ſind. Wenn ſomit gegen die Anwendung der reinen Normalen⸗Methode Bedenken geäußert werden müſſen, ſo leiſtet dagegen eine Combination dieſer Methode mit der conſtructiven in manchen Fällen gute Dienſte. Eine ſolche Combination iſt in den beigegebenen Skizzen angewandt worden bei der von Italien (Nr. 4) und von Skandinavien(Nr. 9).
Umlauft**r) wendet das unvollſtändige Gradnetz an: er zeichnet den der Mitte des darzu⸗ ſtellenden Gebiets am nächſten liegenden Meridian(einmal bezogen auf Greenwich, ein andermal auf Ferro!) und Parallelkreis und legt auf ihnen Punkte feſt, indem er deren Entfernung vom Schnittpunkt der beiden Gradlinien in Centimetern angiebt. Wenn bei dieſem Verfahren auch auf eine ſehr einfache Weiſe die Lage des ſkizzierten Gebiets zum Erdganzen fixiert iſt, ſo gelten doch auch hier im weſentlichen dieſelben Bedenken wie bei der„Normalen-Methode“.
Ein vollſtändiges und zwar gradliniges Netz der Meridiane und Parallelkreiſe legt Kirch⸗ hoff zu Grunde. Unverkennbare Vorteile dieſes Verfahrens beſtehen darin, daß es überall gleich⸗ mäßig anwendbar iſt, hinreichend viele Anhaltspunkte für das Zeichnen liefert und daß man aus der Skizze ſofort erkennen kann, wo das betreffende Gebiet liegt. So ſehr nun aber auch die Her⸗ ſtellung des Netzes durch Einführung der geraden, an Stelle der gekrümmten Netzlinien erleichtert wird, ſo nimmt ſie aber doch, wenigſtens nach meiner Erfahrung, einen nicht unbeträchtlichen Teil
*) Geographiſche Fauſtzeichnungen als Grundlage für einen methodiſchen Unterricht in der Geographie von Dr. G. Kaufmann und Dr. G. Maſer. Straßburg, R. Schultz u. Comp. Verlag.
**) Hilfslinien für das Kartenzeichnen von R. Lindemann. Dresden, Verlag von A. Huhle.
***) Kartenſkizzen für die Schulpraxis von Dr. F. Umlauft. Wien, Verlag von Ed. Hölzel 1882


