Jahrgang 
1896
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Beitrag zum geographiſchen Kartenzeichnen in der Schule.

Der geographiſche Unterricht iſt in der vorteilhaften Lage, in den ſich immer mehr vervollkommnen⸗ den Schulatlanten und Schulwandkarten Anſchauungsmittel zu beſitzen, welche die Aufgabe des Lehrers, die Schüler in das Kartenverſtändnis einzuführen und ihm eine Vorſtellung von der phyſiſchen Be⸗ ſchaffenheit der zu betrachtenden Länder zu geben, weſentlich erleichtern. Aber auch die vollkommenſten Anſchauungsmittel, die dem Schüler als etwas Fertiges dargeboten werden, vermögen nicht eine unter ſeiner Mitwirkung entſtandene Tafel- und noch weniger eine von ihm ſelbſt, wenn auch recht unvollkommen entworfene Skizze zu erſetzen. Denn ſchon die durch das Zeichnen in die ſonſtige Lehrform gebrachte Abwechslung iſt geeignet, ſein Intereſſe an dem Gegenſtand zu erhöhen. Wendet man ein Verfahren an, bei dem jedes mechaniſche Nachzeichnen vermieden, dagegen die Selbſt⸗ thätigkeit der Schüler möglichſt angeregt wird, ſo iſt dies der Erweckung des Intereſſes noch förderlicher.

Aber auch die dem Kartenverſtändnis ſelbſt aus dem Zeichnen erwachſenden Vorteile dürften für dasſelbe ſprechen. Zunächſt wird durch das Zeichnen eine viel ſicherere Raumvorſtellung der behandelten Ländergebiete vermittelt, als durch bloſes Anſchauen. Vor allem aber wird die Vorſtellung der Kartenelemente dadurch eine klarere, daß ſie der Reihe nach iſoliert dem Schüler vorgeführt werden, während auf der fertigen Karte Umriß, Gebirge, Flüſſe, Städte als ein Ganzes ihm auf einmal entgegentreten. Dadurch, daß die geographiſchen Objekte einer Art der Reihe nach mit den bereits gezeichneten in Beziehung geſetzt werden, wird aber auch die gedächtnismäßige Aneignung des Lernſtoffes in der wirkſamſten Weiſe unterſtützt. Da mit der Herſtellung einer Kartenſkizze ſtets das Kartenleſen und die Betrachtung der Tafelſkizze verbunden iſt, ſo vereinigen ſich die ver⸗ ſchiedenſten geiſtigen und körperlichen Fähigkeiten: Das Sehen, der ſprachliche Ausdruck und die Handfertigkeit, um dem Schüler die Einprägung der Topographie, die doch das greifbare Reſultat des geographiſchen Unterrichts ſein ſoll, weſentlich zu erleichtern.

Auch die Repetitionen, die in der Geographie ganz beſonders wichtig ſind, laſſen ſich wohl kaum in intenſiverer und dabei doch nicht viel Zeit in Anſpruch nehmender Weiſe ausführen, als durch erneuerte Betrachtung, bezw. Wiederanfertigung einer früheren Skizze. Soll an ihre Stelle eine Wiederholung nach dem Lehrbuch und Atlas treten, ſo iſt die Gefahr nicht ausgeſchloſſen, daß ſie entweder die dem Geographieunterricht zugemeſſene häusliche Arbeitszeit über Gebühr in Anſpruch nimmt, oder daß ſie auf Koſten der Gründlichkeit geſchieht.

Als weiterer Grund, der für das Kartenzeichnen ſpricht, kann ſchließlich noch der angeführt werden, daß es kaum ein ſichereres Mittel für den Lehrer gibt, ſich von demSitzen des Lernſtoffs zu überzeugen, als die nach der Durchnahme eines Erdgebiets aus der Erinnerung anzufertigende Kartenſkizze.

Eigentlich der einzige ſtichhaltige Grund, der gegen das Kartenzeichnen geltend gemacht wird, iſt der, daß es zuviel von der dem Geographieunterricht ohnehin kurz bemeſſenen Zeit weg⸗ nehme. Um dieſem Vorwurf zu begegnen, muß vor allem als Grundſatz aufgeſtellt werden, daß nur