— 11—
nehmen, nur dann ist Hoffnung vorhanden, daß dem Uebel gesteuert werden kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern wie auch den Schülern und Schülerinnen selbst mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen diejenigen Bücher angeben, die sich für die Altersstufe und für ihre geistige Entwicklung eignen. Zu diesem Zweck werden es sich die Lehrer und Lehrerinnen gern angelegen sein lassen, sich über die in Betracht kommende Jugendliteratur fortlaufend zu unter- richten. Das in dem Weidmann'schen Verlage zu Berlin erschienene Buch des Direktors Dr. F. Johannesson „Was sollen unsere Jungen lesen?“ wird den Schülern und auch den Schülerinnen wie deren Eltern als zuverlässiger Wegweiser dabei dienen können.
Verf. des Königl. Pro. Schulkollegiums vom 9. Januar 1913 übersendet die Ferienordnung für das Schuljahr 1913(s. Abschnitt VII). Desgleichen vom 17. Januar 1913.
Ein Exemplar des vom Deutschen Flottenverein herausgegebenen„Marine-Albums“ wird über- sandt mit dem Auftrag es einem besonders guten Schüler zu verleihen(Prämie Seiner Majestät des Kaisers und Königs).
III. Geschichte der Schule.
Der Unterricht begann am 15. April 1912 mit der Aufnahmeprüfung der neu angemeldeten Schüler. An diesem Termin verließ wiss. Hilfslehrer K. Weis Oberursel. In das Lehrerkollegium traten neu ein die Oberlehrer Dr. Schaefer*) von der Oberrealschule in Königsberg i. P. und Dr. Jilke**) vom Realgymnasium in Gießen. Pfarrer Friton übernahm ganz den katholischen Religionsunterricht. Von Ostern bis zum 4. Juni machte Oberlehrer Wicke eine militärische Uebung; da ein Vertreter nicht zu bekommen war, mußte das Lehrerkollegium die Vertretung übernehmen. Der Unterricht wurde nur an einzelnen Tagen durch Krankheit einiger Lehrer gestört. Der Gesundheitszustand der Schüler war gut. Am 17. September unternahm Herr Zeichenlehrer Henkel mit den Tertianern einen Skizzierausflug nach Gelnhausen. Am 1. Juni sowie am 5 Juli revidierte Herr Geh. Regierungs- und Provinzialschulrat Dr. Kaiser die Anstalt; am 1. Juni hielt er eine Konferenz ab, in der die Stunden eingehend besprochen wurden. Der Vaterländischen Gedenktage wurde in den einzelnen Klassen gedacht, am Sedan- tage wurde eine innere Schulfeier gehalten, bei der der Unterzeichnete die Ansprache hielt. Am Nachmittag des letzten Schultages vor Weihnachten fand in der Turnhalle eine Weih- nachtsfeier statt, bei der wir eine recht ansehnliche Zahl von Besuchern begrüßen durften. Kaisers Geburtstag wurde wiederum zusammen mit der Höheren Mädchenschule und der Volksschule gefeiert; Rektor Kexel hielt die Festrede, in der er der großen Zeit vor 100 Jahren gedachte. Vor der Feier überreichte der Unterzeichnete dem Obertertianer Fr. Pfeiffer das„Marine-Album“ als Prämie S. M. des Kaisers.
Am 4. November 1912 waren es 50 Jahre, seitdem die alte nassauische Realschule, aus der unsere Anstalt hervorgegangen ist, ins Leben trat. Das Andenken an diesen Tag sollte mit der Eröffnung des neuen Schulgebäudes zusammen gefeiert werden. Schon im Sommer haben sich frühere Schüler der Realschule zu einem Vereine zusammengeschlossen, um die Interessen
*) Dr. August Schaefer, geb. am 23. September 1882, bestand die Reifeprüfung an der städt. Oberreal- schnle zu Cassel. Er studierte neuere Sprachen an den Universitäten München, Berlin und Marburg. Am 18. Dez. 1907 wurde er von der philos. Fakultät der Universität Marburg zum Dr. phil. promoviert. Am 10. März 1908 be- stand er in Marburg vor der Kgl. Prüfungskommission die Turnlehrerprüfung und am 24. Juli 1909 ebenda vor der Wissenschaftl. Prüfungskommission das Staatsexamen. Im Seminar- und Probejahr war er an der Kgl. Oberreal- schule auf der Burg zu Königsberg i. Pr. beschäftigt und bis Ostern 1912 an derselben Schule als wissenschaft- licher Hilfslehrer tätig.
e) Dr. phil. Theodor Jilke ist geboren am 9. Januar 1878 zu Mainz-Mombach, besuchte die Gymnasien zu Prankfurt a. M. und zu Bensheim a. d. B., wo er 1897 die Reifeprüfung bestand; studierte zu Göttingen und Marburg Chemie und Naturwissenschaft, promovierte 1903 zu Marburg zum Dr. phil., war 4 Jahre lang als Betriebsleiter in der chem. Industrie tätig, wandte sich dann dem Lehrfach zu und legte an der Universität Gießen das Lehramtsexamen ab; erledigte seinen Vorbereitungsdienst am Gymnasium und der Oberrealschule zu Gießen, war dann als Lehramtsassessor an letzterer Anstalt beschäftigt, wurde 1911 zum Oberlehrer für Oberursel gewählt und durch Ministerialerlaß in den preußischen Schuldienst übernommen. Er ist seit Ostern 1912 an unserer Anstalt tätig.


