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Münze umsetzen können, dass sie das alles für ihren Beruf nötig haben oder verwerten könuen? Nein, nio und nimmer, das wäre krasser Utilitarismus, da hätten unsere Gegner recht, wenn sie uns dies Nützlichkeitsprincip zum Vorwurf machten. Wir treiben Rechnen und Mathematik nicht, damit der zukünftige Kaufmann seine Be- rechnungen anstellen kann. Wir treiben die neueren Sprachen nicht, damit unsere Schüler imstande sind, in tadellosem Französisch oder Englisch sich über das Wetter oder die neuesten Sportereignisse zu unterhalten oder sich ein Beefsteak mit Bratkartoffaln zu bestellen. Das auch zu erreichen, d. h. eine gewisse Fertigkeit und Geläufigkeit in der Umgangssprache, das ist auch ein erstrebenswerter Zweck, aber nicht der hauptsäch- lichsre, unser Ziel geht höher. Wir wollen den Geist bilden, ihn befähigen, richtig zu denken, wir wollen Interesse wecken für die Aufgaben der Gegenwart, wir wollen diese Gegenwart verstehen lehren. Wir wollen in den neueren Sprachen, wenn ich dabei einen Angenblick verweilen darf, da sie mir am nächsten liegen, wir wollen in den neueren Sprachen unsere Schüler vertraut machen mit dem Leben und den Eigenarten der beiden andern Weltmächte Westeur pas, in den mittleren Klassen oberflächlicher und mehr mit äusseren Verhältnissen, in den oberen tiefer eingehen in ihr Geistesleben, auf ihre Mitarbeit an der Kultur der Gegenwart; wir wollen sie ver- stehen lehren, ihr Leben mit dem unseren vergleichen und daraus Nutzen für uns selbst ziehen. Und hat dieses Verstehen des fremden Volkes nicht noch ein höheres Ziel? arbeiten wir nicht dadurch mit an der Anbahnung freundschaftlicher Verhältnisse der Völker, an der Erhaltung des Friedens. Damit ist auch dem andern Vorwurf begegnet, der uns gemacht wird, wir erzögen junge Engländer und Franzosen. Nein, zu wahren deutschen Männern wollen wir unsere Schüler heraubilden, das Verständnis des fremden Volkes erhöht die Befähigung, unser eigenes zu verstehen. Französische und englische Lektüre bietet Stoff genug, die dazu herausfordern, Fragen aus dem Staatsleben zu erörtern, die jugendlichen Geister zu bilden und zu klären. Wir haben mehr Stunden Deutsch, Geschichte und Erdkunde als auf dem Gymnasium, ein hochwichtiger Vorteil, der uns erlaubt, tiefer in die Schätze unserer Literatur einzuführen, mehr Zeit der Kunst zu widmen; der uns auch erlaubt, die Scküler mit den un- vergünglichen Werken der Anrike bekannt zu machen, wenigstens so weit, wie sie nötig sind zum Verständnis unserer eigenen Kultur. Vorzügliche Uebersetzungen, ausgezeichnete andere Hilfsmittel setzen uns dazu in den Stand. Wenn es uns bei alldem gelingt, unsere Schüler zu entlassen mit dem Verlangen, mehr zu bekommen von dem, wovon sie nur einen Vorgeschmack bekommen haben, wenn wir sie, wie Cauer einmal sagt, hungrig ent- lassen, nicht satt und zugleich mit dem Bewusstsein. der Mensch lebt nicht vom Brod allein, dann haben wir genug getan an ihrer intellektuellen Bildung. Doch diese ist es nicht allein, die den Mann ausmacht.
Wir wollen keine gelehrten Stubenhocker heranbilden, müde und abgearbeitete junge Menschen. Nein, die körperliche Ausbildung darf nicht zu kurz kommen. Turnen und Spielen, Wandern und vernünftiger Sport sollen den Körper stählen und kräftigen für die Aufgaben des Lebens, sollen den Geist erfrischen und den Mut fröhlich machen und erhalten. Im gesunden Körper soll ein gesunder Geist wohnen. Dann brauchen wir auch nicht bange zu sein, unseren Jungen etwas Tüchtiges zuzumuten. Denn auch das muss gesagt werden, leicht ist es bei uns nicht, wie vielfach noch angenommen wird. Deshalb versuchen es auch mauche Eltern zunächst mit dem Gym- nasium; im alten Vorurteil befangen, glauben sie für die Realschule bezw. Ober-Realschule, sei es immer noch Zeit genug, wenn ihr Sohn auf dem Gymnasium Schiffbruch gelitten habe. Das ist falsch und davor muss aus- drücklich gewarnt werden Eine solche Umschulung vollzieht sich so gut wie niemals ohne Zeitverlust. Wohl kommt es vor, dass Schüler auf der Realschule besser vorwärts kommen. Das liegt aber daran, dass ihnen die praktischen und modernen Fächer mehr zusagen, ihrer Eigenart mehr entsprechen; nicht daran, dass es leichter ist. Schicken Sie nur getrost Ihre Kinder zu uns. Wir sind nicht weniger humanistisch als das Gymnasium und ausserdem haben wir jetzt, bis auf die Theologie, Zutritt zu jeglichem Studium errungen. Was die Frankfurter, was die Homburger Schulen Thren Söhnen bieten. das fladen Sie auch hier, in derselben Weise, von ebenso guten Lehrkräften unterrichtet. Dabei haben Sie den Vorteil, dass die Bahufahrt fortfällt, die, wenn sie auch kurz ist, nie für den Schüler von Vorteil ist.
Damit bin ich schon dazu übergegangen mich an die Eltern zu wenden, und sie zur Mitarbeit aufzufordern. Denn auch diese ist unerlässlich. Der Schule wird heutzutage so oft aus Elternkreiscn die schwersten Vorwürfe gemacht, sie kümmere sich nicht genug um die Erziehung der Kinder, oder bœanspruche sie vollständig für sich. Dagegen verteidigt sich selbstverständlich die Schule und greift nun ihrerseits das Elternhaus an und gibt den Vorwurf zurück, die Schule habe nur zu unterrichten, die Erziehung liege den Eltern ob, die sie aber vernach- nachlässigen. Wie so oft liegt die Wahrheit auch hier in der Mitte. Natürlich ist die Erziehung in erster Linie Sache des Hauses, der Unterricht in erster Linie Sache der Schule. Doch bei den unendlich vielen Berührungs- punkten lassen sich beide gar nicht trennen. Es ist im Grunde wunderbar, dass jener Zwiespalt entsteht, wo doch beide dasselbe wollen, die Söhne zu tüchtigen Mitgliedern der Gesellschaft heranzubilden. Schule und Haus sind mit einer guten Ehe verglichen worden, in der Einmütigkeit herrscht, und wenn diese einmal getrübt wird, so wird eine offene Aussprache bald den Frieden wieder herstellen. Dazu ist aber unbedingt erforderlich das Vertrauen des einen zu dem guten Willen des andern. Meine verehrten Eltein unserer Schüler, wir Lehrer haben alle unsere Sprechstunden, wir bitten Sie instäudig, machen Sie davon Gebrauch und sollte Ihnen aus irgend enem Grunde unmöglich sein zu dieser Zeit Rücksprache mit uns zu nehmen, so sind wir gern bereit, andere Zeiten zu verabreden. Line solche Rücksprache kann für beide Teile von gröss'em Werte sein. Für Sie, indem Sie dadurch unmittelbar erfahren, wie Ihr Sohn in der Schule ist, nicht nur durch den natürlich etwas gefärbten Bericht, den der Sohn selbst gibt. Ausserdem lernen Sie die Lehrer ihres Sohnes dadurch persönlich kennen, und beurteilen; urteilen Sie nicht über ihn nur nach dem, was die Schüler erzählen, jeder Mensch hat seine grossen oder kleinen Schwächen und Fehler, warum sollten die Lehrer dieses Recht nicht haben? Urteilen und verurteilen Sie nicht nach den Schnurren und Heldentaten, die Ihr Sohn berichtet. Kommen Sie zu uns und lernen Sie uns kennen, nicht nur in der Sprechstunde, auch bei anderen Gelegenheiten, wie den Schulfeiern; nehmen auch Sie teil an Freud und L id der Schule,— Auf der anderen Seite können Sie unsere Arbeit er- leichtern und fruchtbarer machen und uns in den Stand setzen, gerechter zu sein und der grossen Forderung nachzukommen, die so oft an uns gestellt wird: Die Schüler individuell zu behandeln. Das ist sehr schwer bei


