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an dem Werke des Fortschritts, meine hochverehrten Damen und Herren, das erfüllte mich mit Stolz, das er- erweckte unmittelbar in mir den Vorsatz, alle Kraft einzusetzen, das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, zu rechtfertigen. Auf eine Schwierigkeit von allem bin ich aufmerksam gemacht worden, das ist die konfessionelle Frage. Meine Herrschaften, ich selbst habe eine paritätische Anstalt besucht, das Gymnasium in Wiesbaden, ich entsinne mich nicht, dass jemals irgend ein Zwiespalt da geherrscht habe, ja oft kannten wir die Konfession unserer Mitschüler gar nicht, ebenso war es am Realgymnasium in Dortmund, wo ich 2 Jahre als Oberlehrer wirkte. Es ist ja auch nicht nötig; im bürgerlichen Leben haben die zwei Konfessionen in Eintracht mit- einander zu leben, warum sollte das in der Schule nicht möglich sein? Wieviele Freundschaften gibt es zwischen Katholiken und Protestanten! Warum sollte das bei uns in der Schule nicht sein? Wir müssen nur alle den guten Willen haben; lassen sie uns stets das betonen und in den Vordergrund stellen, was uns eint und zu- rücktreten die Verschiedenheiten und Gegensätze Lassen Sie uns, wie das auch im bürgerlichen Leben sein sollte, die ehrliche Ueberzeugung des andern achten; lassen Sie uns alle sein, Anhänger des Christentums, auf dem unsere ganze Kultur beruht, nicht nur die deutsche, sondern die europäische. Dann wird Eintracht in der Schule herrschen, die zu ihrem Gedeihen notwendig ist. Mir und meinen Kollegen wird jeder Schüler, sei er evangelisch oder katholisch, gleichmässig am Herzen liegen; wir sehen nur den Menschen in ihm, der bei uns seine Bildung erhalten soll und will. Tun Sie alles mit uns Lehrern, diese Eintracht zu wabhren und zu hüten als ein g osses Gut.
Aber damit allein ist es nicht getan, es bedarf vieler Mitarbeiter. Mein nächster Aufruf, meine nächste Bitte zur Mitarbeit ergeht an Sie, meine hochverehrten Herren Vertreter der Bürgerschaft, die städt. Behörden. Sie wünschen, eine Realschule, vielleicht eine Ober-Realschule in Ihrer Stadt zu errichten; nicht irgend eine, sondern der besten eine, das ist die Aufgabe, die Sie uns gestellt haben und wie wie sie uns stellen. Deshalb darf auch Ihr Interesse an der neuen Schule nie erlahmen; verfolgen Sie mit reger Anteilnahme ihre Entwicklung, ihre Geschichte. Auf eines muss ich Sie allerdings gleich aufmerksam machen, das wissen Sie aber auch schon selbst, die Schule wird grosso Anforderungen an Jhre Bewil'igungsfreudigkeit stellen. Oft ist es ja die Pflicht der Stadtväter, den Stadtsäckel fest zugeknöpft zu halten, aber wenn es die Ausbildung der Jugend gilt, dann sollte immer ein Knopf offen sein; meine Herren, ich spreche auch da aus Er- fahrung, da ich selbst in Marburg Stadtverordneter war. Doch seien sie versichert, Unnötiges wird nicht von Ihnen verlangt werden; aber darum möchte ich Sie herzlichst bitten, verschliessen Sie Ihr Ohr auch nicht dem Wünschenswerten; es gibt so manches im Betriebe der Schule, das allein und für sich betrachtet, vielleicht nicht unumgänglich nötig erscheint, das jedoch als Glied des Ganzen eben wünschenswert ist, sei es dass es den Lehrern oder den Schülern ihre Arbeit wesentlich erleichtert, oder sei es auch nur, dass es ihre Freudigkeit erhöht oder den Aufenthalt in der Schule angenehmer macht, es wird die Freude an der Schule bei allen vermehren. Das wird sich aber von selbst ergeben, wenn Sie die Entwickelung der Schule mit Interesse verfolgen, wenn ihr Aufblühen Jhnen am Herzen liegt. Halten Sie nicht mit Jhrer Kritik zurück, jede ehrliche Kritik, die im Interesse der Sache geschieht, ist uns stets willkommen.
Sodann darf ich mich an Sie wenden, meine sehr verehrten Herrn Kollegen, die auch berufen sind an dieser neuen Anstalt zu wirken. Ich habe das Glück gehabt, als Oberlehrer an zwei Anstalten zu sein, deren Direktoren wohl zu den besten gehören, die es gibt Ihnen bin ich zu grossen Dank verpflichtet und mein Bestreben wird es sein, diesen als Vorbildern zu folgen. Die Stellung des Leiters einer höheren Schule ist keine leichte; einerseits ist er Vorgesetzter, andererseits Kollege; einerseits ist er Verwaltungsbeamter und ver- antwortlich für den ganzen inneren und äusseren Betrieb, andererseits unterrichtet er selbst, wie jeder andere des Lehrerkollegiums. Ich möchte Sie nun herzlichst bitten; sehen Sie in mir vor allen Dingen den älteren Kollegen, der eine ganze Remhe von Jahren an Unterrichts- und Lebenserfahrung vor Ihnen voraus hat, und der stets zu jeder Zeit bereit ist, Ihnen in allem mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, dessen Wunsch es ist, Ihr Freund zu werden, nicht nur in der Schule, sondern auch ausserhalb.
Ich bin mir der Schwere meiner Aufgabe voll bewusst und werde auch Jhres Rats und Jhrer Hilfe oft be- dürfen, der Gedanke an Jhre Mitarbeit und Unterstützung erfüllt mich mit Hoffnung, dass es mir gelingen wird, das Werk zu vollbringen. Mit vollem Vertrauen trete ich Jhnen gegenüber, schenken Sie mir auch das Jhrige. Wir wollen gemeinsam arbeiten an dem Werke, dem wir uns gewidmet haben; stets im Einvernehmen mit einander wollen wir unserem Ziele zustreben. Denn ohne Einigkeit, ohne gegenseitiges Vertrauen wird unsere Arbeit nur Stäckwerk sein. Schwer ist unser Beruf, schwer ist es manchmal bei der Fülle der scheinbaren Kleinlichkeiten, der täglichen Arbeit und des täglichen Aergers die rechte Freudigkeit der Arbeit zu be- wahren, nicht nachzulassen in treuester Pflichterfüllung, seien wir darin den Schülern Vorbilder, denn da- durch gewinnen wir am leichtesten Macht, über die jugendlichen Gemüter. Glauben Sie nicht, dass unsere Arbeit hier eine leichte sei, wenn auch fürs erste nur die 3 unteren Klassen bestehen. Wir müssen immer das Ziel im Auge behalten, wir wollen hier die Schule ausbauen; da ruhen nicht nur die Blicke der vorge- setzten Behörde mit besonderer Wachsamkeit auf uns; auch die Stadt und ihre engere und weitere Umgebung lassen uns nicht aus dem Auge und wir selbst wollen, dass unsere Anstalt zu den besten gezählt werde. Dazu kommt ein Weiteres. Wir wollen eine Realschule, bezw vielleicht sogar eine Ober-Realschule bauen; das ist eine Erziehungsanstalt verhültnismässig jungen Alters, die jüngste der drei Schwestern, die vielleicht noch nicht ihre Ziele und Aufgaben in so feste Formen gegossen hat, wie ihre ältere Schwester, das Gymnasium. Dazu kommt, und das macht unsere Aufgabe noch schwerer, dass wir in einer Zeit regsten pädagogischen Interesses leben. Laien wie Fachmänner rufen nach Reformen in unseren höheren Schulen; viele verdammen sie, ja ver- folgen sie mit ihrem Hasse und erklären ihnen offen den Krieg. Wie viel oder wie wenig dabei berechtigt ist, das zu untersuchen, gehört nicht hierher. Nur einige wenige Bemerkungen gestatten Sie mir über das Ziel und die Aufgabe der höheren Schule im allgemeinen und die Realanstaltan im besonderen. Zu was wollen wir unsere Schüler heranbilden? Was wollen wir aus den Knaben machen, die unserer Obhut anvertraut werden? Wir wollen sie zu Menschen machen, geeignet dermaleinst den Platz, auf den sie das Leben stellt, ganz auszufüllen. Ist das nun so zu verstehen, dass sie das, was sie auf der Schule lernen, gleich in bare


