12
heimer Meeressande und die anderen hochinteressanten Aufschlüsse des Mainzer Beckens und durch Besuch von Fabriken und anderen industriellen Werken.
Unsere Bemühungen, unsere Schule den neuzeitlichen Forderungen entsprechend einzurichten und auszubauen, wurden jäh unterbrochen durch die Beschlagnahme unseres Schulgebäudes in der Greiffenklaustrasse durch die Besatzungsbehörde, der wir unser Haus mit gesamtem Inventar mit Ausnahme der Lehrmittel am 17. Dezember 1923 übergeben mussten. Damit hat unsere Wander- und Leidenszeit begonnen. Unsere Schule siedelte im Januar 1924 mit dem Neuen Gymnasium, das wegen Beschlagnahme seines Schulgebäudes seit September 1914 in unserem Hause untergebracht war, in die Räume der Höheren Mädchenschule in der Petersstrasse über, wo wir im wochenweisen Wechsel mit dieser nur Vormittags- oder Nachmittagsunterricht hatten. Der Hausmeister Kuhnke musste seine Dienstwohnung am 31. Januar, der unterzeichnete Direktor am 31. März 1924 räumen.
Der Rest des Schuljahres verlief den neuen, schwierigen Verhältnissen entsprechend pei dem stets weitgehenden, verständnisvollen Entgegenkommen des Direktors der Höheren Mädchen- schule Herrn Kohl erträglich. Dagegen stellten sich im Sommerhalbjahre erhebliche Nachteile ein. Wenn schon der Nachmittagsunterricht als solcher auch im Winterhalbjahre lange nicht. den Erfolg haben konnte wie der Vormittagsunterricht, so liess sich der erstere infolge der Hitze, die schon im Mai einsetzte, im Sommer nicht aufrecht erhalten. Unter sehr starker Beschneidung der Stundenzahl im Zeichnen, Singen, Turnen und unter Kürzung der Wochenstunden in fast allen wissenschaftlichen Fächern wurde ein Notbetrieb in der heissen Jahreszeit durchgeführt, der zwar durch die Verhältnisse geboten war, aber nicht erlaubte, die normalen Anforderungen an die Schüler zu stellen und infolgedessen auch eine Herabsetzung der Lehrziele im Gefolge hatte. Im wochenweisen Wechsel mit der Höheren Mädchenschule wurde während der Sommer- monate von 8— 10 ½ oder von 10 ½— 1 Uhr unterrichtet. Mit dem Einsetzen kühlerer Witterung wurden natürlich die Verhältnisse besser, doch wurden auch mit dem wochenweisen ausschliess- lichen Nachmittagsunterricht keine guten Erfahrungen gemacht, sodass es dringend wünschenswert und geboten erschien, die erste Möglichkeit, eine Anderung herbeizuführen, auch zu ergreifen. Diese bot sich durch die im Frühjahre 1925 erfolgende Freigabe des Gebäudes der Oberreal- schule, in dem die Eisenbahnregie untergebracht war. Durch die Rückkehr dieser Schule in ihr Heim in der Schulstrasse konnte unsere Anstalt in den Osterferien 1925 mit 19 Klassen(V- III a) in die freigewordenen Räume der Handelsrealschule in der Welschnonnengasse einziehen, während die 9 übrigen Klassen(VI, Ib-— Ia) in 8 Klassenzimmern im Schulhause der Oberrealschule in der Schulstraße Aufnahme fanden. Eine Klasse musste Wanderklasse bleiben. Die physikalischen und chemischen Sammlungen wurden in die Gassner-Villa in der Rheinallee verlegt, wo auch der Unterricht in Physik und Chemie gehalten wurde. Wenn auch die Unterbringung unserer Schule in 3 Gebäuden keine befriedigende Lösung ist und viele Misstände mit sich bringt, unter denen namentlich die Lehrer durch den nicht vollständig zu vermeidenden Pendelverkehr zwischen den einzelnen Schulhäusern besonders zu leiden haben, so konnte doch in dem abgelaufenen Schuljahr ein dauernder Vormittagsunterricht aufrecht erhalten und manches von dem früher Versäumten nachgeholt werden. Herrn Direktor Kohl und seinem Lehrkörper danken wir aber auch an dieser Stelle herzlichst für ihre stets bereitwilligst gewährte Unterstützung in unserer schwierigen Lage, die auch von ihnen grosse Opfer und Einschränkungen verlangte. Auch unsere neuen Hausherren: der Oberstudiendirektor Poepperling und der Studiendirektor Dr. Kämmerer, haben volles Verständnis für unsere Raumnot und tun alles, um sie zu lindern. Mit dem innigsten Dank an beide Herren sprechen wir die Hoffnung aus, dass wir noch in diesem Jahre durch weitere Freigabe eines Schulhauses endlich wieder in einem Gebäude unterkommen, damit diesen höchst unerquicklichen Zuständen, durch die unsere Schule grossen


