Jahrgang 
1926
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erstere aus Gesundheitsrücksichten am 15. August 1919 aus der Zentralkommission ausschied, wurde der Unterzeichnete in diese Behörde berufen und ihr Büro in das Realgymnasium verlegt. Ihr Vorsitzender, der seither Herr Roemheld gewesen, wurde nun bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1920 nach der Ratifikation des Versailler Friedens Herr Helm. Das Rheinlandabkommen, das mit dem Friedensvertrag in Kraft getreten ist, ermöglichte nun dem Landesamte für das Bildungswesen wieder, die oberste Leitung des Schulwesens auch im besetzten Gebiete auszuüben.

Im Jahre 1918 starben von unseren Schülern für ihr Vaterland: am 6. Oktober Hans Mangold aus Bischofsheim und am 19. Oktober Rudolf Schmitt aus Kastel. Ihnen und ihren im Tode auf dem Felde der Ehre vorausgegangenen Mitschülern und den im Kriege gefallenen Lehrern unserer Anstalt wurde in unserem Schulgebäude in der Greiffenklaustrasse eine Ehren- tafel errichtet, die nach dem Entwurf von Prof. Anton Huber durch den Mainzer Bildhauer Karl Lipp beide ehemalige Schüler unserer Anstalt ausgeführt und am 22. September 1922 feierlich enthüllt wurde. Die Schrift des Ehrenmals hat Zeichenlehrer Krost entworfen.

Für unsere aus dem Felde zurückgekehrten Schüler wurde, soweit sie nicht in ihre Alters- klasse eintreten konnten, ein Vorbereitungskursus unter Leitung von Prof. Dr. Meyer einge- richtet, in dem sie nach den Richtlinien für die Kriegsreifeprüfung zum Maturitätsexamen vorbereitet wurden. 29 von ihnen wurde das Reifezeugnis ohne Prüfung zuerkannt.

Eine unserer wichtigsten Aufgaben in der Nachkriegszeit war die Sorge für das leibliche Wohlergehen unserer Schüler, die alle stark unterernährt und körperlich und seelisch durch den Krieg schwer mitgenommen waren. Bei der städtischen Verwaltung und der Mainzer Bürger- schaft fanden wir dafür volles Verständnis und bereitwilligste Unterstützung. Durch die im Januar 1920 einsetzende und mit geringen Unterbrechungen bis 1924 fortlaufende Quäkerspeisung,

die in unserem Zeichensaal in der Greiffenklaustraße verabreicht wurde, konnte im ganzen 326 Schülern unserer Anstalt mehrere Monate lang ein warmes, kräftiges und reichliches Frühstück ge- währt werden, und es war uns allen eine große Freude, zu sehen, wie unsere Jungen bei der kräftigen Kost aufblühten. Sehr wirksam unterstützt wurde diese Maßnahme durch Einrichtung von täglichen Ferienwanderungen in den Gonsenheimer und Wiesbadener Vald, wo den Jungen für weniges

Geld ein kräftiges Mittagessen geliefert wurde. Hinzu kam noch die Entsendung von Schülern in die Ferienkolonien in Glashütten und Hainchen im Taunus, in die Erholungsheime in Kelk- heim im Taunus, auf dem Heuberg in der Rauen Alp, im Bad Gören auf Rügen u. a. Aus all diesen Orten kamen unsere Jungen wunderbar erhoft und gestärkt zurück. Allen Damen und Herren, die uns bei diesem Werke reinster Nächstenliebe in uneigennützigster und selbstloser Weise mitgeholfen, sei auch an dieser Stelle unser wärmster Dank ausgesprochen. Leider ge- stattet uns der Raum unseres Jahresberichtes nicht, sie alle mit Namen anzugeben, aber zweier Herren müssen wir in tiefster Dankbarkeit' gedenken, des Herrn Wirtschaftsdirektors Obmann und des Herrn Stadtamtmann Tag, deren unermüdlicher Tätigkeit wir in erster Linie die weitgehende leibliche Förderung unserer Jungen verdanken.

Hand in Hand hiermit gingen unsere Bestrebungen zur körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend durch Turnen und Sport. Um die Leistungen in diesen Fächern zu heben, hielten wir seit 1920 unter der Leitung unseres hochverdienten und leider allzufrüh verstorbenen Turnlehrers Herrn Heuser am Ende jedes Sommerhalbjahres ein Sportfest und am Ende jedes Winterhalb- jahres ein Schulturnfest ab, beidesmal mit spannenden Wettkämpfen und darauf folgender Preis- verteilung verbunden. Beide Feste erfreuten sich bei unseren Schülern und ihren Eltern großer Beliebtheit und trugen ganz wesentlich dazu bei, unsere Jungen zu den höchsten Leistungen anzu- spornen, die ihrerseits auch durch einheitliche Gestaltung unseres Turnunterrichts und seines Betriebs durch alle Klassen gewährleistet waren. Auch der seit 1921 eingeführte und in den Juni fallende allgemeine hessische Jugendfeiertag stand bei uns immer im Zeichen des Spiels und