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IV. Beigabe.
NRede des Direktors,
(Gehalten bei der vorjährigen Schlußfeier.)
Die Pietät.
Wenn ich erwäge, welche Tugend, welche Gemüthseigenſchaft, welche Stimmung des Herzens ich Euch, meine lieben Schüler, die Ihr demnächſt von uns ſcheidet, zur ſtetigen Begleitung auf Euren Lebenswegen mitgegeben haben möchte— wenn ich ferner erwäge, was ich ebenſo bei Denjenigen, die zurückbleiben, auf's Neue angeregt, auf's Dringendſte anempfehlen und auf's Innigſte gepflegt wiſſen möͤchte, ſo iſt dieſes— die Pietät!
Die Wahrhaftigkeit, die Rechtſchaffenheit, die Sittlichkeit, der Fleiß, die Ordnungsliebe— alles dies ſind herrliche Tugenden, welche als ſtets erſtrebenswerthes Ziel dem Menſchen vorleuchten und glücklich der, der ſie erreicht hat und ſich bewahrt. Aber einen ganz beſonderen Glanz, eine vorzügliche Schoͤnheit erhalten dieſe Vorzüge, wenn denſelben ſich noch beigeſellt— die Pietät. Dies Wort hat zwar einen fremden Klang, doch iſt ſein Gehalt heimiſch in der Bruſt eines jeden guten Menſchen; wir finden in unſerer Sprache kein anderes Wort, das ſo ganz ſeinem Sinn entſpricht. Es ergeht uns damit, wie beim Gebrauche des Namens der Poeſie, deſſen Begriff in ſo vielen Menſchen wohnt und nur von wenigen ausgeſprochen zu werden vermag.
Pietas— heißt zunächſt, die Frömmigkeit. Allein in dieſem Sinne gebrauchen wir nicht das Wort Pietät. Schon im alten Rom bezeichnete es zugleich die hingebende Liebe an andere Perſonen, welche auch von den Griechen unter dem Namen der Euſebia perſonificirt, als eine beſondere Gottheit, in Tempeln und Bildern verehrt wurde. So befand ſich in Rom ein Tempel der Pietas gegen die Eltern an der Stelle eines Gefängniſſes, woſelbſt eine Tochter ihren zum Hungertodte verurtheilten Vater heimlich genährt hatte. Die Pietas gegen Unmündige erſcheint in Abbildungen mit einem Mantel, den ſie ſchützend gegen zwei neben ihr ſtehenden Kinder ausbreitet. Die Pietas gegen Ver⸗ ſtorbene finden wir dargeſtellt, indem die hingeſch iedene Mutter die Hand über das Haupt des Sohnes ausbreitet.
Wir ſehen hieraus, daß die Pietät im Weſentlichen mit dem herrlichſten Inhalte unſerer Reli⸗


