Jahrgang 
1915
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sich auch der seitherige Lehrer und Erzieher des Erbgrossherzogs Georg, Herr Lehr- amtsassessor Pfersdorff. Se. Kgl. Hoheit der Grossherzog liess ihn bitten, vor die Front des Regiments zu kommen, und nun musste Prinz Georg vor ihn hintreten und öffentlich von seinem in den Krieg ziehenden Lehrer Abschied nehmen. Er tat dies in echt kindlicher, treu- herziger Weise zur tiefen Erbauung aller Anwesenden.

Die Sehnsucht nach seinen Truppen konnte aber der Grossherzog nicht verwinden. Nach etwa drei Wochen begab auch er sich ins Feld, um Leid und Freud mit ihnen zu teilen. Wir hörten bald, dass seine Brust mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse geschmückt wurde. Seine Majestät der Kaiser wollte in der Person des Grossherzogs nicht nur die Tapferkeit der hessischen Truppen ehren, sondern er beabsichtigte auch, Seiner Königlichen Hoheit dem Gross- herzog für seine eigenen persönlichen Verdienste die hohe Anerkennung zukommen zu lassen. Denn es war bis in die nächste Umgebung des Kaisers bekannt geworden, dass der Grossherzog auf dem Schlachtfelde und hinter der Front herrliche Beispiele von Unerschrockenheit und landes- väterlicher Fürsorge gegeben hat. In gefahrvollen Lagen hat er es war noch in den heissen Sommertagen der ersten Zeit seinen schier verschmachtenden Leuten mit eigener Hand Trink- wasser zugetragen und sie damit und mit anderem gelabt, er hat ihnen Mut zugesprochen und sie angefeuert, er hat die Verwundeten retten helfen, hat die Schwachen und Kranken gestärkt und getröstet, kurz, durch sein vielvermögendes Wesen hat er unter den hart bedrängten Mann- schaften nach allen Seiten hin Hilfe und Erleichterung gestiftet. Ihr könnt euch denken, liebe Schüler, dass das alles den Herzen seiner Landeskinder wohlgetan hat und dass das Gefühl der Anhänglichkeit und Liebe zum Landesfürsten in den harten Soldatenherzen neue und tiefere Wurzeln schlug.

Heute an seinem Geburtstag weilt also der Grossherzog nicht wie sonst in der Heimat; aber erst recht gedenken wir sein in Liebe und Treue. Wir wünschen und hoffen, dass er in nicht allzu ferner Zeit an der Spitze seiner siegreichen Truppen wohlbehalten und vollbefriedigt in seine Hauptstadt einziehen mõge.

Nun will ich, liebe Schüler, euere eigenen Gefühle nicht länger zurückhalten, ich will euch vielmehr selbst das Wort geben und dies verwendet mit eueren Lehrern zu dem einmütigen Ruf: Seine Königliche Hoheit der Grossherzog und das ganze Grossherzogliche Haus sollen leben: Hochl Hoch!l Hoch!

Bei der Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers am 27. Januar hielt Herr Professor Kinkel die Festrede.

In der Einleitung gab er einen Uberblick über die Zeitlage. Nebenbei behandelte er den Krieg als Zucht- und Lehrmeister der Völker, um dann zu seinem Hauptthema überzugehen: die dreifache Wehr gegen unsere Feinde, die militärische, die finanzielle, die wirtschaftliche. Redner wusste sehr gut den Ton zu treffen, der dem jugendlichen Verständnis angepasst ist. Besonders dankenswert waren seine Ausführungen über die infolge des Krieges notwendigen finanziellen und wirtschaftlichen Masstegeln. In der schliesslichen Nutzanwendung klangen sie aus in die nachdrückliche Aufforderung an die SchülerSammelt Gold für die Reichsbank! undHütet das heilige Brot!

V. Zugänge zu der Lehrer=⸗Bibliothek.

Die Anschaffungen waren in diesem Jahre absichtlich auf ein geringes Mass beschränkt. Sie werden im nächsten Jahresbericht veröffentlicht.

VI. Bekanntmachungen un Mitteilungen an die Eltern.

Zur Aufnahme in die Sexta ist das zurückgelegte neunte Lebensjahr erforderlich. Doch können bei genügender leiblicher und geistiger Reife auch solche Knaben aufgenommen werden, die bis zum 30. September d. J. das neunte Lebensjahr vollenden.