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In dieser Doppelstellung blieb er in Mainz bis 1888, wo er durch Dekret vom 16. September zum Direktor des Realgymnasiums und der Realschule zu Giessen ernannt wurde. Drei Jahre lang stand er an der Spitze dieser Anstalt. Ostern 1891 erschien aus seiner Feder die gründliche und umfangreiche Abhandlung„Bei- träge zur Geschichte des chemischen Unterrichts an der Universität Giessen.“ Am 11. Juli 1891 wurde er num Direktor des Gymnasiums in Mainz ernannt. Und als im Herbst 1899 das Gymnasium in zwei völlig selbständige Anstalten geteilt wurde, erbielt Weihrich die Leitung des Gymnasiums in der Neustadt, des sogenannten Ostergymnasiums. Seine Verdienste hatten auch schon vorher darin ihre Anerkennung gefunden, dass er am 50. Juni 1899 zum ausserordentlichen Mitglied der Abteilung für Schulangelegenheiten des Ministeriums des. Innern ernannt wurde: Im Frühjahr 1905 musste er mit Rücksicht auf seine geschwächte Gesundheit um Versetzung in den Ruhestand nachsuchen. Sie wurde ihm durch Allerhöchste Entschliessung vom 25. März 1905 unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und erspriesslichen Dienste und unter Ver- leihung des Ehrenkreuzes des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen bewilligt. Weihrich zog sich auf seinen Landsitz nach Gonsenheim zurück, wo es ihm vergönnt war, bei verhältnismässig guter Gesundheit noch einige Jahre seiner Familie und der Wissenschaft zu leben, bis sich im vergangenen Jahre tiefere körperliche Leiden einstellten, denen er am 22. Oktober 1911 erlag. Auf dem Gonsenheimer Friedhof wurde er zur letzten Ruhe bestattet. Ein aussergewöhnlich zahlreiches Trauergefolge erwies ihm die letzte Ehre. Am Grabe selbst versuchte der Unterzeichnete der Gesamtpersönlichkeit seines Amtsvorgäpgers gerecht zu werden, indem er sich in folgenden Ausführungen an die anwesenden Leidtragenden wandte:
Hochansehnliche Trauerversammlung!
Zum drittenmal innerhalb fünfviertel Jahre hat der Feind des Lebens in die Familie Weihrich gegriffen und unerbittlich, wie er ist, seine kalte Hand nicht zurückgezogen, ohne seine unabänderlich feststehende Macht zu erweisen über alles, was da nach Menschenart lebt und webt Im Juni vorigen Jahres war es der eine Bruder des Verblichenen, der ehemalige Direktor des Kaiser Franz-Josef-Gymnasiums in Wien, der einem reich gesegneten Leben entrissen wurde, ein am Wiener Hof wie in Gelehrtenkreisen und auch in den bürgerlichen Schichten hoch- angesehener Mann; vor einigen Wochen mussten wir einem anderen Bruder, dem Gressh. Hessischen Baurat Sebastian Weihrich, unserem lieben Jugendfreund und Altersgenossen, auf dem Darmstädter Friedhof ins Grab sehen, und heute, wo der Herbst auf die Gräber die entkräfteten Blätter streut, die schon in den heiligen Schriften der ältesten Völker als das Sinnbild menschlicher Hinfälligkeit galten, müssen wir das lang und bang Befürchtete ergebungsvoll über uns ergehen lassen: wir stehen an der Bahre des Geheimen Oberschulrates Georg Weihrich, weiland Diréktor des Ostergymnasiums zu Mainz und zugleich ausserordentliches Mitglied der Schulabteilung im Grossherzoglichen Ministerium.
Was der Verewigte seiner Familie gewesen ist, das bekunden die schmerzbewegten Gesichtszüge der nächsten Angehörigen deutlicher, als es Worte zu sagen vermögen. Mit den Angehörigen trauern die zahlreichen Freunde, Verehrer und Bekannten, die ehemaligen Schüler und nicht zum geringsten die höheren Lehranstalten in Mainz, in Sonderheit die Lehrerkollegien der beiden Gymnasien.
Der nämlichen Heimat entsprossen wie der Verstorbene, kann ich mir nicht versagen, am Ausgang seines Lebens den Ort des Eingangs zu nennen, weiss ich doch, dass er mit zärtlicher Liebe an ihm hing; fast möchte ich meinen, es freue ihn die Erwähnung noch im Tode Es war das Bergsträsser Land, wo seine Wiege stand, Bensheim a. d. Bergstrasse. Dort, hart am Fusse des sonnigen, rebenumkränzten Kirchbergs, war er geboren als der älteste von vier Söhnen, ein fünfter starb schon früh. Sämtliche vier haben das Bensheimer Gymnasiuam besucht und gelehrte Berufswege eingeschlagen. Sie stammen von Eltern ab, die durch grosse Gaben des Geistès, des Herzens aber nicht minder köstliche ausgezeichnet waren; und für Kenner der Familie war es eine lust- bringende Beschäftigung feststellen zu wollen, auf wen der verschiedenen Söhne mehr die Vorzüge des würdigen Vaters, auf wen die Gaben der edlen Mutter im einzelnen übergegangen zu sein schienen.
4 Sein äusseres Leben ist einfach verlaufen: das Leben eines deutschen Mannes und Familienvaters, eines echten Gelehrten, eines pflichttreuen Lehrers und Staatsbeamten. Er war nacheinander Reallehrer in Alzey, Gymnasiallehrer in Mainz, Realgymnasialdirektor in Giessen, Direktor der ungeteilten Gymnasien in Mainz von 1891— 1900 und Direktor des Ostergymnasiums zu Mainz von 1900— 1905, daneben ausserordentliches Mitglied der Schulabteilung im Grossh. Ministerium.
Glück in der Familie war ihm in hohem Masse beschieden, und dass er nach seinem Austritt aus dem Staatsdienst noch sechs Jahre lang im lauschigen Heim zu Gonsenheim, oft besucht von den Mainzer Freunden, dieses Glück bei verhältnismässig guter Gesundheit geniessen durfte, gereicht uns allen zur besonderen Befriedigung.


