Jahrgang 
1912
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bereits seit den Jahren 1891 und 1896 an unserer Schule wirken. Sie werden an andere hiesige oder auswärtige Schulen des Grossherzogtums versetzt. Diese Herren sind: Professor Dr. Schmidt, Professor Peth, Professor Schmitt, Professor Dr. Relis, Professor Dr. Curschmann, Professor D. Dr. Friedrich, Oberlehrer Dr. Köhm und Oberlehrer H.otz..

Unsere seitherigen hochgeschätzten Mitarbeiter sehen wir mit Wehmut scheiden. Wir danken ihnen auch öffentlich für ihre langjährige mit Geschick, Hingebung und Opfersinn für die Sache der Jugendbildung ausgeübte Tätigkeit. Wir bitten sie, unsere Anstalt in gutem Andenken zu behalten und wünschen ihnen für ihr ferneres Leben Wohlergehen und volle Befriedigung im neuen Wirkungskreis Ebenso geben wir unseren lieben Schülern es sind nahezu hundert, die in dasAlte Gymnasium überzutreten haben die besten Segenswünsche mit auf den Weg. Mögen sie zum eigenen Besten und zur Freude ihrer Eltern dort erspriesslich vollenden, was sie hier

mit Eifer begonnen haben.

Zum Schlusse haben wir noch eines schmerzlichen Ereignisses zu gedenken. Am 22. Oktober 1911 schied der frühere langjährige Direktor des Ostergymnasiums, zugleich ausserordentliches Mitglied der Schulabteilung im Grossherzoglichen Ministerium, Herr Geheimer Oberschulrat Georg Weihrich, aus dieser Zeitlichkeit.

Ueber den äusseren Lebensgang des Verstorbenen und seine Tätigkeit als Gelehrter haben wir aus amtlichem und privatem Material folgende Angaben kurz und bündig, aber nicht ohne Liebe, zusammengestellt(bereits ver- öffentlicht in der Wochenbeilage der Darmst. Zeitung vom 18. Nov. 1911):

Georg Weihrich war am 17. März 1843 in Bensheim a. d. Bergstrasse geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog nach erlangter Reife, erst 17 Jahre alt, die hessische Landes- universität, um sich dem Studium der Naturwissenschaft und Mathematik zu widmen. Der andauernde, innige Verkehr mit dem damals an der Bensheimer Schule wirkenden Professor Dr. Franz Xaver Stoll hatte den jungen Studenten wissenschaftlich derart gefördert, dass er den Anforderungen des Universitäts- studiums mit Leichtigkeit gewachsen war. Schon im sechsten Halbjahre bestand er mit ausgezeichnetem Erfolg die Fakultätsprüfung, nachdem er vorher die mathematische Preisaufgabe des laufenden Jahres bearbeitet hatte. Sein Probejahr im Schuldienste legte er am Gymnasium in Bensheim ab. Schon als Gymnasialakzessist schrieb er im Jahre 1864 die Abhandlung:Ueber die Verteilung des Magnetismus in weichen prismatischen Eisenstäben, die an das Ende eines Magnetstabes angelegt sind. Sie wurde im darauffolgenden Jahre auch in PoggendorfsAnnalen der Physik veröffentlicht. Schon diese erste Schrift empfahl sich, abgesehen von dem Wert des Inhalts, durch Klarheit der Darstellung und Feinheit des sprachlichen Ausdrucks. Die beiden nächsten Jahre finden wir Weihrich als Hilfslehrer an der Dender- schen Anstalt in Weinheim a. d. Bergstrasse. Hier war er durch die auf ihm lastende grosse Zahl der Unterrichtsstunden aussergewöhnlich stark in Anspruch genommen. Beispielsweise musste er den ganzen Geographie-Unterricht der Schule erteilen. Seine ausgedehnten Kenntnisse auf diesem Gebiete rühren aus dieser Zeit. Trotzdem vernachlässigte er nicht seine Fachstudien. Ihrer Anwendung auf den praktischen Unterrichtsbetrieb verdankt die damals erschienene DruckschriftHilfsmittel für den physikalischen und chemischen Unterricht ihre Entstehung. Herbst 1867 kehrte er in den hessischen Schuldienst wieder zurück, als ihm eine Lehrerstelle an der Realschule in Alzey übertragen werden konnte, in der er am 21. Juli 1868 definitiv angestellt wurde. Aus der Alzeyer Zeit ist folgende Programmabhandlung vorhanden: Einige Sätze über die Raumkurve dritter Ordnung und die abwickelbare Fläche dritter Klasse. Der Aufenthalt in Alzey wurde ferner insofern bedeutungsvoll für ihn, als er dort seine Gattin fand, die ihm liebe- voll zeitlebens zur Seite stand. Der glücklichen Ehe entsprossen zwei Töchter. Drei Jahre später, am 24. Februar 1871, wurde er zum zweiten Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaft am Gymnasium in Mainz er- nannt. Seine Tätigkeit daselbst trat er erst mit Beginn des Sommerhalbjahres an. Das Schulpragramm des Jahres 1872 bereicherte er mit der Abhandlung:Die Ansichten der neueren Chemie(auch in Sonderabdruck bei Diemer, Mainz 1872, erschienen). Lieblingswissenschaft für sein Privatstudium war und blieb ihm die Chemie. Die einschlägige Literatur beherrschte er meisterhaft Etwa 20 Jahre lang lieferte er für ZarnckesLiterarisches Zentralblatt die Berichte über neue Erscheinungen auf diesem Gebiet. Als ihm später seine Amtstätigkeit für die ausgedehnte Berichterstattung keine Zeit mehr übrig liess, musste er diese Betätigung seines wissenschaftlichen Strebens zu seinem grossen Schmerz einstellen. Auch mit den praktischen Bedürfnissen des naturgeschichtlichen Unterrichts befasste er sich in den ersten- Mainzer Jahren. Seine Ansichten darüber veröffentlichte er in der Programmbeilage 1878 unter dem Titel:Zur Organisation des naturgeschichtlichen Unterrichts an unserem Gymnasium. Als durch Verfügung Gross. herzoglichen Ministeriums des Innern vom 25. Januar 1876 für Schüler des Mainzer Gymnasiums ein unter staatlicher Aufsicht stehendes Pensionat errichtet wurde, übernahm Gymnasiallehrer Weihrich seine Leitung.