Jahrgang 
1905
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

Das vorige Schuljahr wurde wegen der am Samstag dem 19. März 1904 gefeierten Konsekration und Inthroni- sation des hochw. Herrn Bischofs Dr. Kirstein schon am Tag vorher geschlossen.

Am 9. April wurden so zahlreich für VI und Vorkl. 2 und 3 Schüler angemeldet, dass die Sexta und die V2 in je 2 Parallelcoeten geteilt werden mussten, von denen ein Coetus als Osterklasse in dem Herbstgymnasium untergebracht wurde. Da hiermit der im alten Gymnasialgebäude noch zur Verfügung stehende Raum völlig besetzt war und der Saal der V3 bei uns in äusserster Ausnutzung nur 54 Schüler aufnehmen kann, so mussten die über diese Zahl noch für V3 angemeldeten Schüler leider zurückgewiesen werden. Der Ostern 1902 wegen Gberfüllung unserer Räume in das Herbstgymnasium verlegte Parallelcoetus der Sexta wurde Ostern 1904 als Quarta wieder mit unserer Anstalt vereinigt und damit die vorerwähnte Verlegung ermöglicht.

Das neue Schuljahr begann am 11. April 1904. Durch die definitive Anstellung des Religionslehrers Eschelbacher an dem Realgymnasium und der Oberrealschule wurde seine Tätigkeit an unserer Anstalt abgeschlossen; seinen Unterricht übernahm Rabbiner Dr. Salfeld.

Bei der festlichen Begrüssung Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin und Sr. Kgl. Hoheit des Gross- herzogs bei Gelegenheit der Eröffnung der neuen Kaiserbrücke nahm auch unsere Anstalt im Vereine mit den übrigen Lehranstalten teil.

Im Laufe des Schuljahres verlor die Anstalt zwei brave, liebe Schüler durch den Tod. Am 10. Mai starb der Quartaner Hans Pelizäus nach sehr kurzem Krankenlager und am 19. November der Obertertianer Anton Schreiber nach längerem Leiden. Lehrer und Mitschüler bewahren den Frühverblichenen ein treues Andenken.

Der zum Gedächtnis des Frankfurter Friedens(10. Mai 1871) eingerichtete allgemeine Klassenausflug musste der ungünstigen Witterung wegen auf den 16. Mai verschoben werden, wo er bei herrlichem Sonnenschein zu allseitiger Befriedigung ausgeführt wurde.

Die vereinigten Gesangschöre der beiden Gymnasien führten am 19. Mai im grossen Saale des Konzerthauses zu Gunsten des Schillerverbandes deutscher Frauen, Ortsgruppe Mainz, und am 2. Juli in der Neuen Anlage zu Gunsten des Alicefrauenvereins dahier die Komposition RombergsDas Lied von der Glocke auf. Die Darbietungen erfreuten sich des allgemeinen Beifalls.

In ausnehmend hohem Masse wurde in diesem Jahre durch langwierige Erkrankungen mehrerer Lehrer der Unterrichtsbetrieb auf empfindlichste Weise gestört. Am 13. Mai musste der Lebrer der V3, Schulverwalter Scheu, auf längere Zeit beurlaubt werden, um seine Genesung von schwerer Erkrankung zu suchen. Des grossen Lehrermangels wegen war zunächst kein Ersatz zu finden und so der Lehrer der V 2, Schulverwalter Le Claire, genôtigt, zugleich auch die V3 unter Ausfall einiger Stunden zu unterrichten oder zu beschäftigen. Nur dem freundlichen Entgegenkommen des Gr. Kreisschulinspektors Dr. Zang und des Hauptlehrers Stamm unter Zustimmung des Herrn Vorsitzenden der Kreisschulkommission verdanken wir es, dass der Schulgehilfe Reiber an der städtischen Volksschule vom 30. Mai an mit der Hälfte seiner Dienstzeit zu unserer Verfügung gestellt wurde. Vom 1. Juli an trat der Schulverwalter Reiber ganz in unseren Dienst, wodurch es möglich wurde, der V3 wieder den lehrplanmässigen Unterricht zu geben.

Am 4. Juni mussten Prof. Scholl und am 17. Juni Prof. Klein infolge einer langdauernden Erkrankung ihre Schultätigkeit aufgeben. Der damals bestehende grosse Mangel an neuphilologischen Lehrern machte eine besondere Vertretung des Prof. Scholl unmöglich. Die Oberlehrer Prof. Dr. Wissmann, Dr. Schwarz und Dr. Reis erklärten sich bereit, den französischen Unterricht in I b, Iai und Ia: bis zum Schlusse des Sommer- halbjahrs zu übernehmen, während er in IIa, IIb und IIIb durch anderweitigen Unterricht ersetzt werden musste; der englische Unterricht dagegen fiel ganz aus. Vom 12. September an glaubte Prof. Scholl seinen ganzen Unterricht wieder aufnehmen zu können; doch stellten sich Mitte Oktober wieder Krankheitserscheinungen ein, welche den Arzt veranlassten, in dringendster Form Schonung des Leidenden zu verlangen. Der englische Unterricht fiel zur Hälfte aus und den französischen Unterricht in den beiden Untersekunden übernahm Oberlehrer Dr. Schwarz, der den griechischen Unterricht in IIIa an den Lehramts-Akzessisten Dr. Kempf abgab.

Nachdem es sich herausgestellt hatte, dass die Erkrankung des Prof. Klein ernsteren Charakters sei, musste für eine fachgemässe Vertretung gesorgt werden. In seiner liebenswürdigen Dienstwilligkeit übernahm der unver- gessliche Pfarrer Lic. Grünewald den Religionsunterricht in I, II und IIIa(zusammen 6 Std.) und der Pfarr- assistent Leimbach in IIIb 2 Stunden, V 1 Stunde und VI 2 Stunden vom 29. Juni an bis zum Schlusse des