Heimatmuſeum mit ſeinen reichhaltigen volkskunoͤlichen Sammlungen mit der Eigenart des Schlitzer Landes und Volkes vertraut machte. In einer intereſſanten Führung zeigte uns Forſtverwalter i. R. Kowaoͤg an vielen alten Fachwerkbauten die Einflüſſe germaniſcher Bauweiſe in Form von Kunen, Heilszeichen, Sonnenrädern, Schlangen, Hakenkreuzen und anderen ſumboliſchen Verzierungen.
Beſuche in Leineweberei, Töpferei und Ziegelei gaben eine Anſchauung von dem heimatlichen Gewerbe. Ein zweitägiger Aufenthalt bei Bauern in Landenhauſen und Adenhauſen wurde den Schülern zu einem beſonderen Erlebnis. Sie lernten den Betrieb einer ein⸗ bzw. zweiklaſſigen Volksſchule kennen und halfen den Bauern in Feld und Stall. So konnten ſie die Arbeit des Bauern, ſeine Lebensweiſe, ſein Haus, ſeine Tracht aus nächſter Rähe kennenlernen. 1
Ein Heimabend mit den gleichzeitig anweſenden Mädchen der Volksſchule Groß⸗Gerau und dem
Schlitzer BOM., Fußballſpiele in Schlitz und Landenhauſen, Teilnahme am Staatsjugendtag des Schlitzer Jung⸗
volks(Geländeſpiel) und vor allem ein Singabend auf dem Marktplatz brachten uns mit der Bevölkerung, mit
Jung und Alt, in engere Berührung. Bei dem Singabend wirkten die Volksſchule Schlitz, H3., BODM. und Frauen⸗
Febeirsdernſt zuſammen, und auch wir Mainzer ſteuerten zwei zweiſtimmige Lieder und einen Tanz für 2 Block⸗ öten bei.
1 Der körperlichen Ertüchtigung dienten Lauf, Frühſport, Schwimmen, Spiele und Ausmärſche. Als ſchönſtes Erlebnis bezeichnen alle einen Ausflug in oie Rhön mit einem Marſch von der Milſeburg zur Waſſer⸗ kuppe zum Segelflugwettbewerb. Zahlreiche Starts und Flüge, Geſpräche mit den Flugzeugführern und Erklärung der Steuerorgane und Inſtrumente gaben allen einen lebendigen Eindruck von der Segelfliegerei.“
2ba und Zas in Birkenfeld. Leiter: Studienaſſeſſoren Dr. Hornickel und Joutz mit den Referendaren Schertz und Starck.
„Die ſelbſtgeſtellte Aufgabe des Schullandheimaufenthaltes war das Erleben der Hunsrücklanoͤſchaft und ihrer Menſchen in geſchichtlicher, volkskundlicher und wirtſchaftlicher Beziehung.
Die Leiter des Schullanoͤheims wurden in ihrer Arbeit aufs beſte unterſtützt durch die eingehenden vorträge des Direktors des Birkenfelder Heimatmuſeums und Rektors der höheren Schule von Birkenfeld, Dr. Heiderich, der die Schüler am nächtlichen Lagerfeuer mit der Geſchichte des Birkenfelder Ländchens vertraut machte, den begeiſterten Hörern zahlreiche heldenhafte Taten ſeiner Bewohner packend erzählte und uns zugleich mit allen Erwerbszweigen dieſes Gebietes bekannt machte. Bald benützten wir die Gelegenheit, um die dortige bodenſtändige Induſtrie und das Handwerk kennenzulernen. Beſonderen Eindruck machte die Beſichtigung einer Achatſchleiferei in Jdar. Hier lernte der Schüler die geſundheitsſchädliche Arbeit des Achatſchleifers kennen, ſowie den harten Exiſtenzkampf, den dieſer Induſtriezweig ſchon Jahrzehnte lang führt. Die Ausſtellung der koſtbarſten Edelſteine in der Gewerbehalle zu Jdar fand ganz beſonderes Intereſſe bei den Schülern. Ein ganz außerordent⸗ liches Erlebnis war die Beſichtigung der Werkſtätte des Töpfermeiſters Schorr in Birkenfeld. Er drehte auf ſeiner einfachen Töpferſcheibe mit geſchickter Hand die ſchönſten Daſen, Krüge und Töpfe. Aus einer Handvoll Lehm formte er mit einer ungeahnten Schnelligkeit und Sicherheit vor dem erſtaunten Auge des zuſchauers die zier⸗ lichſten Gegenſtände. Jedoch die größte Freude, die der alte Meiſter den Schülern machte, war die Aufforderung, einmal ſelbſt zu drehen. Freudeſtrahlend ſaßen dann die Schüler vor der Orehſcheibe, mußten aber ſehr bald einſehen, daß man des alten Meiſters Kunſt nicht nachahmen konnte.
Ein Reviergang unter der kundigen Führung eines jungen Förſters gab uns einen guten Einblick in die Pflanzen⸗ und Tierwelt des Waldes und über die Kutzung der verſchiedenen Holzarten, die wir einige Tage ſpäter bei der Beſichtigung eines Sägewerkes noch beſſer kennen lernen ſollten. Aufſchlußreich war auch des Förſters vVortrag über Schädlinge und Schädlingsbekämpfung des Nadelwaldes. Tiefen Eindruck hinterließ der Anblick und die Schilderung eines durch ſtarken Schneefall zuſammengebrochenen jungen Fichtenſchlages.
Altehrwürdige, geſchichtliche Denkmäler, wie der Hunnenring bei Otzenhauſen gaben uns ein treues Bild vom Freiheits⸗ und Anabhängigkeitsſinn der germaniſchen Stämme des Hunsrücks. Die Beſichtigung der Römer⸗ bauten in Trier, die Porta Kigra, die Kaiſerthermen, das Amphitheater, der Tempelbezirk uſw. gab dem Schüler das rechte Verſtändnis des Kampfes, den die Germanen gegen ein hochſtehendes Kulturvolk ausfechten mußten. Das Trierer Landesmuſeum, ſowie das Birkenfelder Heimatmuſeum zeigten uns klar, daß wir hier auf dem Boden einer römiſch⸗germaniſchen Miſchkultur ſtehen, wo römiſche Stadtkultur der germaniſchen Bauernkultur gegenüberſtand und letztere zu erdrücken drohte. Die beſte Führung wurde uns im Trierer Dom zuteil, einem Bauwerk, das zuerſt als römiſche Halle gebaut wurde; dann, von den Franken umgebaut, ſollte ſie in den letzten Zahrhunderten zu einem wahren Bauſtilmuſeum werden, denn es ſind nicht mehr als 10 Bauſtile in ihr zu ſehen.“
la, und 1b⸗ in Weilburg. Leiter: Studienräte Dr. Haun und Schmidt mit den Referendaren Etz und Kiſſel.
„Anſeren Aufenthalt ſtellten wir unter das Thema„Blut und Boden“. Wir lehnten dabei jede rein theoretiſche Betrachtung ab, da dieſe im regulären Anterricht erfolgen kann. Wir wollten am Leben jelbſt lernen und, wenn nötig, uns von berufenen Vertretern der Praxis Erklärungen geben laſſen. Dabei iſt eine enge Fühlung⸗ nahme mit der Partei und ihren Gliederungen unerläßlich. Auf dieſem Wege konnten wir es erreichen, daß ſich eine ganze Reihe von Fachvertretern zu dem obigen Thema hören ließen, ſei es durch Aebernahme von Führungen und Beſichtigungen oder Vorträge im Anſchluß an ſolche. Es darf wohl behauptet werden, daß durch die liebens⸗ würdige Anterſtützung aller Herren und vor allen Dingen der Ortsgruppenleitung unſer Aufenthalt in Weilburg ein voller Erfolg wurde.
Im einzelnen fanden folgende Beſichtigungen und Vorträge ſtatt: 1. Die geologiſche Entwicklung des Lahngebietes mit Wanderungen und Exkurſionen. 2. Moderne Waloͤbewirtſchaftung und ihre nationale Bedeutung. 3. Die Praxis der Tierzucht auf zwei größeren Höfen. 4. Beſichtigung der Molkerei Schupbach. 5. Beſuch der Dorfgemeinde Mengerskirchen. Ihre wirtſchaftliche Struktur und ſozialen Verhältniſſe. Altes bodenſtändiges Handwerk. 6. Beſuch eines Arbeitsdienſtlagers. 7. Beſichtigung von oͤrei Eiſengruben. Die ſozialen Verhältniſſe der


