Jahrgang 
1928
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IV. Zur Geſchichte der Schule.

Das Schuljahr 1927/28 begann am Montag, den 25. April, mit einem Lehrerrat und den Aufnahmeprüfungen.

Infolge Klaſſenabbaus waren Veränderungen im Lehrkörper nötig geworden; es wurden daher von Oſtern ab die Studienräte Schell und Dr. Bell an die hieſige Oberrealſchule verſetzt. Desgleichen erhielten Lehraufträge an derſelben Anſtalt mit 7 bezw. 8 Stunden wöchentlich die Herren Oberreallehrer Becker und Reallehrer Harth.

Herr Prof. Peterſohn, der im März des vorangegangenen Schuljahrs an Blinddarmentzün⸗ dung ſchwer erkrankt war, konnte mit Beginn des neuen Jahres ſeinen Dienſt nicht wiederaufnehmen. Zu ſeiner Vertretung ſandte uns das Landesamt für das Bildungsweſen den Studienaſſeſſor Klaus Langelott aus Bensheim, der allerdings bis Pfingſten nur zur Hälfte die Stunden des Erkrankten erteilte, da er gleichzeitig auch noch an der Oberrealſchule in Mainz aushelfen mußte. Der noch übrige Teil der Unterrichtsſtunden des Herrn Peterſohn wurde von dem Direktor und einzelnen Mit⸗ gliedern des Kollegiums übernommen.

Die noch an den Folgeerſcheinungen ihrer Typhuserkrankung leidende Lehrerin Maria Schalk wurde entlaſtet und hauptſächlich zu Vertretungen herangezogen.

Die Schulamtsanwärterinnen Thereſe Bormuth, Charlotte Hartenburg, Hedwig Sander und Hedwig Schmidt traten mit Beginn des neuen Schuljahrs an unſrer Anſtalt ihr 2. Vorbereitungs⸗ jahr an.

Die Oſtern 1925 mit den Klaſſen VI, 1 und VI, 2 nach den neuen Lehrzielen eingerichtete Studienanſtalt wurde in den Klaſſen IV, 1 und IV, 2 fortgeſetzt. Amtlicher Weiſung gemäß erhielt außerdem neben den beiden Oberſekunden nun auch die Unterprima Unterricht nach den neuen Plänen. In den anderen Klaſſen der Anſtalt wurde nach den alten Penſen unterrichtet.

Eine neue Einrichtung war die Aufnahme kaufmänniſcher Fächer in den Stundenplan der 2. Klaſſen, die im übrigen ihre ſonſtigen Lehrziele beibehielten. Der neue Unterricht war wahlfrei und erfolgte in wöchentlich 6 Stunden, unter Preisgabe einiger techniſcher Stunden ſowie einer Stunde des franzöſiſchen Klaſſenunterrichts. Es wurden gelehrt: Kaufmänniſches Rechnen, Buch⸗ führung, Handelslehre, deutſche und franzöſiſche Handelskorreſvondenz und Stenographie(Reichs⸗ kurzſchrift). Die genannten Unterrichtsfächer erteilte Herr Studienrat Keller mit Ausnahme der Stenographie, die Herr Lehrer Schöpp wieder in dankenswerter Weiſe übernommen hatte.

Am 11. Mai zeigten wir unſren Klaſſen die AusſtellungGewa in der Stadthalle.

Darnach fand am 2. Juni der allgemeine Tagesausflug ſtatt, der die Schülerinnen wieder mit manch ſchönem Fleckchen der Heimat bekannt machte.

Der behördlich angeordnete Jugendfeiertag fiel auf den 28. Juni und wurde wie alljährlich von uns im Walde bei Budenheim feſtlich begangen. Ein Sonderzug der Eiſenbahnverwaltung brachte unſre Jugend nach der Station Budenheim, von wo es im gemeinſamen Marſch nach dem Feſt⸗ platze ging. Hier ſang der Chor unter Kapellmeiſter Naumanns Leitung herzerquickende Weiſen. Frohe Spiele, muſikaliſche Darbietungen, ſchöne Volkstänze und Märchenſpiele zierten die Ver⸗ anſtaltung, die in den frühen Nachmittagsſtunden ihr Ende fand. Wir haben den Eindruck, als ob der Jugendtag von Jahr zu Jahr den Kindern mehr Freude bereite und immer mehr an Be⸗ deutung für ſie gewinne.

Mit Wirkung vom 1. Juni 1927 wurde der Studienaſſeſſor Friedrich Hagen zum überplan⸗ mäßigen Studienrat an unſrer Anſtalt ernannt.

Kurz vor Beginn der Sommerferien erkrankte Frl. Dr. Herrmann an Blinddarmentzündung. Sie mußte ſich einer Operation unterziehen, an deren Folgen ſie länger litt, ſo daß ſie erſt nach

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