Jahrgang 
1927
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tätig. Groß iſt unſre Trauer um den ſo ſchlichten Mann, deſſen edlen Charakter und vornehme Geſinnung wir alle hochſchätzten. Wir haben in ihm einen vortrefflichen Lehrer verloren. Am 3. März fand die Beiſetzung des Verbli⸗ chenen ſtatt, an welcher ſich das Kollegium und ſeine Schülerinnen beteiligten. Der Unterzeichnete widmete dem To⸗ ten Worte der Anerkennung und des Dankes. Über das Grab klang ihm der von unſren Kindern geſungene Chor: Selig ſind die Toten.

Am 24. März veranſtaltete das Mainzer Straßenbahnamt im Auftrage der Stadt Mainz im Kinoſaal der Neutorſchule eine Filmvorführung:Publikum und Verkehr, welcher alle Schülerinnen beiwohnten. Herrn Stadt⸗ baudirektor Karpf danken wir herzlichſt für ſeine Bemühungen um das Zuſtandekommen der Veranſtaltung.

Rege Tätigkeit war auf dem Gebiete der Kunſterziehung entfaltet worden. Die hieſigen Kirchen und Bau⸗ denkmäler, die Säle des Römiſch⸗Germaniſchen Muſeums, des Gutenberg⸗Muſeums, der Gemäldegalerie wurden dauernd beſucht und boten das beſte Anſchauungsmaterial für den kunſtgeſchichtlichen Unterricht der Anſtalt. Aber auch die Kunſtſchätze der Nachbarorte wurden unſren Schülerinnen gezeigt. So waren beliebte Ziele ſolcher Kunſt⸗ fahrten: Die Katharinenkirche in Oppenheim, die Sammlung der Burg Rheinſtein, das Goethehaus, das Liebigmu⸗ ſeum, das Städelſche Muſeum, das Senkenbergianum und der Römer in Frankfurt, das Cornelianum in Aſchaffen⸗ burg, das Landesmuſeum in Darmſtadt, das Schloß in Heidelberg und die Gemäldeſammlungen der Stadt Wies⸗ baden. Günſtige Gelegenheiten zur weiteren Pflege des Kunſtſinns verſchaffte uns der Beſuch der mannigfachen Aus⸗ ſtellungen in unſrer Vaterſtadt:Die Mainzerin, die Ausſtellungen des Dreiſtädtebundes, kirchlicher Kunſt, die über Buch⸗, Theaterkunſt und die Rudolf Koch⸗AusſtellungSchrift und Handwerk, letztere in Darmſtadt.

Von unſchätzbarem Werte für unſren Biologieunterricht ſind die Sammlungen des hieſigen Naturhiſtoriſchen Muſeums. Hatten wir ſchon in früheren Jahren durch die müheloſe Beſichtigung dieſes mit unſrem Hauſe verbun⸗ denen Inſtituts große Vorteile für die naturwiſſenſchaftlichen Stunden gehabt, ſo in noch erhöhtem Maße wäh⸗ rend des letzten Schuljahres. Denn der Direktor des Naturhiſtoriſchen Muſeums, Herr Prof. Dr. Schmidtgen, hat uns im Winterſemeſter in ſeinem Hörſaal insgeſamt 18 Filmvorträge gehalten, die uns die Wunderreiche der Na⸗ tur geöffnet haben. Herrn Direktor Schmidtgen ſei hier in unſer aller Namen für ſeine liebenswürdige, un⸗ eigennützige Bereitſchaft ſowie ſeine vortrefflichen Erläuterungen verbindlichſt gedankt.

Von beſonderen Unternehmungen unſrer beiden Frauenſchulklaſſen ſeien erwähnt der Beſuch des ſtädtiſchen Pflichtſchulkindergartens, der Kochkunſtausſtellung in Frankfurt, der Teppichwirkerei der Firma L. Ganz A.⸗G. und einer Sitzung des Jugendgerichts. Gelegentlich einer Reiſe nach Bensheim, wo die Frauenſchülerinnen mehreren Unterrichtsſtunden in der Taubſtummenanſtalt beiwohnten, wurde ihnen von Frl. Grein auf dem Darmſtädter Bahnhof ein intereſſanter Vortrag über die Bahnhofsmiſſion gehalten. Desgleichen hatte Herr Rektor Büttner von der Hilfsſchule auch in dieſem Jahre die Liebenswürdigkeit, vor den Frauenſchülerinnen zwei Vorträge über das nicht vollſinnige Kind zu halten, die tiefen Eindruck machten und liebevolles Verſtändnis für die großen Aufgaben der Hilfsſchule weckten. Am Donnerstag, den 17. März, veranſtaltete die Frauenſchule in unſrem Feſtſaal eine Aus⸗ ſtellung ihrer Arbeiten, die ſie im Unterricht des Kindergartens, Kochens, Schneiderns und Weißnähens ſowie im eigentlichen Werkunterricht hergeſtellt hatten.

Für die körperliche Ertüchtigung unſrer Jugend ſorgte zunächſt der für alle Klaſſen eingerichtete Spielnach⸗ mittag, den die Mehrzahl unſrer Schülerinnen auf dem Turnplatz des Turnvereins von 1817 verbrachte. Zu dem⸗ ſelben Zweck unternahmen wir jeden Monat kleinere oder auch ausgedehnte Wanderungen. Beſondere Aufmerkſam⸗ keit war während der Sommermonate dem Schwimmſport gewidmet. Unſre Turn⸗ und Spiellehrerinnen haben ſich ſeiner ſehr angenommen.

Im allgemeinen war der Geſundheitszuſtand unſrer Schülerinnen im Hinblick auf die Vorjahre beſſer. Selbſt während des epidemiſchen Auftretens der Grippe ſtieg die Fehlziffer nicht erheblich. Wohl aber litt der Lehrkörper un⸗ ter zahlreichen Geſundheitsſtörungen. So war eine Reihe von Mitgliedern unſres Kollegiums von ſchweren Erkran⸗ kungen heimgeſucht und der übrige Teil durch die Übernahme von Vertretungen überaus belaſtet.

Wir wünſchen, daß in dieſer Beziehung das Schuljahr 1927/28 für uns günſtiger verlaufen möge. Das Jahr 1926/27 ſchloß Samstag, den 2. April nach der letzten Vormittagsſtunde.