Jahrgang 
1927
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Der große Jahresausflug am 26. Auguſt führte unſre Kinder in alle ſchönen Teile unſrer näheren Umgebung.

Die Wiederimpfung der 1914 geborenen Schülerinnen wurde am 6. September und deren geſetzliche Nachſchau am 13. desſelben Monats vorgenommen.

Auch wir beteiligten uns wie im vergangenen Jahr an den Reichsjugendwettkämpfen. Die Schülerinnen tra⸗ ten am 13. September auf dem Turnplatz 1817 zum Wettlauf an. Dort war auch das Kugelſtoßen der Gruppe III. Alle übrigen Kämpfe wurden am 14. im Turnſaal bezw. im Hof der Anſtalt ausgetragen. Insgeſamt konnten der in Betracht kommenden Amtsſtelle 27 Siegerinnen der Dreikampfgruppe I, 21 der Vierkampfgruppe II und 6 der Vierkampfgruppe III zur Auszeichnung genannt werden.

Von der letzten Vormittagsſtunde an war der großen Hitze wegen am 30. Juni, 3., 5., 6., 9., 13., 14., 15. Juli, 16., 17. und 19. Auguſt ſowie 1., 2., 3., 4. und 6. September der Unterricht ausgefallen.

Der Unterzeichnete hat dann am 1. Oktober nach ſeiner Wiedergeneſung den Dienſt wieder aufgenommen.

Die evangeliſchen Schülerinnen der Anſtalt wohnten am 30. Oktober in der Chriſtuskirche einem Feſtgottes⸗ dienſt bei, in dem die 400 jährige Wiederkehr des Tages gefeiert wurde, an welchem in Heſſen die Reformation einge⸗ führt worden war.

Am 23. Oktober nahm der Unterzeichnete an der Direktorenverſammlung der heſſiſchen höheren Lehranſtalten in Darmſtadt teil.

Anregungen und Wünſchen entſprechend richtete die Stadt Mainz Ende November ein Milchfrühſtück ein, von dem bis auf den heutigen Tag rund 220 Schülerinnen täglich Gebrauch machten. 25 bedürftigen Kindern wurde dieſes koſtenfrei verabreicht.

Aus der Wohlfahrtsarbeit unſrer Anſtalt ſei hervorgehoben: der Vertrieb von 450 Loſen zugunſten der heſſi⸗ ſchen Künſtlerſchaft, eine Sammlung für die Blinden der Stadt Mainz und endlich der Verkauf von Wohlfahrtsmarken ſowie Wohlfahrtsloſen zum Bau eines Krüppelheims. Wir hatten das Glück, bei Künſtlerlotterie, 30 Gewinne für un⸗ ſre Anſtalt, darunter den 1., 5., 8. und 25. Hauptpreis heimzutragen.

Große Freude bereiteten die Aufführungen eines Nikolausmärchens, das die Schülerin unſrer 2 b, Ellen Guthmann, zur Verfaſſerin hatte und welches ſie nebſt ihren Klaſſenkameradinnen den Schülerinnen, Lehrern und Eltern der Anſtalt in köſtlicher Friſche und Natürlichkeit vorſpielte.

Wegen Neuherrichtung unſres Feſtſaals, die ſich bis in den Dezember hinein erſtreckte, mußte die Totengedenk⸗ feier in die Adventszeit verſchoben werden. Wir hielten ſie am Nachmittag des 13. Dezember ab. Der katholiſche Religionslehrer der Schule, Studienrat Dickenberger, hatte die Gedächtnisrede übernommen. Vier Chorgeſänge und die Darſtellung einer Szene ausWallenſteins Tod(Mitwirkende: Schülerinnen der Klaſſe 1c) vervollſtän⸗ digten die Feier.

Die ſchriftliche Reifeprüfung fiel in die Zeit vom 31. Januar bis 4. Februar; die mündliche folgte am 8. März unter dem Vorſitz unſres Referenten, des Herrn Staatsrat Block. Sämtliche 21 Oberprimanerinnen beſtanden. Als Anerkennung für die bei uns empfangene Ausbildung ſtifteten die Mädchen ihrer Schule G. Hauptmanns Werke, wo⸗ für wir ihnen herzlichſt danken.

Am 1. Februar wurde Studienaſſeſſor Dr. Buttler, der ſeither bei uns Volontärdienſt leiſtete, dem hieſigen Realgymnaſium überwieſen.

Bald darauf, am 17. Februar, dem 100. Todestage des großen Pädagogen Peſtalozzi, wurde während der letz⸗ ten Vormittagsſtunde in allen Klaſſen die Perſönlichkeit und das Wirken des bedeutenden Mannes gefeiert. An ei⸗ nem weiteren feſtlichen Anlaß, Peſtalozzi zu Ehren, am 26. März, beteiligten ſich das Kollegium und die Oberklaſſen der Anſtalt. Im Mittelpunkt dieſer Feier ſtand die Gedenkrede des badiſchen Staatsminiſters a. D. Dr. Hellpach.

Zu einer Ergänzungsprüfung waren die Schulamtsanwärterinnen Mark, Murmann und Saal⸗ wächter vom Landesamt für das Bildungsweſen zugelaſſen worden. Sie haben ſie am 18. Februar unter dem Vorſitz des Unterzeichneten beſtanden. Durch das Ergebnis dieſer Prüfung, die ſich nur auf Mathematik und Natur⸗ wiſſenſchaft erſtreckte, erwarben ſich die Genannten in Verbindung mit dem Zeugnis der wiſſenſchaftlichen Lehrerin⸗ nenprüfung das Zeugnis der Reife für den Univerſitätsbeſuch zum Zwecke höherer Berufsſtudien.

Schwer getroffen wurde die Anſtalt durch das am 28. Februar erfolgte plötzliche Ableben ihres Lehrers und treuen Kollegen, des Herrn Oberreallehrers Heinrich Kempf. Seit 1903 war er unermüdlich in unſren Dienſten

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